Berlin: Besucher der Internetkonferenz re:publica
Fast 1000 Vortragende treffen sich auf der re:publica in Berlin - die Frauenquote liegt dabei bei fast 50 Prozent Bildrechte: dpa

Branchentreff der digitalen Gesellschaft Die re:publica ist im Mainstream angekommen

Seit 2007 gibt es die re:publica als Branchentreff der digitalen Gesellschaft. Allein, dass es im Gründungsjahr noch keine Smartphones gab, zeigt, wie sehr sich die Medienwelt in den zwölf Jahren gewandelt hat. Auf der re:publica und der parallel stattfindenden Media Convention (zum fünften Mal) werden Antworten auf die sich stellenden Fragen gesucht, von Datenskandalen über Künstliche Intelligenz bis zu den ökonomischen Veränderungen durch die Digitalisierung. In diesem Jahr findet sie vom 2. bis 4. Mai in Berlin statt. Medienredakteurin Claudia Bleibaum war für MDR KULTUR vor Ort und berichtet über die aktuellen Schwerpunktthemen der Konferenz.

Berlin: Besucher der Internetkonferenz re:publica
Fast 1000 Vortragende treffen sich auf der re:publica in Berlin - die Frauenquote liegt dabei bei fast 50 Prozent Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Hat sich das Klima der re:publica in den letzten Jahren verändert? Wie sehen sich die Macher, als Visionäre, Hacker, Sachverständige?

Claudia Bleibaum: Die Frage, wie die Macher sich sehen, kann ich nicht beantworten, wahrscheinlich gibt es immer noch alle Facetten, die Sie in Ihrer Frage genannt haben.

Die US-amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning kommt zur Internetkonferenz re:publica.
Die US-amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning war auch auf der re:publica Bildrechte: dpa

Grundsätzlich kann man sagen, dass die re:publica im zwölften Jahr im Mainstream angekommen ist. Und nicht, weil die Impulse fehlen oder die Macher älter geworden sind, sondern weil die Digitalisierung alle Menschen betrifft. 2007 zur ersten Konferenz wurde noch per SMS getwittert. Das war der neueste Hype. Facebook gab es in Deutschland noch nicht und auch keine Smartphones. Das verdeutlicht auch, wie rasant sich alles entwickelt hat. Und es geht weiter.

Welche Höhepunkte gab es?

Salon Helga auf der republica 2018
Salon Helga auf der re:publica 2018 Bildrechte: MDR/Claudia Bleibaum

Auch hier kann ich nur persönlich antworten. Mein Höhepunkt war der Salon Helga mit Trockenhauben im Retrostil. Statt Wärme gab es Hörspiele aus der noch neuen ARD-Audiothek. Tolle Idee, so auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Außerdem hat mich die virtuelle Begegnung mit einem sprechenden Hasen beeindruckt, ein Projekt der Tierschutzorganisation PETA, die zeigt, was moderne Technologie bewirken kann. Aufklärung ohne Zeigefinger.

Wofür steht das diesjährige Motto "POP"?

Der Schriftzug "POP" ist in großen Lettern aufgebaut, welche in grünem Stoff gehüllt sind.
Das Motto der 12. re:publica lautet "POP" Bildrechte: MDR/Claudia Bleibaum

Pop steht für populär, aber auch für Populismus. Außerdem auch für "Power of People". Ein Motto, das viele Assoziationen bietet und auch ausdrückt, die re:publica ist für alle da, weil sie wichtige Themen der digitalen Transformation bündelt, ob gesellschaftliche Teilhabe, Diversität, Künstliche Intelligenz oder Medienwandel, Bildung und ökonomische Chancen, die die Digitalisierung bietet.

Wie werden auf der re:publica die aktuellen Datenskandale um Facebook und Co. thematisiert?

Eine Teilnehmerin der Internetkonferenz re:publica benutzt ihr Laptop in einem Bällebad mit grünen Bällen
Zur Entspannung gab es auf der re:publica ganz analogen Spaß: ein Bällebad Bildrechte: dpa

Für die re:publica ist der kritische Blick auf die großen Netzwerke wie Facebook und die damit verbundenen Gefahren schon immer Thema. Markus Beckedahl, einer der Gründer, freute sich deshalb schon vorab über so viel Aufmerksamkeit für ein Thema, das zur DNA der Konferenz gehört. Regulierung und Datenschutz sind deshalb wichtige Themen.

Aber es geht auch um digitale Bildung und darum, die Menschen zu mündigen Nutzern zu machen. Bei einer spontanen Besucherumfrage kam dann der verblüffende Satz, dass man einfach wach und aufmerksam bleiben muss und die Dinge hinterfragen sollte.

Natürlich bleibt, die Frage, wem gehören die Daten. Ein heiß gehandeltes alternatives Modell ist Blockchain, eine neue Art, Daten im Netz zu verteilen - transparent und dezentral. Aber natürlich geht es auch um konkrete Regulierung, um die Privatsphäre zu schützen. Großes Thema ist da auch die europäische Datenschutzgrundverordnung, die Ende Mai in Kraft tritt.

Nach Jahren der Euphorie bezüglich der positiven Möglichkeiten des Internets, wie selbstkritisch sieht sich die Branche mittlerweile?

Ranga Yogeshwar, luxemburgischer Wissenschaftsjournalist, Physiker und Moderator, spricht auf der Internetkonferenz re:publica
Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar Bildrechte: dpa

Eigentlich gibt es dieses Außen für mich nicht mehr. Die re:publica und die MediaConvention haben so viele Themen und man kann, ebenso wenig wie beim Internet, alles überblicken. Es geht eigentlich immer darum, sich zu emanzipieren, in einer technologiegetriebenen Welt die aktuellen Debatten zu führen und sich auszutauschen. Das geht hier wunderbar, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Allerdings ist die Fülle an Themen für eine Person nicht mehr zu bewältigen, wie beim Internet eben, und ich bedauere, dass dieses digitale Buffet nur drei Tage im Jahr angerichtet ist.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 04. Mai 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2018, 12:24 Uhr

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