Szenen vom Land schafft Theater
Beispiel für erfolgreiche Kultur auf dem Land: Szene aus der Theaterinszenierung "Die große Reise" in Bad Düben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Interview mit Kulturmanagerin Hortensia Völckers Wie kommt die Kultur aufs Land?

Weite Wege, wenig Publikum, mangelndes Interesse: Wer Kultur aufs Land bringen will, stößt oft auf Hindernisse. Die Kulturstiftung des Bundes treibt deswegen im Rahmen des "Trafo"-Förderprogramms Modellprojekte voran - und stellt sie nun auf einem Kongress in Halle vor. Im Interview erklärt Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung, wieso sie die Tagung veranstaltet.

Szenen vom Land schafft Theater
Beispiel für erfolgreiche Kultur auf dem Land: Szene aus der Theaterinszenierung "Die große Reise" in Bad Düben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR: Welche Rolle spielt denn Kultur auf dem Land - wird sie tatsächlich so dringend gebraucht?

Hortensia Völckers: Kultur wird immer dringend gebraucht. Und vor allem in Regionen, wo der demografische Wandel seine Spuren hinterlassen hat, kommt es leider vor, dass das Angebot und die institutionelle Situation schlecht ist. Das heißt: Man muss neu denken, wie man ein Kulturangebot in ländlichen Regionen aufbereitet.

Und inwiefern hilft Kultur, wenn Ärzte fehlen, der Bus nicht mehr kommt und die Internetanbindung schlecht ist?

Hortensia Völckers bei der Eröffnung den Neubaus der Kulturstiftung des Bundes am 30.10.2012 in Halle
Hortensia Völkers ist die künstlerische Leiterin der Kulturstiftung des Bundes. Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Natürlich sind solche Dinge wie der Bus oder Ärzte essentiell wichtig. Wenn wir aber keine Orte mehr haben, wo Bürger zusammenkommen, dann fehlt auch etwas. Wo man über Themen nachdenkt, etwas macht. Wo man sich auch streiten kann.

Und das ist das, was Kultur kann! Also schauen wir konkret: Wie kann man einen Generationswechsel bei den Chören oder den Vereinen organisieren, wie kann eine Bibliothek sich neu aufstellen, wie kann ich kleine Museen koordinieren, so dass sie nicht alle das gleiche machen?

Nur sind die Kulturschaffenden und Intellektuellen ja oft auf dem Land gar nicht willkommen! Fast so verhasst wie die Fremden möchte man meinen.

Nein, das erlebe ich ganz anders. Es geht ja nicht darum, dass wir irgendein fantastisches Kulturereignis irgendwo reinimportieren. Sondern wir haben uns im Vorfeld des Kongresses ein paar Regionen ausgesucht, in Absprache und Zusammenarbeit mit der Landespolitik, wo auch Personen da sind, die eine Veränderung wollen. Beispielsweise in Altranft in Brandenburg. Das dortige Museum war früher geschlossen, hat sich jetzt aber als eine Art "Werkstatt für die Region" neu aufgestellt. Und dort kommen Menschen zusammen, die sich mit den Themen der Region auseinandersetzen: mit Wasser, dem Fluss, der Erde, der Landwirtschaft. Mit ihren eigenen Themen also!

Wen haben Sie denn zu Ihrem Kongress nun eingeladen?

Wir haben jetzt nach fast drei Jahren gedacht - wir müssen mal zusammen kommen und verschiedene Akteure zusammenbringen: Menschen aus Landes- und Bundespolitik, von der Kulturpolitischen Gesellschaft oder der Internationalen Bauausstellung Thüringen. Und wir sprechen über Themen wie den Umgang mit populistischen Tendenzen in der Gesellschaft, über Lokaljournalismus. Außerdem stellen wir natürlich Best-Practice-Projekte vor: Was es schon gibt, was inspirierend sein kann.

Das Interview führte Carsten Tesch für MDR KULTUR.

Weitere Informationen zur Veranstaltung Trafo-Ideenkongress zu Kultur, Alltag und Politik auf dem Land
19.-21. September 2018 im Volkspark Halle

Interessierte Besucher sind herzlich willkommen.

Einer der Höhepunkt des TRAFO-Kongresses: Der "Schwarzmarkt für nützliches und unnützes Wissen". Thema: "Wir reden vom Land". Dabei sitzen 60 Experten an 60 Tischen und sprechen ähnlich wie beim Speed-Dating im 30-Minuten-Takt mit Interessierten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. September 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2018, 11:35 Uhr