Weltmusik in der Provinz Zehn Fragen zum Rudolstadt-Festival

Die Augsburger Band Revelling Crooks beim Rudolstadt-Festival 2019.
Die Augsburger Band Revelling Crooks beim Rudolstadt-Festival 2019. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1. Findet das Rudolstadt-Festival 2021 statt?

Bereits im März haben die Organisatoren bekannt gegeben, dass auch das Rudolstadt-Festival 2021 aufgrund der unklaren gesundheitlichen und finanziellen Risiken ausfallen muss. Mittlerweile hat sich die Corona-Situation verbessert, so dass Musikhungrige vom 1. bis 4. Juli in Rudolstadt auf ihre Kosten kommen können. Die Veranstalter verweisen auf eine kleine Konzertreihe im Rahmen des "Rudolstädter Sommers", die ein wenig das Festivalflair vermitteln soll. Open Air spielen DOTA, Pulsar Trio, Wenzel & Band, Folkländer, Anna Mateur, Tim Liebert, Johnny & The Yooahoos, Karl die Große sowie Zärtlichkeiten mit Freunden. Die Ticketanzahl ist begrenzt.


2. Was ist für das Festival 2022 zu erwarten?

Nach zwei Corona-Absagen haben sich die Organisatoren entschlossen, für 2022 ein neues Programm zu entwickeln. Ursprünglich sollte das 2020er-Programm auf 2021 übertragen werden, eine erneute Schiebung kam für die Macher jedoch nicht in Frage. Der Vorverkaufsstart ist für Dezember 2021 geplant, dann sollen auch erste musikalische Inhalte bekanntgeben werden.


3. Was ist das Rudolstadt-Festival?

Das Rudolstadt-Festival ist Deutschlands größtes Festival für Folk-, Roots- und Weltmusik. Seine Premiere erlebte es im Juli 1991, (neu-)begründet von einem deutsch-deutschen Organisationsteam, anfangs als Tanz&FolkFest, später TFF Rudolstadt und seit 2016 Rudolstadt-Festival.

Heute gehört das Rudolstadt-Festival zu den bedeutendsten Festivals seiner Art in Europa. Jedes Jahr gastieren Solisten, Bands und Ensembles von mehreren Kontinenten, etablierte Künstler ebenso wie Newcomer der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Beim letzten öffentlichen Festival 2019 kamen Musiker aus rund 40 Ländern. Während des Festivals wurden mehr als 100.000 Besucher in der thüringischen Kleinstadt gezählt.

Rund 100 in- und ausländische Medien berichten vom Festival. Mehrere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zeichnen Konzerte auf. MDR KULTUR lädt Künstler ein und sendet im Radio live aus Rudolstadt. Videojournalisten, Webreporter und Fotografen machen die Festivalatmosphäre online nacherlebbar. Kameraleute vom MDR-Landesfunkhaus Thüringen drehen einen einstündigen Fernsehfilm über das Festival.


4. Wo finden die Konzerte statt?

Es gibt mehr als 20 Spielstätten, verteilt über die ganze Stadt. Dazu zählen das Barockschloss Heidecksburg, der Marktplatz, die Stadtkirche, das Theater, die Bibliothek, der Handwerkerhof sowie mehrere Freilichtbühnen und das Tanzzelt im Heinepark am Ufer der Saale. Nachtschwärmer können dort bis in die frühen Morgenstunden Konzerten lauschen – und tanzen. Musiziert wird auch auf der Straße, in öffentlichen und in privaten Gärten.


5. Was bietet das Rahmenprogramm?

Zusätzlich zu den rund 300 Konzerten bietet das Festival Tanz-, Gesangs- und Instrumental-Workshops, Vorträge und Ausstellungen. Unterhaltsame Liedgeschichte vermittelt das "Songposium". Im Instrumentenbau-Zentrum kann man schauen, probieren und kaufen. Am Wochenende wartet auf die Jüngsten ein fantasievolles Kinderfest im Heinepark.


