Publikum auf der Burgterrasse der Heidecksburg beim Festival in Rudolstadt
Massenandrang auf der Burgterrasse - gewohntes Bild beim Rudolstadt-Festival Bildrechte: MDR/Holger John

Rudolstadt-Festival Eine Kleinstadt platzt aus allen Nähten

Der Publikumsrekord von 2017 beim Rudolstadt-Festival hat die Organisatoren weniger erfreut als erschreckt. Dauer- und Tageskarten zusammengerechnet, wurden 100.000 Besucher gezählt. Heruntergerechnet auf die einzelnen Tage bedeutet das für die Kleinstadt mit 23.000 ihren Einwohnern mehr als eine Verdopplung der Bevölkerungszahl. Am meistfrequentierten Festivaltag musste im vorigen Jahr gegen 14 Uhr der Verkauf von Tageskarten aus Kapazitätsgründen eingestellt werden.

Publikum auf der Burgterrasse der Heidecksburg beim Festival in Rudolstadt
Massenandrang auf der Burgterrasse - gewohntes Bild beim Rudolstadt-Festival Bildrechte: MDR/Holger John

Popularität bringt Probleme

Der ungebrochene Besucherandrang stellte die Organisatoren 2018 vor neue Herausforderungen. Es wurde klar: Deutschlands größtes Folk- Roots- und Weltmusikfestival durfte nicht weiter wachsen.

Drei Personen gehen eine Steintreppe nach oben.
Malerisch, aber eng sind die Aufstiege zur Heidecksburg. Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Die heiter-fröhliche Atmosphäre des Festivals sollte nicht leiden unter Gedränge in den schmalen Gassen der Altstadt und an den Aufgängen zum Barockschloss Heidecksburg, unter langen Warteschlangen an den Einlassstellen im Heinepark. Auch Sicherheitsfragen waren zu bedenken, so gibt es auf dem Weg von der Innenstadt zum Park zwei schmale Eisenbahnunterführungen.

Erstmals keine Tageskarten mehr

Bereits Anfang Juni 2018 waren sämtliche 25.000 Dauerkarten verkauft. Nur deren Inhaber dürfen alle Konzerte und Aufführungen an den 20 Spielstätten in der Stadt besuchen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Dauerkarten bei 22.000, hinzu kamen jedoch zigtausende Tageskarten an den vier Veranstaltungstagen. Die gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1991 nicht mehr. Die Organisatoren haben gelernt, denn gerade Konzerte im Heinepark und auf der Heidecksburg waren extrem gut besucht, die Kapazitäten dort aber einfach erschöpft. "Aktuell gibt es nur noch Innenstadtkarten, die an der Tageskasse erhältlich sind. Anders konnten wir den Andrang der Besucher in diesem Jahr nicht bewältigen", sagte Festival-Sprecherin Miriam Rossius MDR KULTUR. Die Innenstadtkarten gelten zum Beispiel für Marktplatz, Neumarkt, Handwerkerhof und den Schulplatz. Auch das Kinderfest am Eingang des Heineparks jenseits der Saale ist zugänglich für Besitzer von Innenstadtkarten.

Camping- und Caravanplätze längst ausgebucht

Ab 5. Juli strömen wieder Gäste aus ganz Deutschland, aus den Nachbarländern Tschechien und Polen, aus Skandinavien, ja selbst aus Australien nach Rudolstadt. Viele kommen schon eher, sichern sich ihren Platz auf einem der speziell fürs Festival eingerichteten Camping- bzw. Caravanplätze.

Rudolstadt-Festival, Zeltplatz
Außerhalb der Festivals hat Rudolstadt keinen Zeltplatz Bildrechte: Jörg M Unger

Auch da musste die Stadt 2018 neue Regelungen einführen. Besucher hatten diesmal bereits im Vorfeld zu entscheiden, ob sie Zelt- oder Caravanplatz als Übernachtungsmöglichkeit wählen. "Das war vorher nicht so. Aber die Stadt hat nun mal keine festen Caravan-Stellplätze, wir müssen extra Strom- und Wasserleitungen legen. Mit der Vorabbuchung können wir aber garantieren, dass jeder gebuchte Platz auch den entsprechenden Komfort hat", sagte Rossius. Auch Karten für Caravan- und Zeltplatz sind ausverkauft.

Hotelbetten sind Mangelware

Freie Betten in Hotels und Pensionen sind schon seit Wochen nicht mehr zu bekommen. Im Umkreis von 50 Kilometern um Rudolstadt ist alles ausgebucht. Wer kein Bett in Hotel oder Pension ergattern konnte, kommt am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Premiere beim TFF 2014: ein Shuttlebus zwischen Stadt und Heidecksburg
Schon seit 2014 verkehrt während des Festivals ein Shuttlebus zwischen Stadt und Heidecksburg. Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Bahnhof und der Busbahnhof sind nur fünf Gehminuten vom Rudolstädter Marktplatz entfernt. Die Regionalbahn fährt stündlich. Sonderzüge nach Rudolstadt setzt die Deutsche Bahn in diesem Jahr nicht ein.

Autofahrern wird dringend geraten, einen der drei Shuttle-Parkplätze für Park & Ride außerhalb der Stadt anzufahren. Busse verkehren von dort im Viertelstundentakt in die Innenstadt. Zusammen mit den beiden Parkplätzen in der Innenstadt bieten sie 4.500 Fahrzeugen Platz. Die Anreise auf der B 88 aus Richtung Jena dauert wegen einer Umleitung ab Ortslage Zeutsch voraussichtlich etwa 30 Minuten länger.

Das Festival in Zahlen

Insgesamt 1.000 Mitarbeiter, darunter 800 Einheimische, kümmern sich um den reibungslosen Ablauf von Deutschlands größtem Festival für Folk- und Weltmusik. Das Publikum des Mehr-Generationen-Festivals ist bekannt für seine Friedfertigkeit, Toleranz und Rücksichtnahme. Schlägereien, Gewalttätigkeiten und Terrorgefahr spielen daher im Sicherheitskonzept des Festivals nur eine untergeordnete Rolle. Zum Glück, so die Veranstalter. "Es gibt natürlich jedes Jahr neue Auflagen, was die Sicherheitsvorkehrungen und auch den Umweltschutz angeht. Es werden aber keine zusätzlichen Poller aufgestellt und es wird auch 2018 keinen Bodycheck an den Einlässen geben", sagt Rossius. Insgesamt 150 Stände bieten Essen und Trinken an, 58 Chemie-Toiletten und mehr als 14.000 Rollen Toilettenpapier werden bereitgestellt. Über 33 Tonnen Müll müssen nach dem Festival entsorgt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Folk und Welt | 04. Juli 2018 | 20:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 20:37 Uhr