Weltmusik in Thüringen Rudolstadt-Festival ist in vollem Gange

Noch bis 8. Juli wird in Rudolstadt wieder Deutschlands größtes Festival für Folk und Weltmusik gefeiert. In diesem Jahr geben u. a. Gisbert zu Knyphausen und Graham Nash Konzerte im thüringischen Rudolstadt. Beim Rudolstadt-Festival wird außerdem der Deutsche Weltmusikpreis RUTH verliehen.

Am Donnerstag hat das Rudolstadt-Festival 2018 begonnen. 130 Bands und Solokünstler aus aller Welt gestalten bis zum 8. Juli das Programm im thüringischen Rudolstadt, darunter die diesjährigen Preisträger des Deutschen Weltmusikpreises RUTH Cymin Samawatie und Gisbert zu Knyphausen.

Kultbands und Shooting Stars

Auftritt von Liedermacher Gisbert zu Knyphausen
Der deutsche Liedermacher Gisbert zu Knyphausen bekommt den Sonderpreis des Weltmusikpreises RUTH und wird auf dem Festival anlässlich des Preisträgerkonzertes spielen. Bildrechte: IMAGO

Den verregneten Festivalauftakt machte die israelische Sängerin und Aktivistin Yael Deckelbaum. Außerdem geben die britische Singer-Songwriter-Ikone Graham Nash, 1968 Mitbegründer der Supergroup Crosby, Stills and Nash, und US-Countryrock-Legende Steve Earle & The Dukes in Rudolstadt eines ihrer wenigen Deutschland-Konzerte. Darüber hinaus präsentieren die unterschiedlichsten Kulturen ihre musikalischen Interpretationen: Mit Ale Möller kommt ein Altmeister der Folkmusik aus Skandinavien nach Rudolstadt, das Projekt Bella Ciao bereichert mit Arbeiterliedern aus Italien und die Band Betsayda Machado & Parranda el Clavo aus einer Kleinstadt bei Caracas mit afro-venezolanischer Party-Musik. Zu diesen Klängen lässt es sich ebenso gut tanzen wie zum Folk-Rock der britischen Kultband Blowzabella.

Bilder vom Eröffnungskonzert

Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble spielten das Auftaktkonzert. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble spielten das Auftaktkonzert. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Das Rudolstadt-Festival 2018 ist eröffnet. Nur leider wollte das Wetter nicht mitspielen. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Schon den Nachmittag regnete es ununterbrochen. Aber das kennen die Besucher des Rudolstadt-Festivals ja und waren daher mit Regenschirmen ausgestattet. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
2018 ist bereits die 28. Ausgabe des Rudolstadt-Festivals. Es ist das größte Folk- und Weltmusikfestival in Deutschland. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Musikalisch wurde das Musikfestival in diesem Jahr von Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble eröffnet. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Die Sängerin stammt aus Israel und engagiert sich auch politisch. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Als im Jahr 2016 israelische und palästinensische Frauen gemeinsam für Frieden demonstrierten, schrieb sie eine Hymne für die Bewegung. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Trotz des Regens versammelten sich Tausende Besucher vor der Großen Bühne im Heinepark. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Ausgestattet mit Regenschirmen und Regencapes trotzten sie dem auf sie herabprasselnden Regen. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Alle Dauerkarten des diesjährigen Festivals waren schon drei Wochen im Voraus ausverkauft. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Yael Deckelbaum hatte ihre Band, die "The Prayer Of The Mothers Ensemble", mit dabei. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Mit ihrem Auftritt eröffnete sie das vier Tage dauernde Festival. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
In den kommenden Tagen werden auch noch Künstler wie Gisbert zu Knyphausen und die Singer-Songwriter-Ikone Graham Nash auftreten. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
In diesem Jahr liegt der Länderschwerpunkt des Festivals auf Estland. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Unterstützt wurde Yael Deckelbaum auch von mehreren Sängerinnen ihrer Band. Bildrechte: MDR/Holger John
Yael Deckelbaum & The Prayer Of The Mothers Ensemble (ISR) auf der Großen Bühne Heinepark
Die Veranstalter zählen bis zu 100.000 Besucher, die zum Rudolstadt-Festival kommen. Bildrechte: MDR/Holger John
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial | 05. Juli 2018 | 18:05 Uhr

Fatoumata Diawara aus Mali begeistert mit groovigem Sound, der Rapper Oddisee mit sudanesisch-afroamerikanischer Herkunft gilt als Ausnahmeerscheinung im Hip-Hop. Zu den Programm-Highlights gehören außerdem die mittelalterlichen Lieder und Tänze der spanischen Kloster-Pilger Llibre Vermell auf der Rudolstädter Heidecksburg. Die chilenische Bläser-Band Chico Trujillo wird den feierlichen Festivalabschluss gestalten.

