René Pollesch
René Pollesch in der Volksbühne Bildrechte: dpa

Theaterlandschaft Berlin René Pollesch wird der neue Intendant der Volksbühne

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René Pollesch in der Volksbühne Bildrechte: dpa

Der Dramatiker und Regisseur René Pollesch wird neuer Intendant der Berliner Volksbühne. Das kündigte Berlins Kultursenator Klaus Lederer am Mittwoch an. Der 1962 in Friedberg in Hessen geborene Pollesch war bereits unter der Intendanz von Frank Castorf als Autor und Regisseur an der Volksbühne tätig. Von 2001 bis 2007 leitete er die kleine Spielstätte Prater der Volksbühne in Berlin-Prenzlauer Berg.

Die konkreten Pläne des neuen Intendanten

Mit seiner Intendanz will Pollesch auch eine Reihe bekannter Schauspieler an die Volksbühne zurückholen. Zum Ensemble sollen ab 2021/2022 Martin Wuttke, Kathi Angerer und Fabian Hinrichs gehören, wie Pollesch am Mittwoch ankündigte. Ein Jahr später werde auch Sophie Rois dazukommen. Bis dahin erfülle sie ihren Vertrag am Deutschen Theater in Berlin. Auf Nachfrage sagte Pollesch, er hoffe, dass auch Schauspieler Alexander Scheer zurückkomme.

Weiterhin betonte Pollesch auf der Pressekonferenz am Mittwoch, er sei kein "trojanisches Pferd für die alte Volksbühne" unter Frank Castorf. Zukünftig sollen Autorenkollektive direkt mit den Schauspielern arbeiten und "kleine wendige Theatertruppen" bilden. Regisseure müsse man "weglassen", so der 56-Jährige. Damit wendet sich Pollesch gegen das Regietheater, das unter Frank Castorf die Volksbühne dominierte.

Wer Pollesch und seine Arbeiten kennt, weiß, dass es da eine Gegenwartswachheit gibt und dass das Theater nicht nur eine kopflastige, schwere Angelegenheit sein muss, er kann auch intellektuellen Boulevard, so wurde das auch schon genannt.

Theaterexperte Thomas Irmer über René Pollesch

Pollesch inszeniert an vielen großen deutschsprachigen Bühnen, unter anderem am Staatstheater Stuttgart, am Thalia Theater Hamburg, an den Münchner Kammerspielen und am Schauspiel Frankfurt. 2002 wählte ihn das Fachmagazin "Theater heute" zum besten deutschsprachigen Dramatiker. Er bekam zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter 2001 und 2006 den Mülheimer Dramatikerpreis. 2007 erhielt er den Nestroy-Theaterpreis, den wichtigsten Theaterpreis Österreichs.

Die Volksbühne mit ihrem Räuberrad vor dem Gebäude ist eines des wichtigsten Theater Deutschlands. Unter Castorf hatte es bei Fans Kultstatus, andere wünschten sich dagegen eine Erneuerung. Derzeit fungiert Klaus Dörr als Interimsintendant in dem Haus am Rosa-Luxemburg-Platz. Im Februar war sein Vertrag bis Ende der Spielzeit 2020/2021 verlängert worden. Der Vertrag von Chris Dercon war noch vor Ablauf der ersten Spielzeit im April 2018 beendet worden.

Hintergrund: Intendanz von Chris Dercon unter schlechtem Stern

Riesenposter Unteilbar auf der Volksbühne
Seit September 2018 steht das restaurierte Raeuberrad wieder auf dem Rasen vor der Volksbuehne. Ein Riesenposter mit der Aufschrift "Unteilbar" kündigt eine Grossdemo gegen Hass und Ausgrenzung an. Bildrechte: IMAGO

Ein Vierteljahrhundert hatte Frank Castorf das Hausgeleitet. Nach dem Ende der Ära Castorf im Jahr 2017 hatte Chris Dercon die Intendanz der Volksbühne übernommen. Unter seiner Führung geriet das Theater wegen teurer Eigenproduktionen, sinkender Zuschauerzahlen und fehlender Sponsorengelder in finanzielle Schieflage. Kritiker befürchten, dass Dercon die Volksbühne zu einem kommerzialisierten Eventtheater entwickeln könnte. Im September 2017 besetzten sogar Aktivisten der Gruppe "Staub zu Glitzer" die Bühne am Rosa-Luxemburg-Platz, um ein Zeichen "gegen die aktuelle Kultur- und Stadtentwicklungspolitik" zu setzen.

Im April 2018 schließlich gab Dercon auf. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, konstatierte damals, nicht Dercon habe versagt, sondern die Politik. Weil der vom damaligen Kulturstaatssekretär Tim Renner angestrebte Politikwechsel an der Berliner Volksbühne nicht funktioniert habe. Renner habe eine modernere Volksbühne mit Festivalcharakter im Sinn gehabt: "Für diese Idee war Dercon die richtige Person", sagte Zimmermann. Aber offenbar sei die Volksbühne für diesen Wechsel nicht das richtige Theater gewesen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juni 2019 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 13:00 Uhr

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