Kunstkrimi Neuer Podcast von MDR KULTUR: "Lost Art Gotha"

Es ist ein wahrer Krimi: Einst gehörte den Ernestinern auf Schloss Friedenstein in Gotha eine riesige Kunstsammlung, die über eine Million Objekte umfasste. Doch nach den Weltkriegen gingen viele Werke verloren. Dann folgte der Kunstraub 1979 – der größte Kunstdiebstahl der DDR. Bis heute sind zahlreiche Objekte aus Gotha auf der ganzen Welt verstreut. Der True Crime-Podcast "Lost Art Gotha" erzählt ihre Geschichte, berichtet von Schmuggel, Trophäenbrigaden, taucht ein in Stasi- und Polizeiakten – fünf Kriminalfälle in fünf Folgen.

Die Autorin und der Autor des Podcasts "Lost Art in Gotha" während der Produktion.
Kais Harrabi und Mareike Wiemann bei der Produktion des Podcasts "Lost Art Gotha" Bildrechte: MDR/Florian Leue

MDR KULTUR: Worum geht es in "Lost Art Gotha"?

Mareike Wiemann: Es geht im Großen und Ganzen um deutsche Zeitgeschichte, die anhand von fünf Kunstwerken erzählt wird: Wir verfolgen ihre Wege seit dem Zweiten Weltkrieg. Es geht da zum Beispiel um die sowjetischen Trophäenbrigaden, die 1945 die ostdeutschen Museen ziemlich leergeräumt haben.

Kais Harrabi: Außerdem erzählen wir vom spektakulären Kunstraub 1979, von dem viele schon gehört haben, bei dem fünf Altmeistergemälde aus Gotha geklaut wurden. Wir berichten von internationalem Kunstschmuggel und von einem aufregenden Gerichtsprozess.

Was hat euch an dem Thema so fasziniert?

Mareike Wiemann, Autorin des Podcasts "Lost Art in Gotha".
Mareike Wiemann, ist Autorin des Podcasts "Lost Art Gotha" und bei MDR KULTUR Landeskorrespondentin für Thüringen. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Mareike Wiemann: Das wirklich Spannende ist, dass alles aktuell ist, es ist fast nichts auserzählt von diesen Geschichten. Was passiert ist, hat bis heute Folgen für die Sammlung in Gotha, die früher sehr wichtig war. Manche sagen, wenn es nicht diese Verluste gegeben hätte, dann wäre die Sammlung heute Weltkulturerbe, wer weiß. Bis heute kämpft die Stadt Gotha darum, dass Kunstobjekte in die Sammlung zurückkehren.

Kais Harrabi: Für mich persönlich war auch der Aspekt sehr faszinierend, sich in diese alten Geschichten einzugraben und dann auch zu versuchen, selbst für die einzelnen Stücke die Wege nachzuvollziehen und durch Interviews und Recherche in Akten die Lücken zu füllen.

Was war dabei die spannendste Erkenntnis?

Kais Harrabi: Ich war erstaunt, wie emotional teilweise Museumsmitarbeiter und Leute geworden sind, die einen Bezug zu dieser Kunst in Gotha haben. Da merkt man wirklich, dass es nicht einfach nur ein Bild ist, das an einer Wand hängt oder irgendein Objekt, das in der Vitrine steht, sondern dass diese Objekte Menschen wirklich was bedeuten. Und das war für mich eine der spannendsten Erkenntnisse an dieser ganzen Recherche.

Mareike Wiemann: Spannend für mich waren auch die ethisch-moralischen Fragen, die sich aus den Themen ergeben. Sollte Beutekunst wieder nach Deutschland zurückkehren? Hat Deutschland einen Anspruch darauf, nach diesen schrecklichen Verbrechen, die die Nazis begangen haben? An welchen Ort gehört Kunst überhaupt? Ist es nicht egal, wo sie auf der Welt ausgestellt wird, solange sie denn ausgestellt wird und nicht irgendwo vergammelt? Da kann man ganz viel drauf rumdenken.

Kais Harrabi: Es sind einfach Fragen, die sich nicht abschließend klären lassen, weil es immer eine Debatte darum geben wird und auch geben muss. Diese Aufarbeitung finde ich sehr wichtig.

Was für ein Podcast erwartet die Hörerinnen und Hörer?

Kais Harrabi: Es sind fünf Folgen, grob geschätzt zwischen 20 und 30 Minuten jeweils. Wir erzählen spannende Geschichten. Ich glaube, wir versuchen so einen Investigativ-True-Crime-Vibe rüberzubringen.

Wer kommt alles zu Wort?

Kais Harrabi, Autor des Podcasts "Lost Art in Gotha".
Podcaster Kais Harrabi arbeitet auch als Autor für MDR KULTUR. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Kais Harrabi: Wir haben mit sehr vielen Leuten gesprochen, teilweise auch mit sehr illustren Gestalten. Und wir haben uns natürlich auch mit Akten beschäftigt. Wir haben Bücher gewälzt, sind sehr tief in das Thema eingestiegen und fast auch ein bisschen drunter begraben worden.

Mareike Wiemann: Ich war mehrmals in Gotha bei der Stiftung Schloss Friedenstein, habe mit dem Sammlungsdirektor gesprochen, mit einer Provenienzforscherin. Ich bin nach Berlin gefahren, habe dort mit dem Zentrum Kulturgutverluste gesprochen. Mit einer Anwältin, die in den Kunstraub involviert war, mit zwei Ermittlern, von der Polizei aus DDR-Zeiten und heute, die damit befasst waren. Also, es sind wirklich ganz verschiedene Leute.

Kais Harrabi: Aber alle sind irgendwie involviert in diese Geschichten über verlorene oder verloren geglaubte Kunst, die einen Gotha-Bezug hat. Ob sie zurückkommt oder nicht, das will ich nicht verraten. Aber für viele Stücke gibt es tatsächlich so etwas wie ein Happy End.

Angaben zum Podcast "Lost Art Gotha"
Autorin: Mareike Wiemann und Kais Harrabi
Hosts: Mareike Wiemann und Kais Harrabi

5 Kriminalfälle in 5 Folgen
Alle Folgen sind ab dem 14. Oktober 2021 verfügbar.

Der Podcast ist verfügbar in der ARD AUDIOTHEK, bei Apple Podcasts, Google Podcasts, bei Spotify und als RSS-Feed.

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Mareike Wiemann, Autorin des Podcasts "Lost Art in Gotha". 7 min
Bildrechte: MDR/Florian Leue

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MDR KULTUR - Das Radio Do 14.10.2021 06:00Uhr 07:15 min

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