Kino "Reise nach Jerusalem": Alice im Jobcenter-Wunderland

Eva Löbau ist als Kommissarin im "Tatort" aus dem Schwarzwald bekannt. In "Reise nach Jerusalem" spielt sie eine 39-Jährige, die vom Jobcenter von einem Bewerbungstraining zum nächsten geschickt wird. Regisseurin Lucia Chiarla erklärt: "Auf Arbeitssuche zu sein, ist anstrengender als zu arbeiten." Sie sieht die "Reise nach Jerusalem" als eine Metapher der Arbeitssuche in einer Gesellschaft, die sich verstärkt über Arbeit definiere.

von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Vermutlich kennt jeder einen Menschen wie Alice und viele werden schon in ihrer Lage gewesen sein. Der Job ist weg, das Geld ist knapp, Trainingskurse bringen gar nichts und Bewerbungen führen zu keinem Erfolg. Wie bei dem titelgebenden Spiel "Reise nach Jerusalem" ist Alice immer die eine Überflüssige, die keinen Platz findet, die rausfliegt.

Eine komische Heldin von trauriger Gestalt

Zwei Frauen sitzen in einem Büro. Eine hinter dem Schreibtisch und eine davor.
Das Jobcenter schickt Alice immer wieder zu Bewerbungstrainings. Bildrechte: Filmperlen

Die italienische, in Berlin lebende Regisseurin Lucia Chiarla würdigt in ihrem wunderbaren, oft absurd witzigen Debüt all jene, die sich wie Alice verzweifelt abstrampeln, um am Ende doch immer nur auf sich zurückgeworfen zu sein, die sich abmühen im Hamsterrad der permanenten Selbstoptimierung. Ihre fantastische Hauptdarstellerin Eva Löbau ("Der Wald vor lauter Bäumen") macht Alice zu einer liebenswerten, sehr komischen Heldin von trauriger Gestalt, die den äußeren Schein wahren will und dabei sehenden Auges immer tiefer in die Misere rutscht.

Genre: Drama
Regie: Lucia Chiarla, Beniamino Brogi, Veronika Nowag-Jones, Axel Werner
Darsteller: Eva Löbau
Im deutschen Kino ab: 15. November 2018
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. November 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2018, 16:21 Uhr

Aktuelle Filmempfehlungen