Die Rolling Stones auf der Bühne bei ihrer 'Special Show Perfomance' in der U Arena, Paris.
Mick Jagger und seine Bandkollegen sind mittlerweile in ihren Siebzigern angekommen. Bildrechte: dpa

Insider im Gespräch Wieviel Sex und Drugs gibt es bei den Rolling Stones noch?

Kaum jemand kommt den Rolling Stones so nahe, wie ihr Produktionsleiter Dale Skjerseth. Der leicht sonnenverbrannte Skandinavier mit tschechischen Wurzeln ist mit der Band seit Jahrzehnten auf Tour. Er stellt ihnen für jedes Konzert genau die Bühne vor die Nase, die sie sich Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts wünschen, kümmert sich um den reibungslosen Ablauf der allabendlichen Rock'n'Roll-Messe und die speziellen Wünsche der Musiker. Skjerseth weiß aber auch, welche Rolle "Sex and Drugs" bei der größten Rockband der Welt noch spielen. Am Freitag spielen die Stones in Berlin, nächste Woche in Stuttgart: Vor dem Start der "No Filter"-Tournee war Skjerseth mit MDR KULTUR im Gespräch.

Die Rolling Stones auf der Bühne bei ihrer 'Special Show Perfomance' in der U Arena, Paris.
Mick Jagger und seine Bandkollegen sind mittlerweile in ihren Siebzigern angekommen. Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Wie fit sind die Jungs? Und inwiefern ist das bei so einer Tour ein Thema?

Dale Skjerseth
Dale Skjerseth kennt die Stones seit Jahrzehnten Bildrechte: imago/Manngold

Dale Skjerseth: Oh, sie sind fitter als ich! Bei weitem! (lacht) Und deshalb ist das auch nach wie vor kein Thema - also es gibt keine gesundheitlichen Bedenken oder Probleme irgendeiner Art. Im Gegenteil: Ich habe sogar das Gefühl, dass sie heute besser drauf sind als in den Neunzigern, als ich angefangen habe, für sie zu arbeiten. Das ist wirklich so - ich schwöre. (lacht) Von daher sind sie nicht nur bereit für diese Tour, sie können es kaum erwarten, bis sie endlich wieder vor ihren Fans stehen.

Wie lange arbeiten Sie schon für die Band?

Seit 1994. Damals war ich noch der Bühnenmanager, also ich hatte längst nicht so viel Verantwortung wie heute. Aber nach und nach habe ich mich hochgearbeitet - was nicht zuletzt daran lag, dass die Jungs, die den Job vorher gemacht haben, irgendwann in Rente gegangen sind und ich quasi ihr Nachfolger wurde. Ich habe also einige Positionen in dieser Crew durchlaufen, und das bedeutet auch, dass ich weiß, wie sie funktioniert, wie sie tickt und wie man mit ihr umgeht.

Inwieweit hat sich die Bühnenproduktion der Band in den letzten 24 Jahren, die Sie dabei sind, verändert? Was ist anders im Vergleich zu früher?

Die britische Rockband 'The Rolling Stones' während ihres Konzertes in der Berliner Waldbühne. Auf der Bühne zahlreiche Polizisten, rechts Fans, die zur Bühne gestürmt sind.
So dicht wie 1965 in der Berliner Waldbühne kommen die Fans nicht mehr an ihre Stars Bildrechte: dpa

Es ist mehr fokussiert auf die Performance an sich, auf die Musik. Und nicht mehr so sehr auf die Spezialeffekte oder den Showteil. Klar haben wir große Video-Bildschirme, die gigantisch sind - so hoch wie ein Mehrfamilienhaus. Aber alles andere, wie die Beschaffenheit der Bühne, das Licht und die Pyrotechnik sind im Grund sehr minimalistisch und simpel. Und diesen Ansatz verfolgen wir seit 2012, als wir anfingen, das Drumherum deutlich zurückzuschrauben und andere Schwerpunkte zu setzen, nämlich hörbare.

Die Band fand es wichtiger, das Optische auf ein Minimum zu reduzieren und sich stattdessen auf einen besseren Sound zu konzentrieren - auf eine Abbildung dessen, was auf der Bühne passiert. Also, dass die Leute nachvollziehen können, wer was spielt. Insofern ist die Show, die man auf den Videoleinwänden verfolgen kann, lediglich die Performance - und nichts anderes. Sie zeigt, wo der Sound, den man hört, herkommt. Aber sie lenkt eben nicht davon ab. Das ist der Unterschied.

Gitarrist Ron Wood (l-r), Sänger Mick Jagger, Schlagzeuger Charlie Watts und Gitarrist Keith Richards von der britischen Band 'The Rolling Stones' stehen im Olympiastadion in München (Bayern) bei einem Konzert im Rahmen ihrer Europatour 'Stones - No Filter' auf der Bühne.
DIe Stones bei einem Konzert 2017 in München. Bildrechte: dpa

Was ist das Besondere an den Stones - gerade im Vergleich zu Bands wie AC/DC oder Guns n' Roses, mit denen Sie ja auch schon gearbeitet haben?

Na, ist es nicht etwas Einmaliges, dass eine Band schon so lange dabei ist - und das immer noch mit solcher Leidenschaft angeht? Mit so viel Gusto? Sie sind echte Überzeugungstäter. Sprich: Sie lieben, was sie tun. Und ich denke, das hört man auch. Also sie rattern nicht nur ihr Programm runter, sondern sie haben Spaß dabei. Und das ist viel ausgeprägter und offensichtlicher als bei anderen Bands, mit denen ich schon gearbeitet habe.

Was macht die Band in den Stunden vor dem Auftritt?

Sie bereitet sich intensiv vor. Sie wählt die Klamotten für die Bühne aus, kümmert sich um Haar und Make-up und spielt sich warm. Also nichts Außergewöhnliches. Und sie bereitet sich mental vor - die Jungs hängen zusammen ab, reden, haben Spaß und grooven sich ein. Wir haben Backstage einen netten Proberaum, den sie jederzeit nutzen können.

Was ist mit dem legendären Billardtisch?

Dale Skjerseth
Dale Skjerseth kümmert sich, dass bei den Tourneen der Band alles glatt geht. Bildrechte: imago/Lars Berg

Den gibt es nicht mehr. Und wir haben auch keine Lounge mit speziellen Möbeln mehr. Darüber liest man zwar ständig, aber das haben wir schon vor Jahren aufgegeben, um weniger Ballast zu haben.

Das zeigt, dass sich auch die Stones verändern - und zwar im positiven Sinne. Für mich sind sie wie ein guter Wein, der in Würde gereift ist. Denn das, was sie heute abliefern, klingt und schmeckt viel besser als früher.

Wie sieht es Backstage aus?

Jedes Bandmitglied hat seinen eigenen Raum, um sich zurückziehen zu können. Und der ist nach ihren individuellen Wünschen eingerichtet. Also egal, was es ist - wir haben es immer dabei. Aber: Es ist längst nicht so aufwendig, wie man vermutet. Ihnen geht es in erster Linie darum, ein bisschen Privatsphäre zu haben und sich nicht die ganze Zeit in einem völlig überlaufenen Bereich aufhalten zu müssen.

Hand aufs Herz: Wie viel Sex und Drugs sind bei den Stones heute noch im Spiel?

Na, was meinen Sie? Ich glaube nicht, dass sie noch irgendwelchen Blödsinn machen - oder zumindest habe ich sie noch nie dabei überrascht. Die Zeiten dürften endgültig vorbei sein.

Das Interview führte Marcel Anders.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juni 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 10:15 Uhr

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