Eine kurze Geschichte der Harfe Ein himmlisches Instrument

Die Harfe ist das Nationalinstrument von Irland, Paraguay und Myanmar. Schon die alten Ägypter spielten es, ebenso der biblische König David. Bauform und Spielmöglichkeiten wurden immer weiterentwickelt. Heute fehlt die Harfe in keinem Sinfonieorchester. Aber auch im Jazz hat sie ihren Platz. Lesen Sie hier mehr über das "magische Instrument" des TFF Rudolstadt 2011.

von Nancy Thym und Wolfgang Meyering

Bogenharfen zwischen Zweistromland und Hinterindien

Bogenharfen existierten schon vor mehr als 3.000 Jahren in Mesopotamien und im alten Ägypten. […] Es ist durchaus denkbar, dass sich die Bogenharfen von Ägypten aus in Richtung Osten ausgebreitet haben, denn man findet Belege für ihre Existenz auch in Syrien, in Alt-Turkmenistan, in Vorderindien, Alt-Kambodscha, Alt-Java, Siam (Thailand) sowie in Birma, wo bis heute die Bogenharfe Saung Gauk gespielt wird. […] Der Name lässt sich aus ähnlichen Bezeichnungen ableiten, die für Bogenharfen im Persischen und im Hindi gebraucht werden. In Myanmar wird das Instrument in der klassischen Musik eingesetzt und gilt dort auch als Nationalinstrument. Auf der Saung Gauk wurden z.B. Lieder am Königshof gespielt und es gab Meistermusiker, die hoch in der Gunst der Könige standen.

Harfen mit rechtem Winkel

Der Harfenist U Kyaw Myo Naing aus Myanmar beim TFF Rudolstadt 2011
Der Harfenist U Kyaw Myo Naing aus Myanmar beim TFF Rudolstadt 2011 Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Neben den Bogenharfen entwickelten sich in Ägypten schon sehr früh die Winkelharfen. Sie unterscheiden sich von den Bogenharfen dadurch, dass sie aus zwei Teilen bestehen, die nahezu im rechten Winkel zueinander angeordnet sind: dem Resonanzkörper und dem Saitenhalter. Oft wird der Saitenhalter am Ende des Resonanzkörpers oder Korpus einfach durch diesen hindurch gesteckt. Die Saiten verlaufen diagonal vom Resonanzkörper zum Saitenhalter. Winkelharfen wurden auch in Assyrien, Persien, im antiken Griechenland sowie in Asien gespielt. Die Kogu ist eine frühe japanische Winkelharfe. Ebenso wie bei den Bogenharfen gibt es Winkelharfen mit ganz wenigen Saiten bis hin zu Exemplaren mit weit über 20 Saiten. […]

Anders als bei der modernen Harfe wurde die Winkelharfe mit dem Klangkörper nach oben gespielt, so dass der Korpus über den Kopf des Spielers hinausragte. Das Instrument wurde vor die Brust gehalten oder der Saitenträger lag auf dem Schoß des Spielers. Dabei ist die Saitenordnung so wie bei der modernen Harfe. […] Ob die Harfeninstrumente von Ägypten über Griechenland oder auf anderem Wege nach Mitteleuropa gelangten, ist bis heute nicht ganz geklärt. Auf jeden Fall sind die frühesten Zeugnisse für Harfen im mittleren und nördlichen Europa gegen Ende des ersten Jahrtausends vor allem auf den Britischen Inseln zu finden. […]

Keltische Harfen mit spezieller Spieltechnik

Die frühsten europäischen Abbildungen einer aus drei Teilen (Klangkörper, Vorderstange, Hals) zusammengesetzten Rahmenharfe sind auf piktischen Steinkreuzen des achten bis elften Jahrhunderts in Nordschottland zu sehen. Auch in Irland tauchen Harfendarstellungen im elften Jahrhundert auf. Ab dem 15. Jahrhundert wurden sie allmählich als Clarsach bzw. Cláirseach bezeichnet. Der Klangkörper einer Clarsach wurde aus einem ganzen Stück Holz (oft Weide oder Moorkiefer) geschnitzt und mit einem Deckel hinten verschlossen. Die Saiten waren aus Messing, was eine ganz besondere Spieltechnik erforderte, denn sie wurden mit den Nägeln statt mit den Fingerkuppen angerissen. Dies erzeugt einen resonanten, glockenähnlichen Klang; allerdings kann der lange Nachhall zu Dissonanzen führen. Um dies zu vermeiden, müssen die Saiten, die nicht mehr klingen sollen, wieder mit den Fingerkuppen gestoppt oder abgedämpft werden, während die konsonanten, also nicht dissonant klingenden Saiten weiterschwingen.

Britischer Bann gegen die irische Harfe

Keltische Harfe von Irland auf einer Euromünzen.
Die Cláirseach ziert die Rückseite der irischen Euromünzen. Bildrechte: Colourbox.de

[…] Gruppen wie die Chieftains machten die irische Harfe in ihrer Heimat wieder populär, so dass es heute eine ganze Reihe auch junger Harfenspieler in Irland gibt, obwohl mit dem Beginn der englischen Herrschaft in Schottland und Irland eigentlich das Ende der ungebrochenen Harfentradition eingeleitet worden war. Die Harfenspieler wurden damals verfolgt, manchmal sogar gehängt, und ihre Harfen verbrannt. 1792 versammelten sich die letzten Harfenspieler in Belfast. Zum Glück war ein junger Orgelspieler anwesend, Edward Bunting, um die Melodien aufzuzeichnen. Zudem machte er genaue Notizen der Spielweise - sonst wäre diese Kunst gänzlich verloren gegangen.

Revival im 19. Jahrhundert

Nach diesem Treffen starb die Harfen-Tradition in Irland und Schottland rasch aus, bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine Wiederbelebung begann. Dabei diente als Vorbild nicht die alte Cláirseach mit Metallsaiten, sondern die moderne Pedalharfe. Diese neuen Harfen wurden zwar mit einer gebogenen Vorderstange versehen, die an das ursprüngliche Instrument erinnert, waren aber sonst wie Pedalharfen mit einem hinten abgerundeten Korpus gebaut und mit Darm besaitet. Kleine Plättchen aus Messing dienten als Umstimmvorrichtung. Die moderne, so genannte Keltische Harfe mit Halbtonklappen und Darm- oder Nylonsaiten ist auf diese Entwicklung des 19. Jahrhunderts zurückzuführen.