Regina Ziegler
Filmproduzentin Regina Ziegler wurde am 8. März 1944 in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt geboren. Bildrechte: Ulrike Schamoni

Zum 75. Geburtstag Regina Ziegler – die erste Filmproduzentin Deutschlands

Sie ist eine der erfolgreichsten Filmproduzentinnen Europas. Mehr als 500 Filme hat Regina Ziegler produziert. Einige erlangten Kultstatus, wie der Kinofilm "Kamikaze 89" mit Rainer Werner Fassbinder, andere zogen Millionen Zuschauer vor die Fernsehgeräte wie die Serie "Weissensee". Am 8. März feiert sie ihren 75 Jahre Geburtstag.

von Galina Breitkreuz, MDR KULTUR

Regina Ziegler
Filmproduzentin Regina Ziegler wurde am 8. März 1944 in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt geboren. Bildrechte: Ulrike Schamoni

Für das Publikum ist Regina Ziegler nie so sichtbar wie die Stars. Doch die kennen sie alle. "Die Grande-Dame der Produzenten", nennt Schauspielerin Hanna Schygulla sie. "Für mich ist sie die vielfältigste Produzentin", sagt Anna Loos. "Wenn ich sie sehe, bin ich immer ganz ehrfürchtig", gibt Lars Eidinger zu. "Sie ist eine Träumerin geblieben", findet Katharina Thalbach. Und Florian Lukas weiß: "Sie hat den Willen und den Charme, sich durchzusetzen."

Bettina Zimmermann, Regina Ziegler, Heike Makatsch und Tanja Ziegler
Bettina Zimmermann, Regina Ziegler, Heike Makatsch und Tanja Ziegler (v.l.n.r.) Bildrechte: imago/Future Image

Mit großen Namen arbeitet Regina Ziegler schon seit Beginn ihrer Karriere: Ob mit Ben Beckers Ziehvater Otto Sander oder Brigitte Mira, Günter Lamprecht oder Harald Juhnke. Und für junge und noch unbekannte Schauspieler werden ihre Produktionen ein Sprungbrett zum großen Erfolg. "Sie ist jemand, der bringt die richtigen Leute an den richtigen Ort zur richtigen Zeit", sagt "Weissensee"-Darsteller Florian Lukas. Eine Netzwerkerin, die von Anfang an mit Argusaugen über ihre Filme wacht. Dass sie die einzige Frau im Männerchor der deutschen Produzenten ist, ficht sie nicht an.

Ich hab mich noch nie in meinem Leben gelangweilt. Ich hab immer irgendwo was im Kopf, ich hab was zu tun. Ich bin jemand, der Gottseidank nicht so ist, wie andere.

Regina Ziegler, Filmproduzentin

Regina Ziegler und Angela Merkel
Regina Ziegler und Angela Merkel Bildrechte: imago/T-F-Foto

Ein Kriegskind, geboren in Sachsen-Anhalt

Auch wenn Berlin längst ihre Heimat ist, geboren wurde Regina Ziegler in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Dabei sollte ihr Leben eigentlich auch in Berlin beginnen, denn dort haben ihre Eltern eine Familie gegründet. Eine Tochter ist bereits geboren, als der Vater an die Front muss. Ende 1943 ist die Mutter mit ihrer zweiten Tochter schwanger.

Nahezu täglich wird Berlin bombardiert. Wie so viele flieht auch die Mutter, hochschwanger mit ihrer 5-jährigen Tochter in den Luftschutzbunker. "Der wurde dann so zugebombt, dass man keinen Ausgang mehr hatte und nicht wusste, ob man da überhaupt wieder rauskommt", erzählt Ziegler. "Nach drei Tagen hat man das freigebuddelt und als sie raus kam, war das Haus, in dem sich ihre Wohnung befand, auch nicht mehr da. Sie stand da, hochschwanger, mit einem Mädchen, fünf Jahre alt, und das war's."

Die Mutter schlägt sich im Winter 1944 durch bis in den Harz, nach Allrode. Dort leben ihre Eltern auf einem Bauernhof – ein Zufluchtsort in schwierigen Zeiten. "Das Ergebnis war, dass ich dann in Quedlinburg am 8. März 1944 geboren wurde", sagt Ziegler weiter.

Viele Kinobesuche mit der Mutter

Sie ist ein Jahr alt, als die Sowjetarmee den Ostharz besetzt. Ein Leben dort ist für die Mutter keine Option, sie siedelt in den Westen um. Als der Vater heimkehrt, kann Mutter Trude endlich ihren Traum wahrmachen:

"Sie wollte immer Journalistin werden und wurde von der Schaumburger Zeitung 1949 auch angenommen. Sie ist mit ihrem Moped durch die ganze Gegend gefahren – deshalb hieß sie dann auch rasende Reporterin", erzählt Regina Ziegler. Von ihrer Mutter mitgenommen habe sie, "dass man sich nicht einfach so abschieben oder fertigmachen lässt, sondern sehr klar eine Haltung hat".

