Rocko Schamoni mit schwarzem Schal und Mantel.
Rocko Schamoni ist auf seinem neuen Album nachdenklich Bildrechte: dpa

Neues Album Rocko Schamonis "Musik für Jugendliche" ist nichts für Jugendliche

Rocko Schamoni hat viele Gesichter, ist Romanautor, früherer Betreiber des legendären Hamburger "Golden Pudel Clubs" und natürlich Musiker. Zuletzt sorgte er mit einem Film über das fiktive 80er-Jahre-Elektro-Trio "Fraktus" für Aufsehen. Nun hat er nach zwölf Jahren wieder eine Platte unter seinem Namen veröffentlicht: "Musik für Jugendliche". Marie-Kristin Landes stellt das Album vor.

Rocko Schamoni mit schwarzem Schal und Mantel.
Rocko Schamoni ist auf seinem neuen Album nachdenklich Bildrechte: dpa

Es ist nicht so, dass Rocko Schamoni aufgehört hätte Musik zu machen. Er habe einfach nur aufgehört, sie zu veröffentlichen, so der Musiker.

Das Cover des Albums "Musik für Jugendliche" von Rocko Schamoni
Das Cover des Albums "Musik für Jugendliche" von Rocko Schamoni Bildrechte: dpa

Tatsächlich sammelten sich seit dem 2007 erschienenen Album "Rocko Schamoni & Little Machine" so einige Texte und Songskizzen an.

Dazu kamen persönliche Erfahrungen, zu denen Schamoni erläutert: "Irgendwie hab ich gedacht ich mach das alles nur für den Safe. Dann ist mein Vater sehr krank geworden und dann hab ich so gemerkt, dass das alles irgendwie zusammenkommt. Also das, was da liegen geblieben ist. Und dann ist er gestorben. Mir fiel da sehr viel dazu ein und irgendwie hat sich das alles dazu vermengt, dass ich gedacht habe: Jetzt mache ich halt noch mal 'ne Platte."

Endzeitstimmung

Herausgekommen ist mit "Musik für Jugendliche" eine inhaltlich ziemlich düstere Platte. Das unvermeidliche Ende naht schon im ersten Song. Der 70er-Jahre Hollywood-Sound von "Als hätte es uns nie gegeben" täuscht darüber hinweg, dass Schamoni hier vom Ende der Menschheit singt. "Gerade in diesen letzten Monaten beweist sich das noch mal ganz klar: Die ablaufende Zeit von elf Jahren, um das 1,5 Grad Ziel zu erhalten, ist einfach nicht zu halten. Das Gegenteil passiert auf der Welt gerade.", erläutert Schamoni seine Zukunftsängste.

Ich glaube sehr fest und auch schon lange daran, dass wir es verwirkt haben. Und das wir es daneben gesetzt haben.

Rocko Schamoni sieht die Menschheit versagen

Verlust der Eltern

"Musik für Jugendliche" ist ein Album voller Rückblicke, Songs über Vergänglichkeit und den Tod. Es ist Musik, die weder von noch für Jugendliche gemacht worden ist, darin liegt die Ironie des Albumtitels, sagt Schamoni: "Ich hab zwei größere Todesfälle in der Familie gehabt – meine Mutter und mein Vater. Und immer wenn so etwas passiert, dann denkt man über die eigene Kindheit und Jugend nach. Über die Kindheit und Jugend der Verstorbenen, über die Verbindung, über das, was man übernommen hat von den Verstorbenen. Wie sehr man die gleichen Lebensbögen abläuft, auch die gleichen Fehler wiederholt. All das überprüft man doppelt und dreifach im Falle eines Abschieds." All das findet sich in Songs wie "Der Weg hinab" oder "Loch in der Welt" wieder.

Rocko Schamoni sitzt auf einem grünen Sofa.
Ungewohnt nachdenklich: Rocko Schamoni Bildrechte: dpa

Je älter man wird, desto mehr Löcher sind da. Also die ganze Außenhaut des eigenen Lebens komplett perforiert ist. Man besteht eigentlich selbst aus ganz, ganz vielen Löchern - und nur noch eine ganz, ganz zerrissene zaghafte Außenhaut hält einen zusammen. Und dann wird man selber zum Loch.

Rocko Schamoni

Das ist schwerer Stoff, der allerdings locker, leicht, süßlich und manchmal süffisant daherkommt. Großen Anteil daran haben die Arrangements von Sebastian Hoffman, Jonas Landerschier, Lieven Brunckhorst und das Mirage Orchester. Bläser und Streicher lassen den Sound besonders groß wirken und verleihen Schamoni den Glamour eines Showmasters: "Vielleicht ein wenig Harald Juhnkeesk. Für mich sind da aber auch ganz viele Hall & Oates da drin und andere amerikanische Pop-Verweise. Also das, was ich mir ersehne von der Musik, die ich so liebe, das kann jemand wie Sebastian Hoffmann erschaffen."

Musik, die das Bedürfnis weckt, in einem schummrigen Lokal bei einem guten Drink über das Leben zu sinnieren – ohne dabei depressiv zu werden. Schamoni will dem Hörer gute Gefühle vermitteln und trotzdem einen Anlass zum Nachdenken geben. Das trifft auf "Musik für Jugendliche" auf jeden Fall zu.

Rocko Schamoni mit einer Gitarre in der Hand.
Rocko Schamoni Bildrechte: dpa

Ich finde, man muss dem Hörer und den Konsumenten die Möglichkeit geben, die Schwere des Textes zu ertragen in dem man musikalisch etwas dagegensetzt. Wenn man beides wirklich komplett unter null setzt, dann erfriert der Hörer beim Hören dieser Musik. Und das will ich ja nicht verantworten.

Rocko Schamoni

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. September 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 04:00 Uhr

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