Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein
Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein Bildrechte: dpa

Rezension Wie klingt das neue Album von Rammstein?

Am 17. Mai erscheint das neue Album der international erfolgreichsten Band Deutschlands: Rammstein. Ihr siebtes Album trägt den einfachen Namen "Rammstein". Vor dem Erscheinungsdatum herrschte große Geheimhaltung. Aber unser Musikkritiker durfte das Album schon zuvor hören – unter absurden Bedingungen. 2020 kommt die Band dann für zwei Konzerte nach Leipzig.

von Johannes Paetzold, MDR KULTUR-Musikkritiker

Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein
Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein Bildrechte: dpa

Vor dem Erscheinungsdatum wurden in mehreren deutschen Großstädten Clubs angemietet, in denen das neue Rammstein-Album im Loop gespielt wurde – von "Deutschland" bis "Hallomann" und dann wieder von vorne. Richtig laut und nonstop. Bevor ich aber mit den journalistischen Kollegen in diesen Genuss kam, musste ich erst einmal einen Vertrag unterschreiben, dass ich bei 50.000 Euro Strafe nichts über dieses Album erzählen oder verbreiten dürfe vor dem heutigen Stichtag. Und natürlich musste ich mein Handy abgeben. Es ging hier nicht um Wikileaks-Enthüllungen oder neue BMW-Boliden: Es ging um ein Rock ’n‘ Roll Album, das da im fast menschenleeren Raum im Dunklen in voller Lautstärke vor sich hin dröhnte.

Songs hämmern wie eh und je

Um den Höreindruck am besten zu beschreiben, müsste man eigentlich den Kellner fragen, denn der war den ganzen Tag in diesem Raum und hat das Album also ungefähr 20 Mal nonstop gehört. Was ich für eine reife Hörerleistung halte. Ich habe es mir einmal zu Gemüte geführt. Elf Songs mit Titeln wie "Puppe", "Ausländer", "Zeig Dich" und den beiden bereits bekannten Liedern, dem Aufreger "Deutschland" und "Radio".

Die Songs hämmern und klopfen wie eh und je bei Rammstein. Es klingt etwas geschliffener, etwas polierter als die rauhkantigen Vorgänger. Ich meine, mehrmals Schnittmengen oder Einflüsse aus dem Krautrock der Siebziger herausgehört zu haben. Und es gibt sogar eine Ballade: "Diamant". Ansonsten zeichnen sich Rammstein auch hier nicht mit Subtilität und Zwischentönen aus. Das sind Gitarrenriffs aus Metal und Hardrock, auch Synthesizer und Keyboards treiben immer auf den Refrain zu, der dann manchmal fast kindlich naive Töne trägt.

Eine Kehrtwende, eine Entwicklung im Sinne einer Zäsur oder eines Neuanfangs ist dieses Rammstein-Album sicher nicht.

Johannes Paetzold, Musikkritiker

Texte über Tattoos und Sex

Rammstein Albumcover
Cover des neuen Albums "Rammstein" Bildrechte: Universal Music/dpa

Der Text beim Lied "Deutschland" war ein Aufreger, beim Song "Sex" ist er eher harmlos. Ich meine,  den Ausdruck "dralles" Fleisch“ gehört zu haben. Ansonsten ist es ein hedonistisches Bekenntnis: Wir leben nur einmal, komm, lass uns Sex haben. Also Rammstein machen sicher keine Musik noch Texte für die Oberstufe. Ein bisschen mehr Grauen gibt es in Liedern wie "Puppe". Der kleine Junge bekommt täglich mit, wie seine Schwester sich prostituiert. Als Ablenkung drückt man ihm eine Puppe in die Hand, der er dann irgendwann den Kopf abreißt.

Soweit ich Rammstein Sänger Till Lindemanns von rollenden Rrr getränkte Wortreime in "Tattoo" verstehe, lässt er sich ein Tattoo stechen, damit sie immer bei ihm ist. Aber falls sie doch die Biege macht, sucht er sich dann künftig alle anderen gleichen Namens.

Immer noch international erfolgreich

Ich erinnere mich, als ich in den Neunziger Jahren beim Ostberliner Radiosender DT 64 – später MDR SPUTNIK – arbeitete in der Musikredaktion. Da kam ein junger Ostberliner Musikmanager zu mir und gab mir eine damals noch Musikkassette in die Hand und sagte: "Hör einmal, die habe ich jetzt unter Vertrag." Das waren da noch Feeling B, später Rammstein. Ich hörte mir das an, sagte, das wird sicher erfolgreich. Vielleicht sogar international. Mich erreicht es emotional ehrlich gesagt nicht so sehr. Da war meine Zukunftsprophezeiung mal richtig. Und mein Statement dazu bis heute auch.

European Stadion Tour mit Stopp in Sachsen 29. und 30. Mai 2020, Leipzig, Red Bull Arena

Weitere Albenbesprechungen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Mai 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 04:00 Uhr

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