Gerade in der heutigen Zeit ist Haltung ein Wort, das viele Leute gar nicht mehr kennen. Umso wichtiger ist es, eine Haltung zu haben.

Regina Ziegler, Filmproduzentin

In einer westdeutschen Kleinstadt im Weserbergland wächst Regina Ziegler auf. Courage und Haltung werden zum Kompass des Erwachsenwerdens. Und der Beruf der Mutter öffnet ihr die Tür zu einer neuen Welt: "Meine Mutter hat immer Filmkritiken geschrieben und mich natürlich mitgenommen. Ich durfte auch in die Filme gehen, die meinem Alter noch nicht entsprochen hatten", erinnert sie sich. "So habe ich ganz viele Kinofilme gesehen."

Karriere als Filmproduzentin in Berlin

Katherina Hunter, Maria Schell, Regina Ziegler und Helma Sanders-Brahms
V.l.n.r.: Katherina Hunter, Maria Schell, Regina Ziegler und Helma Sanders-Brahms mit ihren Auszeichnungen beim Bundesfilmpreis 1977. Bildrechte: dpa

Um Jura zu studieren, zieht Regina Ziegler 1964 nach Berlin. Die Mauer teilt die Stadt in Ost und West. Das bürgerliche Charlottenburg wird ihre neue Heimat. Sie heiratet ihren ersten Mann Hartmut Ziegler und bekommt eine Tochter. Das Studium gibt sie schließlich auf und heuert nach einer Ausbildung zur Wirtschaftsdolmetscherin als "Mädchen für alles" beim Sender Freies Berlin an.

Zuerst gilt sie als das Mädchen aus der Provinz, doch sie arbeitet sich schnell hoch. Macht erst Redaktionsassistemz, Produktionsassistenz und darf dann als Produktionsleiterin viele Projekte betreuen. Bald steht ihr Entschluss fest. Sie wird Filmproduzentin – unabhängig und mit einer eigenen Firma. Der Film "Ich dachte, ich wäre tot" ist ihr Start als junge Unternehmerin. Regie und Drehbuch: ihr späterer Ehemann Wolf Gremm. "Für den Film habe ich alle Leute, die ich gut kannte, angepumpt und gesagt: Leute, ihr müsst mir mal einen Tausender oder Fünfe leihen, ich will einen Film machen", erzählt Regina Ziegler.

Erster Erfolg mit "Ich dachte, ich wäre tot"

Filmproduzentin Regina Ziegler und ihr Mann Wolf Gremm 2005 in Berlin
Filmproduzentin Regina Ziegler und ihr Mann Wolf Gremm 2005 in Berlin Bildrechte: dpa

Mit 100.000 Mark produziert sie 1973 "Ich dachte, ich wäre tot". Das moderne Sozialdrama um eine junge Frau wird zum Erfolg. Regisseur Wolf Gremm und Produzentin Regina Ziegler gehören nun zu den Protagonisten des Neuen Deutschen Films. Die beiden heiraten und ziehen mit Tochter Tanja in ein Haus am Rande des Grunewalds. Parallel dazu entwickelt sich die Produktionsfirma Ziegler Film.

Ich will keine mittelmäßigen Filme produzieren. Mittelmäßigkeit ist für jeden uninteressant. Das ist Langeweile.

Regina Ziegler, Filmproduzentin

Mit dieser Art von Kompromisslosigkeit begegnet sie allen Genres. Ein Film folgt auf den anderen und die Öffentlichkeit beginnt die junge Produzentin wahrzunehmen. Sie gewinnt den Bundesfilmpreis später den Grimme-Preis.

Firma mit Tochter Tanja

Auch Tochter Tanja wird Filmproduzentin und arbeitet inzwischen schon seit 19 Jahren als gleichberechtigte Geschäftsführerin neben ihrer Mutter in der Ziegler-Filmproduktion, die 50 Festangestellte an vier Standorten beschäftigt. Die beiden Frauen führen eine Beziehung auf Augenhöhe – privat und beruflich. "Wir tauschen uns aus über Kollegen, oder Kolleginnen", sagt Tanja Ziegler. "Ich habe zum Beispiel mit Friedemann Fromm das erste Projekt gemacht – 'Vom Ende der Eiszeit' – und Regina hat mit ihm diese großartige Serie 'Weissensee' produziert."

2010 läuft in der ARD die erste Staffel der sechsteiligen Serie. Für Millionen Zuschauer wird die Familie Kupfer mit ihren Intrigen und Verletzungen zu einer spannenden Projektionsfläche.

