Graham Nash bei seinem Konzert auf dem Rudolstadt-Festival 2018 auf der großen Bühne im Heinepark
Graham Nash bei seinem Konzert auf dem Rudolstadt-Festival 2018 Bildrechte: MDR/Holger John

Interview mit Graham Nash Wie Crosby, Stills and Nash ihren Sound fanden

Mit der Supergroup Crosby, Stills and Nash änderte sich Graham Nashs musikalische Karriere gewaltig. Im Interview erzählt der Musiker, wie er David Crosby und Stephen Stills das erste Mal traf und wie die drei in nur wenigen Sekunden ihren gemeinsamen Sound fanden.

Graham Nash bei seinem Konzert auf dem Rudolstadt-Festival 2018 auf der großen Bühne im Heinepark
Graham Nash bei seinem Konzert auf dem Rudolstadt-Festival 2018 Bildrechte: MDR/Holger John

MDR KULTUR: Mr. Nash – schön, Sie heute hier zu haben in der Kulturdiele in Rudolstadt. Ich würde gerne mit Ihnen über Ihr neues Album reden. Eine Sammlung der besten Graham-Nash-Songs auf einer CD und auf der zweiten CD finden wir dann Demoversionen, erste Skizzen von den gleichen Songs. Warum war es ihnen so wichtig, Ihren Fans die Genesis all der Songs zu zeigen, die wir ja alle kennen – wie "Teach your children" , "Our House", "Chicago" oder "Just a sing before I go".

Graham Nash: Mir ist aufgefallen, dass sich die Fans über die Jahre hinweg meine CDs und Platten immer wieder gekauft haben und ich wollte jetzt mal etwas ganz Besonderes machen, etwas was wirklich interessant ist. Und ich denke die Auswahl auf den beiden CDs, die zeigt den Menschen jetzt die Verwandlung der Songs von ganz einfachen Demos hin zu den fertig produzierten Songs. Und das ist doch spannend.

Das ist es ganz sicher. Als ich die Urversion von "Marakesh Express" gehört habe, dachte ich schon, wow, das ist großartig. Und dann die Hitversion daneben stehen zu haben – das ist wirklich beeindruckend.

Ja, als ich "Marakesh Express" geschrieben habe, habe ich den Song eigentlich für die Hollies, meine alte Band geschrieben. Die mochten den Song allerdings nicht. Es gibt sogar eine Aufnahme mit den Hollies. Aber ich sag Ihnen, die ist nicht wirklich gut, irgendwie flach und nicht stark. Der Song, der braucht diesen speziellen Rhythmus – dieses "Zugding" und das hören wir hier in der Version nur mit meiner Gitarre und meiner Stimme.

Können Sie sich eigentlich noch daran erinnern, wann Sie David Crosby und Stephen Stills, das erste Mal getroffen haben – das war doch kurz nachdem die Hollies " Marakesh" nicht wollten.

Graham Nash bei seinem Konzert auf dem Rudolstadt-Festival 2018 auf der großen Bühne im Heinepark
Auch mit 76 Jahren gibt Graham Nash noch mitreißende Konzerte, wie hier auf dem Rudolstadt-Festival. Bildrechte: MDR/Holger John

Ich war gerade in London und die Byrds (mit David Crosby) waren auch in London. David war in einem sehr runtergekommenen Hotel untergebracht. Und da habe ich ihn angerufen und gesagt: "Komm zu mir. Das kann doch nicht sein, dass du in so einem Hotel wohnst, dass auch noch "The White House" heißt. Bist Du verrückt! Schlaf bei mir!" Also David habe ich in London getroffen. Und Stephen? Eines Tages war ich in Los Angeles und David nahm mich zu einer Party mit, die Peter Tork von den Monkees organisiert hatte in seinem Haus am Mullholland Drive. Und wir gingen da also hin, die Tür ging auf, eine riesen Rauchwolke (Sie wissen schon!?) schlug uns entgegen und im Hintergrund spielte jemand Klavier, das waren so kubanische Sachen, Blues und so weiter. Fantastisch! Ich fragte David (Crosby), wer das ist und er sagte: 'Der Typ, der ist der Grund warum ich wollte, dass du mitkommst!' Und das war dann Stephen Stills.

Ich fragte David (Crosby), wer das ist und er sagte: 'Der Typ, der ist der Grund warum ich wollte, dass du mitkommst!' Und das war dann Stephen Stills.

Graham Nash

Und dann habe ich gehört, der ganz spezielle Vocal Sound, der Crosby, Stills and Nash dann so berühmt gemacht hatte, den zu finden hat gerade mal 40 Sekunden gedauert? Stimmt das?

Graham Nash bei seinem Konzert auf dem Rudolstadt-Festival 2018 auf der großen Bühne im Heinepark
Nachdem Graham Nash zuerst mit seiner eigenen Band The Hollies Musik machte, war er später Teil der Supergroup Crosby, Stills und Nash. Bildrechte: MDR/Holger John

Ja, ungefähr 40 Sekunden. Ich kam aus London und wollte mit meiner damaligen Freundin Joni Mitchell etwas Zeit verbringen. Ich bin im Taxi zu ihrem Haus gefahren, hatte nur meine Gitarre dabei und da hörte ich aus einem Zimmer andere Stimmen. Da war ich erstmal etwas sauer. Ich wollte ja mit ihr alleine sein. Das waren David und Stephen, die waren auch zum Abendessen bei Joni eingeladen. Und mitten beim Essen sagte David zu Stephen, er solle mir mal den Song vorspielen, an dem sie gerade arbeiteten. David war gerade bei den Byrds rausgeflogen, Buffalo Springfield, wo Stephen spielte, hatte sich aufgelöst und die beiden wollten so eine Art "Everly Brothers Ding" aufziehen. Also sangen sie für mich. Ich habe mir das angehört, dann habe ich sie gebeten den Song noch mal zu spielen und dann noch einmal. Beim ersten Mal habe ich mir die Melodie gemerkt, mir einen Harmoniegesang überlegt und den Text gelernt, und beim zweiten Durchlauf habe ich geschaut, wann und wie die beiden atmen und wie ihre Körpersprache ist, wie sie die Phrasen beginnen und beenden.