Weltmusik aus dem Baltikum

Länderschwerpunkt des diesjährigen Festivals ist Estland. Das Land präsentiert sich zu seinem 100. Unabhängigkeitsjubiläum mit acht Bands und Solisten. Das bereits mehrfach ausgezeichnete Folk-Quartett Curly Strings wird gemeinsam mit den Thüringer Symphonikern spielen. Außerdem wird die estnische Künstlerin des Jahres 2017 zu hören sein: Maarja Nuut verbindet mit Stimme, Geige und Loop-Station die Klänge der Dörfer mit elektronischer Ästhetik.

Festival mit Tradition im kommenden Jahr unter neuer Führung

Ulrich Doberenz, der das Festival seit seiner Gründung 1991 stetig weiter entwickelt hat, gibt seine Position als Leiter nach dem Festival 2018 ab. Die Nachfolge übernimmt ab September Simone Dake, derzeit Chefin des Festival- und des Künstlerbüros. Doberenz bleibt Sprecher des Weltmusikpreises RUTH.

Die zurückliegende Zeit war unglaublich reich an wertvollen Begegnungen, und die bleiben mir als großartiger Schatz. Darum kann ich inzwischen auch loslassen.

Ulrich Doberenz, Festivalleiter 1991-2018

Konzert-Tipps Wer stand 2018 auf den Bühnen beim Rudolstadt-Festival?

