Robert Plant, 2015
Robert Plant prägte mit seinem Gesang den Hardrock Bildrechte: dpa

70. Geburtstag Warum Robert Plant eine Neuauflage von Led Zeppelin ablehnt

Auch Rockstars werden alt. So kann man jetzt Robert Plant zum 70. Geburtstag gratulieren, den er - so hat er uns verraten - im Kreis seiner Familie und Freunde verbringt. Wenn man ihn auf Led Zeppelin anspricht, reagiert Plant allerdings chronisch gereizt. Angebote für eine Reunion-Tour schlägt er trotz Rekordsummen im dreistelligen Millionenbereich aus und das Verwalten des Backkatalogs überlässt er Gitarrist Jimmy Page. Der Mann aus den britischen Midlands schaut lieber nach vorne.

von Marcel Anders, MDR KULTUR-Musikkritiker

Robert Plant, 2015
Robert Plant prägte mit seinem Gesang den Hardrock Bildrechte: dpa

Robert Plant tendiert zum Kulturpessimismus. Kein Wunder, der Mann aus der Nähe von Birmingham steht für das goldene Zeitalter des Rock'n'Roll, für den Mädchenschwarm mit Löwenmähne, Hühnerbrust, ausgeprägter Libido und ekstatischer Stimme. Und obwohl er inzwischen reifer und fülliger geworden ist, irgendwie verkörpert er das noch immer. Nur die Musik von damals erachtet er als überholtes Konzept: "Sie hat irgendwie an Dampf verloren. Ihre Ideologie hat den Höhepunkt überschritten und erreicht, was sie erreichen konnte. Jetzt versuchen sich alle an einem Hybrid - was stellenweise ganz gut klingt. Nur: Es ist kein Rock. Oder zumindest nicht das, was ich darunter verstehe."

Led-Zeppelin-Reunion wird nicht kommen

Er selbst ist auf der permanenten Flucht vor dem Gestern, das wie ein übermächtiger Schatten scheint und ihn auch 38 Jahre nach Led Zeppelin nicht loslässt. Mit der Band hat er 300 Millionen Alben verkauft, seitenweise Musikgeschichte geschrieben und Klassiker wie "Dazed And Confused", "Kashmir" oder "Stairway To Heaven" komponiert.

Robert Plant, 2015
Robert Plant Bildrechte: dpa

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je so Mainstream-mäßig werde, dass ich etwas mit den drei Tenören mache. Das ist eher was für Bono. Ich stehe mehr links vom Zentrum - mit einem Haufen alter Anarchisten.

Robert Plant

Auf seinen jüngsten Solo-Alben kultiviert er dagegen einen Hybrid aus Trance, Rock und Folk - und schlägt Offerten für eine Led-Zeppelin-Reunion trotzt astronomischer Summen aus. Nicht zuletzt, weil er keine Lust mehr auf Stadien und Sportarenen hat. Er sucht das Neue, das Andere, den Kick.

Robert Plant
Robert Plant wurde am 20. August 1948 in West Bromwich, Staffordshire geboren Bildrechte: dpa

Plant sagt dazu: "In den letzten Jahren habe ich an umwerfenden Orten gespielt. Zum Beispiel in Tromsø, der nördlichsten Stadt Norwegens. Beim Jazz-Festival in Nizza bin ich mit dem Count Basie Orchestra aufgetreten. Und in Estland mit Kool & The Gang. Ich stand mit Jongleuren und Feuerschluckern auf der Bühne - und bei Folk-Festivals. Wenn dann Leute meinten: 'Du machst doch keinen Folk', war meine Antwort: 'Ist 'Battle Of Evermore' oder 'Going To California' etwa nicht folkloristisch?' Ich habe also unterschiedliche Lokalitäten und Zuschauer genossen. Was sehr stimulierend ist."

Zu viele Interessen

Robert Plant und Jimmy Page bei einem Auftritt Rockgruppe Led Zeppelin, 1970
Jimmy Page (l.) und Robert Plant bei einem Auftritt von Led Zeppelin 1970 Bildrechte: dpa

Robert Plant sieht sich als musikalischer Weltenbummler. Er hat Alben mit Country- und Blues-Künstlern aufgenommen, jammt gerne mit jungen Kollegen, interessiert sich für britische Geschichte und ist Vizepräsident des Fußballvereins Wolverhampton Wanderers.

All das sorgt für ein erfülltes, abwechslungsreiches Leben, das eigentlich nach einer Autobiographie schreit. Doch die wird es vorerst nicht geben. Er sagt dazu: "Früher waren Rockmusiker soziale Außenseiter, die auf offener Straße Leibesvisitationen der Polizei über sich ergehen lassen mussten. Und 1969 wurden John Bonham und ich bespuckt, weil wir Hippies waren. Weil wir eine Veränderung im System darstellten. Das sind Geschichten, die ich nicht verkaufe. Sie sind da, wo sie hingehören - zwischen den immer größer werdenden Löchern meiner Ohren."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. August 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2018, 16:05 Uhr

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