6. Was ist der Weltmusikpreis RUTH?

Ausgelobt wird die RUTH seit 2002 jährlich vom Rudolstadt-Festival in Zusammenarbeit mit MDR KULTUR und dem Trägerkreis creole. Verliehen wird die Auszeichnung als Hauptpreis für prägende Künstler; als Förder-RUTH für zukunftsträchtige aufstrebende Interpreten; als Ehren-RUTH für Personen oder Institutionen, die verdienstvoll für die Weltmusik wirken sowie als Rudolstadt-Festival-RUTH, die vom Festivalteam auserkoren wird. Die RUTH ist mit insgesamt 11.500 Euro dotiert. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderem der Musikkabarettist Rainald Grebe oder die Liedermacher Hannes Wader sowie Hubert von Goisern.


7. Was kosten die Tickets?

Dauerkarten für alle vier Festivaltage kosteten zuletzt 96 €, Kombikarten für Festival plus Zeltplatz bzw. Caravanplatz zwischen 120 € und 136 €, für Festival plus Gemeinschaftsunterkunft in der Drei-Felder-Halle 108 €. Dazu kommen ggf. noch Parkgebühren. Wer im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt lebt, zahlt für eine Dauerkarte nur 48 €. Tageskarten für das gesamte Festivalgelände gibt es nicht mehr. Innenstadt-Karten zu 8 € für Freitag, Sonnabend und Sonntag werden an den Kassen vor Ort verkauft. Sie gelten jedoch nicht für Heidecksburg und Heinepark. Für Kinder und Jugendliche gibt es Ermäßigungen, Kinder unter 7 Jahren haben freien Eintritt.


8. Welche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es?

Hotels und Pensionen sind während des Festivals im weiten Umkreis ausgebucht. Dafür werden in dieser Zeit in Rudolstadt vier Zelt- und drei Caravanplätze eingerichtet. Die Übernachtungen dort sowie in der Drei-Felder-Sporthalle können nur in Kombination mit einem 4-Tages-Festival-Ticket online gebucht werden.


9. Wie komme ich nach Rudolstadt?

Die thüringische Kleinstadt an der Saale ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Deutsche Bahn und Abellio fahren von Leipzig bzw. Halle über Jena nach Rudolstadt, auf der Strecke von Nürnberg her verkehrt der Franken-Thüringen-Express. Ab Erfurt und Weimar kann man den Kombus nehmen, ab Berlin den Flixbus. Bahnhof und Busbahnhof sind nur fünf Gehminuten vom Rudolstädter Marktplatz entfernt. Anreise mit Pkw über die A4 Dresden-Frankfurt, die A9 Berlin-Nürnberg-München bzw. die A71 Erfurt-Schweinfurt. Von drei P+R-Parkplätzen an den Zufahrtsstraßen nach Rudolstadt ist das gesamte Festivalgelände durch Shuttle-Busse zu erreichen, für Karteninhaber ist das kostenlos.


10. Woher kommt die Folk-Tradition in Rudolstadt?

Das Rudolstadt-Festival hat eine Vorgeschichte in der DDR, denn bereits im Jahr 1955 fand hier das "1. Fest des deutschen Volkstanzes" statt. Dieses wurde zu einem DDR-Tanz- und Folklorefest mit Schwerpunkt auf osteuropäischer Musik und bestand bis 1989. Der Name des Treffens änderte sich mehrfach, aus dem Fest des deutschen Volkstanzes wurde u.a. das Tanz- und Musikfest des Bezirkes Gera und ab 1969 bis 1989 das alle zwei Jahre stattfindende Tanzfest der DDR. Ab den 80er-Jahren spielte zunehmend auch die Folkmusik eine Rolle bei den Veranstaltungen, was den Neustart des Treffens ab 1991 in Rudolstadt inspirierte.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Radio: MDR KULTUR | Folk und Welt | mittwochs | 21:00 Uhr