Ende September bis Ende November | Plauen | Europäischer Folkpreis "FolkHerbst im Malzhaus"

Konzert beim Folkherbst Plauen im Kellergewölbe des Malzhauses
Konzert beim Folkherbst Plauen im Kellergewölbe des Malzhauses Bildrechte: malzhaus.de

Deutschlands einziger europäischer Folkpreis

Seit 1992 wetteifern jedes Jahr beim FolkHerbst im Plauener Malzhaus Solisten und Bands aus dem In- und Ausland um den "Eisernen Eversteiner", den einzigen europäischen Folkpreis, der in Deutschland vergeben wird.

Eisererner Eversteiner - Preis des Plauener Folkherbstes
Eisererner Eversteiner - Preis des Plauener FolkHerbstes Bildrechte: Folkherbst Plauen

Seinen Namen verdankt er dem Gründergeschlecht der Stadt Plauen, den Grafen von Everstein. Deren Burg befand sich an jener Stelle, wo heute das Malzhaus steht. Schirmherr ist der Plauener Oberbürgermeister.

Über 2.300 Bands und Solisten aus fast allen Regionen Europas bewarben sich bisher um die Teilnahme am Wettbewerb, das sind etwa 90 pro Jahr. Die Nominierungen werden in einer öffentlichen Auswahlparty im April ermittelt. Die Eröffnungsgala findet jeweils am letzten September-Wochenende statt, die feierliche Preisverleihung mit Konzert am letzten Samstag im Januar des Folgejahres.

Die Wertungskonzerte benotet die FolkHerbst-Fachjury nach einem festgelegten Wertungsspiegel, das Publikum nach persönlicher Vorliebe. Zwischen 2.000 und 2.700 Besucher beteiligen sich im Durchschnitt pro Jahr. Rund die Hälfte kommen von auswärts, aus dem Umland, den angrenzenden Bundesländern, der gesamten Bundesrepublik.

Renommierte Preisträger

"Eiserne Eversteiner" gingen seit 1992 in mehr als 20 Länder und Regionen Europas. Zu den Preisträgern gehören die Amsterdam Klezmer Band (Niederlande), Berrogüetto (Spanien/Galicien) Helene Blum & Harald Haugaard (Dänemark), Dàimh (Schottland), Dikanda (Polen), Exprompt (Russland), Federspiel (Österreich), Gankino Circus (Deutschland), Hudaki (Ukraine), Karikás (Ungarn), Les Yeux D'La Tête (Frankreich) und Stimmhorn (Schweiz).

Wiege der DDR-Folkszene

Gestaltet hat die Trophäe der Grafiker und Folkmusiker Jürgen B. Wolff gemeinsam mit Peter Luban. Wolff, seit 1991 auch Chef der Stadtgestalter beim Folkfestival in Rudolstadt, gehörte 1973 zu den Gründern des "Clubs Malzhaus". Der lockte mit selbstorganisierten Lesungen, Vorträgen, Diskussionen, Kunstgesprächen und Konzerten viele junge Leute in die aus eigenen Kräften renovierten Kellergewölbe des barocken Gebäudes. um die Mitte der 70er-Jahren war das Malzhaus in Plauen eine Wiege der DDR-Folkszene. Bands wie Folkländer (Leipzig), Wacholder (Cottbus), Notentritt (Halle) und Landluper (Plauen) hatten hier ihre Wurzeln.

Schließung und Wiedergeburt des Malzhauses

1982 wurde das Malzhaus unter dem Vorwand der baulichen Sanierung von den Behörden geschlossen. In den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit liest sich das als "Liquidierung eines konterrevolutionären Zentrums für dekadente Jugendliche und Jungerwachsene". Im Herbst 1989 sahen frühere Mitstreiter des "Clubs Malzhaus" die Chance, das seit sieben Jahren leer stehende Haus kulturell wiederzubeleben, besetzten es und begannen, es in Eigeninitiative zu rekonstruieren.

Aus der im Oktober 1989 gegründeten Bürgerinitiative ging im März 1990 das "Autonome Kulturzentrum Malzhaus e.V." hervor, die erste soziokulturelle Einrichtung in Westsachsen. 2010 wurde das Malzhaus Plauen mit dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH ausgezeichnet. Der jedes Jahr veranstaltete FolkHerbst war dafür ein ausschlaggebendes Argument.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Folk und Welt | mittwochs | 21:00 Uhr