Ferdinand Lehmann, Uwe Kockisch, Jana Brandt, Jörg Hartmann, Lisa Wagner, Karola Wille, Claudia Mehnert, Anna Loos, Volker Herres, Ruth Reinecke, Stephan Grossmann, Regina Ziegler, Katrin Sass und Marc Müller-Kaldenberg bei der Premiere der Fernsehserie Weissensee
Regina Ziegler mit der "Weissensee"-Besetzung: v.l. Ferdinand Lehmann, Uwe Kockisch, Jana Brandt, Jörg Hartmann, Lisa Wagner, Karola Wille, Claudia Mehnert, Anna Loos, Volker Herres, Ruth Reinecke, Stephan Grossmann, Regina Ziegler, Katrin Sass und Marc Müller-Kaldenberg. Bildrechte: imago/Future Image

Als wir mit 'Weissensee' angefangen haben, gab es Netflix und Miniserien noch nicht. Da hat sie [Regina Ziegler] richtig einen vorgelegt. 'Weissensee' war die erste Miniserie, die es überhaupt gab hier in Deutschland.

Anna Loos, Schauspielerin

Befreundet mit Thriller-Star Sebastian Fitzek

Anna Loos ist ein Star der Serie. Weniger sichtbar und doch im Hintergrund immer präsent ist die Produzentin. "Wenn es hart auf hart kommt, ist der Produzent natürlich derjenige, der das letzte Wort haben muss. Aber das habe ich nie ausüben müssen", sagt Regina Ziegler. "Man will doch auch, dass der Regisseur mit dem Schauspieler kann. Es gibt keinen Film, der ohne Teamwork entstanden ist."

Filmszene - "Abgeschnitten" Film
Filmszene aus dem Thriller "Abgeschnitten" mit Lars Eidinger, produziert von der Ziegler Filmproduktion. Bildrechte: Warner Bros.

Regina Ziegler verfügt über ein weitverzweigtes Netzwerk. Politiker gehören ebenso dazu wie Kreative. Auch Sebastian Fitzek, der vermutlich erfolgreichste Thrillerautor Deutschlands. Die Verfilmung von "Passagier 23" war die erste Zusammenarbeit. 2018 folgte die Kinopremiere von "Abgeschnitten". Inzwischen sind sie befreundet und die Produzentin bekocht in ihrem Haus Sebastian Fitzeks Familie – ihre Königsberger Klopse sollen hervorragend sein. Doch auch beruflich vertrauen sie einander.

Sie ist die erste Leserin, die ich habe. Sie kriegt die erste Fassung, noch vor der Rechtschreibkorrektur.

Sebastian Fitzek, Bestseller-Autor

Seit 46 Jahren behauptet sich Ziegler als Film- und Fernsehproduzentin: Mehrfach wird sie ins Museum of Modern Art (kurz: MOMA) nach New York eingeladen: 2006 hatte das Museum ihren Filmen eine Retrospektive gewidmet, 2011 läuft dort die erste Staffel von "Weissensee". 2010 gewinnt sie für ihren ZDF-Dreiteiler "Die Wölfe" einen Emmy – den bedeutendsten Fernsehpreis der USA.

Trauer um Partner Wolf Gremm

Ende August 2011 wird bei Wolf Gremm eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert. Er selbst dokumentiert die Zeit, die ihm noch bleibt. Sein letzter Film "Ich liebe das Leben trotzdem" wird erst nach seinem Tod im "Filmkunst 66" gezeigt. Unter den Zuschauern ist auch die Schauspielerin Ruth Reinecke: "Nach dem Film war ich sehr still, weil das wirklich ein sehr außergewöhnliches Dokument ist und ich ging leise aus dem Kino", erinnert sich Reinecke. "Dort stand Regina, allein, groß, schön. Sehr verletzlich, sehr traurig – nach Luft schnappend. Ich bin auf sie zugegangen und wir haben uns ganz, ganz lange umarmt. Das war so ein Lebensmoment zwischen uns beiden. Da ging es um gar nichts weiter als um die Vergänglichkeit des Lebens."

In den vergangenen Jahren produzierte Regina Ziegler neben weiteren "Weissensee"-Staffeln Filme wie "Bergfried", "Rückkehr nach Montauk", "Gladbeck" und "Ihr seid natürlich eingeladen". Am 8. März 2019 feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Filmproduzentin Regina Ziegler mit Bestsellerautor Sebastian Fitzek
Filmproduzentin Regina Ziegler mit Bestsellerautor Sebastian Fitzek Bildrechte: imago/Tom Maelsa

Ich würde mir wünschen, dass sie bei bester Gesundheit 100 Jahre alt wird, weil dann auch ein Wunsch für mich in Erfüllung geht: Einerseits, dass wir dann noch sehr lange mit einander arbeiten könnten, andererseits aber, dass ich auch noch privat unter anderem in den Genuss ihrer Königsberger Klopse komme – die macht sie ganz hervorragend.

Sebastian Fitzek, Bestseller-Autor

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe "Regina Ziegler – Ein Film-reifes Leben" | 07. März 2019 | 23:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 04:00 Uhr

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