Hans-Jochen Marquardt, Vorsitzender des Literarischen Museums und Initiator der Reclam-Ausstellung, zeigt im Reclam-Museum in Leipzig eine Ausgabe der Reclam Wochenend-Bücherei, die zwischen 1927 und 1930 in einer Blechkassette auf den Markt kam.
Hans-Jochen Marquardt zeigt im Reclam-Museum eine Ausgabe der Reclam Wochenend-Bücherei, die zwischen 1927 und 1930 in einer Blechkassette auf den Markt kam. Bildrechte: dpa

Neueröffnung Leipziger Reclam-Museum eröffnet

Wohl jeder hat schon eines der kleinen Reclam-Hefte in der Hand gehabt. In der Schule erweckte ihre Pflichtlektüre teils gemischte Gefühle. Fest steht aber auch, dass die handlichen Bücher nach ca. 150 Jahren noch immer populär sind. Seit dem 24. Oktober hat Reclam nun ein eigenes Museum in Leipzig.

von Eva Gaeding, MDR KULTUR

Hans-Jochen Marquardt, Vorsitzender des Literarischen Museums und Initiator der Reclam-Ausstellung, zeigt im Reclam-Museum in Leipzig eine Ausgabe der Reclam Wochenend-Bücherei, die zwischen 1927 und 1930 in einer Blechkassette auf den Markt kam.
Hans-Jochen Marquardt zeigt im Reclam-Museum eine Ausgabe der Reclam Wochenend-Bücherei, die zwischen 1927 und 1930 in einer Blechkassette auf den Markt kam. Bildrechte: dpa
Hans-Jochen Marquardt, Vorsitzender des Literarischen Museums und Initiator der Reclam-Ausstellung, zeigt im Reclam-Museum in Leipzig eine Ausgabe der Reclam Wochenend-Bücherei, die zwischen 1927 und 1930 in einer Blechkassette auf den Markt kam. 4 min
Bildrechte: dpa
Hans-Jochen Marquardt, Vorsitzender des Literarischen Museums und Initiator der Reclam-Ausstellung, zeigt im Reclam-Museum in Leipzig eine Ausgabe der Reclam Wochenend-Bücherei, die zwischen 1927 und 1930 in einer Blechkassette auf den Markt kam. 4 min
Bildrechte: dpa

Seit Mittwoch lädt das Reclam-Museum in Leipzigs Grafischem Viertel die Liebhaber der kleinen und oft gelben Hefte und ihre vielfältigen Geschwister zum Besuch ein. Auf den nur etwa 50 Quadratmetern im Souterrain der Kreuzstraße 12 hat Museumsleiter Hans-Jochen Marquardt erstaunlich viel zusammengetragen. Es finden sich Raritäten, wie einige der ersten Nummern von Reclams Universalbibliothek; aber auch Kurioses, wie das Studentenliederbuch, das mit Stahlnoppen gegen das Liegen in Bierlachen gewappnet ist. Außerdem kann man elegant gestaltete Sonderreihen und kostbare Autografe von Thomas Mann und Herman Hesse betrachten.

Sie sehen, es ist ein kleines Museum, aber ich sag’ immer: Besser ein kleines, als keines.

Hans-Jochen Marquardt, Leiter des Reclam-Museums
Ein emailliertes Werbeschild der 'Philipp Reclam Universal-Bibliothek' von 1905 ist in der Ausstellung des Reclam-Museums in Leipzig zu sehen.
Ein emailliertes Werbeschild der 'Philipp Reclam Universal-Bibliothek' von 1905 Bildrechte: dpa

Ein paar Ohrensessel laden zum Niederlassen und Schmökern ein. Das ist auch der Tipp des Leiters Marquardt für das recht kleine Museum und sagt: "Am besten sieht man alles, wenn man sitzt. Ist wirklich so." Mit über 10.000 Heften gibt es mehr als genug Lesestoff. Ein Drittel der Gesamtproduktion von Reclams Universal-Bibliothek steht somit zum Durchblättern in zwei großen Regalen bereit. Die Universal-Bibliothek ist die älteste Taschenbuchreihe Deutschlands und das prominenteste Produkt des Verlages.

Es ist Marquardts eigene Sammlung, die hier ausgestellt wird, und um diese möglichst komplett zu haben, ist er überall auf Jagd nach den kleinen Heften gegangen. So suchte er auch gezielt in Städten, in denen früher einmal Deutsch gesprochen wurde, zum Beispiel Prag, Budapest oder auch Windhuk in Namibia.

Marquardts Vater war Reclam-Chef in der DDR

In der Ausstellung des Reclam-Museums in Leipzig ist ein Nachbau eines Reclam-Bücherautomaten, wie er in den Jahren 1912 bis 1917 unter anderem auf Bahnhöfen zu finden war, zu sehen.
In der Ausstellung ist ein Nachbau eines Reclam-Bücherautomaten, wie er u.a. auf Bahnhöfen zu finden war, zu sehen. Bildrechte: dpa

Schon seit über 50 Jahren hat Marquardt die Sammelleidenschaft im Griff. Angefangen hatte er bereits im Alter von 14 Jahren. Die Triebfeder seiner Leidenschaft versteckt sich in Marquarts Biografie: Sein Vater, Hans Marquardt, war von 1961 bis 1986 Leiter des Reclam-Verlages in der DDR.

Und so spiegelt die Dauerausstellung im Reclam-Museum auch die besondere Geschichte des seit 1948 zweigeteilten Verlages wider. Diese ging erst 2006 mit der Schließung von Reclam Leipzig zu Ende und damit eine Ära, die 1905 mit dem Umzug ins eigens erbaute Verlagshaus begann. Das Museum liegt nun direkt gegenüber der historischen Verlagsgebäude, deren hellgelbe Klinkerfassade heute elegant renoviert ist und als "Reclam-Carreé" besonderen Wohnraum bietet.

Das Reclam-Museum im Souterrain steht mit seiner überschaubaren Größe im krassen Gegensatz zu den neuen Loftwohnungen ringsum. Dem Andenken an Reclams Leipziger Vergangenheit würde man mehr Raum wünschen. Und doch beweisen die schmalen Hefte aus Reclams Universal-Bibliothek ja selbst immer wieder, dass man auch im kleinen Format wahrhaft groß sein kann.

Reclam und Leipzig Die Erfolgsgeschichte von Reclams Universalbibliothek begann in Leipzig. Im Grafischen Viertel, wo heute noch Namen, wie Insel- oder Brockhausstraße vom früheren Glanz der Buchstadt zeugen, erschienen im Jahr 1867 die ersten Hefte der Buchreihe. Den geistigen Vätern der Büchlein, Anton Phillipp Reclam und seinem Sohn Hans Heinrich Reclam, ging es dabei um ein besonderes Geschäftsmodell: Sowohl Klassiker, als auch beliebte Unterhaltungsliteratur für wenig Geld einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Ein durchaus erfolgreiches Konzept, denn heute gibt es die Universal-Bibliothek immer noch.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Oktober 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2018, 10:01 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR