Ex-Beatle und Pop-Ikone Ringo Starr wird 80!

Als Schlagzeuger der Beatles wurde Ringo Starr zur Ikone der 60er-Jahre, verkaufte 600 Millionen Alben und revolutionierte die Pop- und Rockmusik. Umso enttäuschender seine Solo-Karriere, die von zahlreichen Flops, Häme und Spott geprägt war. Jetzt wird der Mann aus Liverpool stolze 80 Jahre, ist immer noch schwer aktiv und nimmt die Vergangenheit durchaus mit Humor.

Ringo Starr 4 min
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Über die Beatles will Ringo Starr nicht mehr reden, seine Kritiker nannten ihn damals einen trommelnden Clown. Seitdem hat er 20 Soloalben veröffentlicht: Den Punkt für's Aufhören habe er längst überschritten, meint er.

MDR KULTUR - Das Radio Di 07.07.2020 06:00Uhr 04:05 min

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"Es kommt immer wieder vor, dass mich die Leute mit den anderen drei verwechseln. Sie wissen zwar, dass ich ein Beatle bin, aber nicht welcher. Von daher werde ich schon mal mit John oder George angesprochen. Nach dem Motto: 'Da ist einer von ihnen! - Welcher? - Keine Ahnung, aber er gehört dazu'".

Die Zeit der Beatles abgehakt

Die Bandmitglieder der britischen Popgruppe The Beatles (l-r) Paul McCartney, John Lennon, Ringo Starr und George Harrison proben im Oktober 1963 in einem Fernsehstudio in London für einen TV-Auftritt.
Über die Beatles-Zeit möchte er heute nicht mehr gerne sprechen. Bildrechte: dpa

Ringo Starr zeigt Humor. Doch über die Beatles, das macht er unmissverständlich klar, möchte er fünfzig Jahre nach deren Trennung so wenig wie eben möglich reden. Einfach, weil er dazu alles gesagt hat, und weil es ein Teil seines Lebens ist, vor dem er sich lange auf einer regelrechten Flucht gewähnt hat: Die acht Jahre mit den "Fab Four" überlagern bis heute alles, was er als Solist bewerkstelligt hat. Und sie haben ihm den Ruf eines trommelnden Clowns und eines technisch eher rudimentären Musikers beschert. Dagegen kämpft der Mann aus Liverpool bis heute.

Ich kenne eine Menge Schlagzeuger, die gerne so trommeln würden wie ich.

Ringo Starr

"Als Schlagzeuger habe ich mich nie unterschätzt gefühlt", erzählt Starr: "Denn die Leute, die ich respektiere, haben das ebenfalls nie getan. Das war eher die Presse, die mich schon in den Sechzigern nicht ernst genommen hat. Für die war ich immer nur 'dieser Drummer-Typ'. Aber seitdem das 'Love'-Album erschienen ist und mein Spiel mehr in den Vordergrund gerückt ist, heißt es plötzlich: 'Wow, der kann ja spielen.' Dabei wusste ich das schon immer. Ich kenne eine Menge Schlagzeuger, die gerne so trommeln würden wie ich."

Mit Kritikern auf Kriegsfuß

Beatle Ringo Starr und Patti Boyd
Ringo Starr mit Patti Boyd, der Fotografin und Ex-Frau von George Harrison. Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Mit seinen Kritikern steht Ringo Starr nach wie vor auf Kriegsfuß. Mit seiner Solo-Karriere, die zahlreiche Höhen wie Tiefen erlebt hat, ist er indessen im Reinen. So gibt er offen zu, dass längst nicht alles gut gewesen sei, dass er oft naiv und unfreiwillig komisch war. Aber: Er habe stets sein Bestes gegeben und vor allem immer weiter gemacht. Erst letztes Jahr hat er sein 20. Album veröffentlicht, war wieder auf Tournee mit seiner All Star-Band und wollte auch 2020 live spielen - wäre ihm nicht die Corona-Pandemie dazwischen gekommen. So konzentriert er sich vorerst auf sein Hobby: die Malerei. Gelegentlich auch mit Ölfarben und Leinwand, aber hauptsächlich sogenannte Computer-Art auf dem iPad.

Starr über sein Hobby: "Das ist etwas, was ich auf Tournee und in Hotelzimmern mache: Ich habe da eine Art elektronischen Zeichenblock, der mit dem Computer verbunden ist. Und ich konzentriere mich vor allem auf Gesichter. Irgendwann meinte ein Kunsthändler, den ich in New York getroffen habe: 'Lass mich sehen, was du so machst, vielleicht lässt sich damit etwas anstellen.' Seitdem verkaufe ich meine Bilder für wohltätige Zwecke. Und sie sorgen dafür, dass ich unterwegs halbwegs normal bleibe. Denn das Spielen ist zwar toll, macht aber nur zwei Stunden eines Tages aus."

Der Punkt fürs Aufhören ist überschritten

Konzerte geben und mit alten Freunden jammen, das will Sir Richard Starkey, wie er sich seit seinem Ritterschlag von 2018 nennen darf, auch in Zukunft. Den Punkt fürs Aufhören habe er längst überschritten, ums Geld gehe es ihm bei einem Vermögen von rund 350 Millionen Dollar auch nicht mehr - sondern lediglich darum, so lange weiterzumachen wie er körperlich kann und dass er Spaß daran hat. So drahtig und vital wie er sich aktuell präsentiert, dürfte das noch eine ganze Weile der Fall sein.  

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juli 2020 | 07:40 Uhr