Ausstellung Nach Entwürfen Raffaels: Galerie Alte Meister zeigt kostbare Wandteppiche

In diesem Jahr begeht die Welt den 500. Todestag des großen Renaissancekünstlers Raffael. Mit der Sixtinischen Madonna besitzt die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eines seiner berühmtesten und wirkmächtigsten Altargemälde. Der glanzvollen Wiedereröffnung der Galerie nach umfangreicher Sanierung Ende Februar 2020 folgte bald die Corona-bedingte neuerliche Schließung. Mittlerweile ist die Galerie im Semperbau wieder geöffnet und auch die lang geplante Sonderausstellung "Raffael – Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung" kann jetzt nachgeholt werden. Zu sehen sind die sogenannten Dresdner Bildteppiche des italienischen Ausnahmekünstlers sowie hochkarätige Leihgaben.

Nicht alle avisierten Kunstwerke konnten reisen. Corona beeinträchtigt auch den internationalen Leihverkehr. Aber die zentralen Stücke der Ausstellung "Raffael – Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung" gehören ohnehin zum Bestand der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Es sind großformatige Tapisserien, die nach Vorlagen von Raffael entstanden, auch bekannt als Dresdner Bildteppiche.

Teppichentwürfen für die Sixtinischen Kapelle

Blick in eine Ausstellung
Die Galerie Alte Meister verfügt über sechs Tapisserien, die mit Leihgaben aus Paris vervollständigt werden. Bildrechte: SKD/Alexander Peitz

Die figurenreichen Bildwerke zeigen Szenen aus dem Leben der beiden Hauptapostel Petrus und Paulus. Papst Leo X. hatte den Ausnahmekünstler 1514 mit Teppichentwürfen für die weitere Ausgestaltung der Sixtinischen Kapelle beauftragt. Über ein Jahrhundert später wurden in der englischen Manufaktur Mortlake weitere Teppich-Serien nach den Entwürfen Raffaels nachgewebt. Eine Folge davon konnte August der Starke 1728 erwerben. In heutiger Zeit sind sie ein besonderer Teil der Sammlung Alte Meister. Sie verfügt laut Co-Kuratorin über sechs Tapisserien, die für die Ausstellung mit Leihgaben aus dem Mobilier National in Paris vervollständigt wurden.

Sie sind zum einen besonders durch ihren Erhaltungszustand und durch die Größe des Sets auch.

Larissa Mohr, Co-Kuratorin

Monumentale Figuren und weite Landschaftsbilder

Bildteppich nach einem Karton von Raffael
"Weide meine Schafe" lautet der Titel dieses Wandteppichs Raffaels. Bildrechte: SKD/Alexander Peitz

Die Rudolf-August-Oetker-Stiftung hatte sich finanziell für die aufwendige Restaurierung engagiert. In den letzten zwölf Jahren waren die Teppiche in Dresden nicht zu sehen. Jetzt entfalten sie im sogenannten Winckelmann- Forum wieder ihre ganze Wirkung. Die übten sie über die Jahrhunderte auch auf viele andere Künstler aus: Goethe erwähnt sie in der "Italienischen Reise", Aretino sieht in ihnen einen Wendepunkt in Geschmack und Stil. Dürer, Poussin, Rubens, Rembrandt und viele andere gehörten zu den Bewunderern, die sich  Haltungen oder Figurenkonstellationen absahen. Monumentale Figuren und weite Landschaftsbilder als Hintergründe – damit wagte Raffael laut Stephan Koja etwas Neues. Der Direktor der Galerie Alte Meister ist auch Kurator der Ausstellung.

Aber was eben Raffael auszeichnet ist, dass er im Grunde die Bildsprache revolutionierte der Bildteppiche.

Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister

Äußerst kostbarer Wandschmuck

Als Raffael die Teppichentwürfe schuf, war er bereits ein berühmter Mann; hatte zahlreiche Madonnenbilder und  Porträts geschaffen, die Stanzen im Vatikan, er war für die römischen Altertümer zuständig und Bauherr von St. Peter. Nur mithilfe einer großen  Werkstatt konnte er dieses Pensum überhaupt bewältigen. Die Teppiche waren ein äußerst kostbarer Wandschmuck, wie Stephan Koja bestätigt: "Tapisserien waren wirklich ein Gegenstand des Prestiges und auch durch die aufwendige Herstellung eine Möglichkeit, Reichtum und die eigene Stellung zu unterstreichen."

Tapisserien gehörten zum kostbarsten, was es gab.

Stephan Koja, Direktor der Galerie Alte Meister

Doppelter Gewinn für August den Starken

Die Bordüren, die die Kernszenen umrahmen, sind nicht von Raffael. Sie stammen aus dem Barock und boten für die Besitzer die Möglichkeit, sich mit ihrem Wappen oder anderen Symbolen zu verewigen. Für August den Starken, der die Dresdner Teppiche über seinen wichtigsten Minister Reichsgraf Flemming erwarb, war die Serie ein doppelter Gewinn: Mit ihrem Besitz konnte er mit den europäischen Königen mithalten und gleichzeitig sein papsttreues Christentum bezeugen.

Fazit

Die Ausstellung sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, auch wenn wir vielleicht bald wieder nach Rom reisen können.  

Weitere Informationen Die Ausstellung ist ab Samstag, 6. Juni, im Semperbau zu sehen und läuft bis zum 30. August 2020. Im November wird sie in leicht veränderter Form im Columbus Museum of Art, in Columbus, Ohio gezeigt.

Kunst in Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juni 2020 | 07:40 Uhr