Videobild - Musikvideo "Deutschland" von Rammstein
Dia Band Rammstein auf ihrem Ritt durch die deutsche Geschichte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Musikvideo "Deutschland" Neues Rammstein-Video sorgt für kontroverse Debatte

Das neue Musikvideo "Deutschland" von Rammstein zeigt die Bandmitglieder auf einem wilden Ritt durch die Deutsche Geschichte, gespickt mit ikonischen Bildern aus verschiedensten Epochen: Ritter, Reformation, Kolonialismus, geteiltes Deutschland, Nationalsozialismus. Dazu singt Frontmann Till Lindemann Zeilen wie: "Deutschland, deine Liebe ist Fluch und Segen." Das Video wurde schon kurz nach der Veröffentlichung millionenfach auf Youtube angesehen.

Videobild - Musikvideo "Deutschland" von Rammstein
Dia Band Rammstein auf ihrem Ritt durch die deutsche Geschichte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das am Donnerstag von der Band Rammstein veröffentlichte Musikvideo zu ihrem Song "Deutschland" hat für heftige Kritik gesorgt und eine Debatte über den Umgang mit Holocaust-Bildern ausgelöst. In einer Szene des Videos sind die Bandmitglieder als Häftlinge mit gelbem David-Stern am Galgen in einem Konzentrationslager zu sehen.

Heftige Kritik von offizieller Seite

Videobild - Musikvideo "Deutschland" von Rammstein
Szene im Konzentrationslager aus dem Video "Deutschland" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Christoph Heubner, den Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, toben die Bandmitglieder "mit ihren Gewaltfantasien durch die deutsche Geschichte wie aufgeputscht, getrieben von der Gier nach möglichst blutrünstigen Bildern und Szenen, die auch vor den deutschen Konzentrationslagern nicht Halt machen."

Für Überlebende der Konzentrationslager seien solche Videos empörend und abstoßend, erklärt Heubner.

Der Wert dieses Videos als künstlerische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und Deutschland als Vaterland liegt weit unter Null.

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees

Laut Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, habe die Band eine Grenze überschritten. Rammstein verharmlose die Schrecken des Holocaust, so Knobloch.

Kritik an Deutschland?

Doch es gibt auch Stimmen, die in dem provozierenden Video eine Kritik an der deutschen Geschichte und somit auch die Distanzierung von rechtem Gedankengut sehen. Die Zeile "Deutschland, meine Liebe kann ich dir nicht geben" sei eine eindeutige Positionierung:

So deutlich, so klar und unmissverständlich haben sich Rammstein noch nie gegen Deutschtümelei, Geschichtsverklärung und neu aufkommende Allmachtsphantasien einiger in einem Song geäußert.

Hendryk Proske, MDR KULTUR-Musikredakteur

Ähnlich sieht es Philipp Johannßen von den Stuttgarter Nachrichten.

Es ist ein martialischer Rundumschlag, der (...) das zwiespältige Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte, besonders dem Nationalsozialismus, überspitzt wiedergibt.

Philipp Johannßen, Stuttgarter Nachrichten

Auch von Fans und in den sozialen Medien gibt es Lob. So auch die BuzzFeed-Mitarbeiterin Verena Schöbel:

Künstlerische Auseinandersetzung mit Holocaust-Bildern

Schon vorab hatte Rammstein die KZ-Szene aus dem Video als Teaser auf das Musikvideo veröffentlicht. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte daraufhin erklärt, dass es zahlreiche Künstler gebe, die sich in ihren Kunstwerken auf eine würdevolle Art mit der Schoa auseinandersetzten.

Wer den Holocaust jedoch zu Marketingzwecken missbraucht, handelt verwerflich und unmoralisch.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Gegen eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Holocaust sei prinzipiell nichts einzuwenden, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Ebenso kritisierte die Sprecherin der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem nicht generell den künstlerischen Umgang mit dem Holocaust.

Wir glauben, dass eine respektvolle künstlerische Darstellung des Subjekts legitim sein kann, solange es die Erinnerung an den Holocaust keinesfalls beleidigt, herabsetzt oder schändet.

Iris Rosenberg, Sprecherin der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums nannte den Teaser "beschämend" und sprach sie für die Löschung des Clips aus.

Einladung in die KZ-Gedenkstätte Dachau

Von der Band gibt es bisher keine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, hat die Band als Reaktion auf das Video in die KZ-Gedenkstätte Dachau eingeladen.

Die Band Rammstein und frühere Nazi-Vorwürfe Die Berliner Rockband mit ihren eingängigen Texten, martialischen Klängen und einer Vorliebe für Tabuthemen, war in der Vergangenheit schon durch das Spiel mit Nazi-Ästhetiken aufgefallen. So kamen 1998 im Musikvideo "Stripped" Szenen aus Leni Riefenstahls NS-Propagandafilm über die Olympischen Sommerspiele von 1936 vor. Nazi-Vorwürfe hatte Sänger Lindemann damals zurückgewiesen: "Wir kommen aus dem Osten und sind als Sozialisten aufgewachsen. Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis - wir hassen Nazis!"

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt - Die Kulturnachrichten | 29. März 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2019, 11:04 Uhr

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