Und dann, beim dritten Mal haben wir den Song zusammen gesungen. Einfach so! Und nach 40 Sekunden mussten wir stoppen und haben einfach angefangen zu lachen. Wir waren so glücklich. 40 Sekunden Mann! Wir haben dafür nicht Monate oder Wochen geprobt. Es war einfach da, magisch! Ein großartiger Moment und Joni, sie ist die einzige Zeugin davon.

Sie sind unfassbar kreativ und aktiv im Moment – was toll ist. Ihr neues Album ist so eine Art Kick Off für eine ganze Menge Dinge, die da noch kommen in nächster Zeit. Jetzt sind Sie gerade auf Tour und beim letzten Interview haben Sie mir verraten, Sie arbeiten auf dieser Tour auch an einer neuen Platte. Würden Sie sagen, dass Ihre Art Kreativität, mit der Sie heute arbeiten sich verändert hat zu früher? Ist es eine andere Art Kreativität, vielleicht eine reflektiertere, eine weisere?

Nicht unbedingt weiser. Ich würde sagen, ich bin etwas umsichtiger mit meinen Texten, etwas genauer in der Art, wie ich Worte gebrauche. Worte sind wichtig und so bedeutsam. Es waren Worte, die die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht haben, Ideen – nicht Panzer und Kanonen. Ja, ich bin verantwortungsvoller mit meinen Worten. Es gibt so einig Sachen, die ich früher geschrieben habe, einige Songzeilen von denn ich mir wünschen würde ich hätte sie so nicht geschrieben.

Es gibt so einige Sachen, die ich früher geschrieben habe, einige Songzeilen von denn ich mir wünschen würde ich hätte sie so nicht geschrieben.

Graham Nash

Ok, da fragen wir mal nicht weiter nach, welche das sein könnten?

Doch, Sie können fragen. Aber ich werde es Ihnen nicht verraten, welche Songteile aus welchen Songs ich gerade gemeint habe.

Sie spielen heute Abend in Rudolstadt Songs aus allen Epochen Ihrer Karriere. Angefangen bei den Hollies über Crosby, Stills and Nash bis hin zu Ihren Soloalben. Können Sie eine Epoche ausmachen, die für Sie besonders wichtig war? Oder haben die alle ihre großen wichtigen Momente gehabt?

Es gab immer zu jeder Zeit Dinge, die bedeutsam waren. Als die Hollies sich das erste Mal zum Beispiel im Radio gehört haben. Mann wir sind ausgeflippt – wir im Radio! Verrückt, wir haben es geschafft. Dann das erste Crosby, Stills and Nash-Album, das war unglaublich wichtig für mich. Ich kam nach Amerika 1968 und ich hatte wirklich keine Ahnung, was passieren würde. Aber ich habe diesen Sound von David und Stephen gehört, dieses Stimmen! Ich habe erlebt, wie unsere drei Stimmen zu einer wurden in dieser besagten Nacht im Haus von Joni und mir war klar, als Musiker, ich muss etwas machen mit den beiden.

Ich habe erlebt, wie unsere drei Stimmen zu einer wurden in dieser besagten Nacht im Haus von Joni und mir war klar, als Musiker, ich muss etwas machen mit den beiden.

Graham Nash

Es ging gar nicht anders. Ich wusste, ich muss meine Band, die Hollies, verlassen, all meine Freunde, meine Familie, mein Haus, meine sichere Karriere aufgegeben. Es war ein bedeutender, auch ein schwerer Schritt, eine finanzielle Unsicherheit auch, aber es ging nicht anders. Deshalb ist das erste Crosby, Stills and Nash-Album auch so ungemein wichtig für mich.

Sie haben Songs mit sehr klaren Botschaften geschrieben wie "Chicago", "Military Madness", "Teach your children" und trotzdem haben Sie einmal gesagt, Sie seien kein politischer Songwriter, lediglich ein Humanist. Und als solchen frage ich Sie – gibt es in diesen verrückten Zeiten Hoffnung für diese Welt?

Es gibt immer Millionen toller, schöner, hoffnungsvoller Dinge, die jeden Tag auf dieser Welt passieren. Das Problem ist, wir nehmen sie gar nicht mehr war. Weil die Medien nur noch schlechte Nachrichten verbreiten, einfach weil die sich besser verkaufen. Die guten Dinge finden gar nicht mehr statt – im Radio, im Fernsehen, in den Zeitungen. Es geht nur noch um dies und jenes Erdbeben, die und die Katastrophe, wie viele Menschen sind gerade da und dort gestorben und so weiter. Das ist nicht gut! Nur die schlimmen Nachrichten schaffen es noch in unsere Wahrnehmung. Das ist sehr schade.

Na dann lassen Sie uns doch heute Abend hier beim Konzert eine Nacht der Liebe und des Friedens feiern.

Das Interview führte MDR KULTUR-Musikredakteur Jan Kubon.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juli 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2018, 16:16 Uhr