Fatoumata Diawara (Mali)
Fatoumata Diawara (Mali) Die 36-jährige Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der jungen Generation afrikanischer Musik. Auf ihr 2011 veröffentlichtes Debüt "Fatou" folgten viele Projekte: So sang sie etwa auf Alben von Dee Dee Bridgewater, Oumou Sangaré und Herbie Hancock. Auf ihrer zweiten Platte "Fenfo" macht Fatoumata wie immer als Zeitzeugin klare Ansagen. Ihrem kritischen Auge entgeht keine soziale Ungerechtigkeit. 
So, 8. Juli, 18 Uhr Große Bühne Heinepark
Bildrechte: IMAGO
Julian Pollina alias Faber auf der Bühne
Faber (Schweiz) Jacques Brel gibt der 24-jährige Singer-Songwriter als Vorbild an, doch Faber singt nicht nur Chansons, sondern bewegt sich auch zwischen Folk, Pop, Polka, Punk und Balkan. Seine Texte sind lyrisch und auch mal derb. Sie werfen Fragen auf, regen zum Nachdenken an. Auf den ersten Blick ist das alles gar nicht charttauglich - und doch schaffte es Faber sofort auf ein Majorlabel und mit seinem ersten Longplayer in den Top 20. Und seine Musik ist auch noch absolut tanzbar.
So, 8. Juli, 19:30 Uhr Konzertbühne
Bildrechte: IMAGO
Graham Nash spielt Gitarre und hat eine Mundharmonika umgeschnallt
Graham Nash (Großbritannien) Die Ehrungen für den US-amerikanischen Musiker und Folkrock-Veteran sprechen für sich: Gleich zwei Mal wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, einmal mit den Hollies und einmal mit Crosby, Stills & Nash. Er erhielt acht Grammy-Nominierungen und einen Award und dazu kommt der Ritterschlag der Queen durch den Order of the British Empire. Nash ist außerdem erfolgreich als Fotograf und Künstler - und setzt sich für Frieden und Umweltschutz ein.
Sa, 7. Juli, 22:00 Uhr Große Bühne Heinepark
Bildrechte: IMAGO
Fatoumata Diawara (Mali)
Fatoumata Diawara (Mali) Die 36-jährige Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der jungen Generation afrikanischer Musik. Auf ihr 2011 veröffentlichtes Debüt "Fatou" folgten viele Projekte: So sang sie etwa auf Alben von Dee Dee Bridgewater, Oumou Sangaré und Herbie Hancock. Auf ihrer zweiten Platte "Fenfo" macht Fatoumata wie immer als Zeitzeugin klare Ansagen. Ihrem kritischen Auge entgeht keine soziale Ungerechtigkeit. 
So, 8. Juli, 18 Uhr Große Bühne Heinepark
Bildrechte: IMAGO
Auftritt von Liedermacher Gisbert zu Knyphausen
Gisbert Zu Knyphausen (Deutschland) - RUTH-Preisträger 2018 2008 veröffentlichte Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen sein Debüt-Album - und stand seitdem für ungebügelten, deutschen Liedermacher-Pop. Die Kritiker umjubelten die in "wohlklingende Songminiaturen" gegossenen "Gefühlsextreme". Nach einer längeren Schaffenspause meldete er sich nun mit einem neuen Album "Das Licht dieser Welt" zurück. Dort erzählt er Großes im Kleinen und öffnet für neue musikalische und sprachliche Einflüsse.
Sa, 7. Juli, 16:00 Uhr Große Bühne Heidecksburg (Ruth)
Bildrechte: IMAGO
Haig Papazian und Hamed Sinno von Mashrou' Leila aus Libanon
Mashrou Leila (Libanon) Wütend und sanft, so könnte man ihre Musik beschreiben, aber es würde dieser Band nicht gerecht werden. Mashrou Leila spielen eine sinnliche Mischung aus alternativem Rock und orientalischer Musik. Ihre arabischen Texte über korrupte Politiker, blinden Nationalismus und das Recht auf Liebe für jeden Menschen provozieren auch selbsternannte Sittenwächter. Die Anhängerschaft dieser ikonischen Band wächst, nicht nur im Nahen Osten.
Fr, 6. Juli, Große Bühne Heinepark
Bildrechte: IMAGO
Maarja Nuut, Geigerin aus Estland
Maarja Nuut (Estland) Ihre Musik ist eine minimalistische Mischung aus Geige, Stimme und den Effekten eines Loop-Geräts. Maarja Nuut liebt die Volksmusik der estnischen Bauern- und Fischerdörfer und holt sie ins 21. Jahrhundert. Zu Beginn stellt sie sich einen Klang in ihrem Kopf vor, danach versucht sie, ihn auf einer ihrer Geigen hervorzubringen. "Magisch!" schwärmt die Kritik.
Fr, 6. Juli, 22:30 Uhr Neumarkt | Sa, 7. Juli, 13 Uhr Theater im Stadthaus
Bildrechte: IMAGO
Mari Kalkun
Mari Kalkun (Estland) Die Singer-Songwriterin spielt die Kannel, eine griffbrettlose Kastenzither, sie singt im süd-estnischen Dialekt Võro. Erlebtes kleidet sie gern in den Stil traditioneller Volkslieder, sie experimentiert aber auch mit Hip-Hop-inspiriertem Sprechgesang. 2013 wurde sie in Estland zur Sängerin des Jahres gewählt. Nach Rudolstadt kommt sie mit ihrer Band Runorun aus Helsinki.
Fr, 6. Juli, 14:30 Uhr Burgterrasse | Sa, 7. Juli, 16 Uhr Stadthaus
Bildrechte: Ruudu Rahumaru
Riccardo Tesi
Riccardo Tesi (Italien) Seit 40 Jahren spielt Riccardo Tesi das diatonische Knopfakkordeon Organetto, mit ihm erforschte er die Walzer seiner toskanischen Heimat, Musik aus Süditalien, vom Balkan oder aus Indien, Jazz oder Filmmusik von Nino Rota. Beim Tanz&FolkFest 1991 spielte er schon einmal in Rudolstadt, nun kommt er wieder, mit sechs Mitstreitern und dem Projekt "Bella Ciao", benannt nach dem Lied der italienischen Partisanen im 2. Weltkrieg.
So, 8. Juli, 13:30 Heidecksburg und am selben Ort 16:30 Uhr im Arbeiterlied-Konzert
Bildrechte: Lucia Baldini
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Haig Papazian und Hamed Sinno von Mashrou' Leila aus Libanon
Mashrou Leila (Libanon) Wütend und sanft, so könnte man ihre Musik beschreiben, aber es würde dieser Band nicht gerecht werden. Mashrou Leila spielen eine sinnliche Mischung aus alternativem Rock und orientalischer Musik. Ihre arabischen Texte über korrupte Politiker, blinden Nationalismus und das Recht auf Liebe für jeden Menschen provozieren auch selbsternannte Sittenwächter. Die Anhängerschaft dieser ikonischen Band wächst, nicht nur im Nahen Osten.
Fr, 6. Juli, Große Bühne Heinepark
Bildrechte: IMAGO

Seit fast dreißig Jahren kommen im thüringischen Rudolstadt Künstler aus der ganzen Welt zusammen, bis zu 100.000 Besucher zählen die Veranstalter. Bereits drei Wochen vor dem Start waren die Dauer- und Kombikarten in diesem Jahr ausverkauft. Tickets für die Innenstadt können an der Tageskasse aber noch erworben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 05. Juli 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2018, 04:00 Uhr