Ausblick Wie das Rudolstadt-Festival für 2022 plant

Endlich wieder Live-Musik und Festival-Stimmung erleben: Die Fans des Rudolstadt Festivals, Deutschlands größtem Festival für Folk-, Roots- und Weltmusik, dürfen sich Hoffnung machen. Das Festival soll nach zwei Jahren Corona-Pause Anfang Juli 2022 wieder stattfinden. So groß wie früher.

Rudolstadt-Festival - Konzert im Heinepark
Eindrücke vom Rudolstadt-Festival (2017). In diesem Jahr soll es erstmals seit zwei Jahren wieder stattfinden – allerdings mit weniger Besuchern. Bildrechte: MDR/Holger John

Fast zwei Jahre ist es nun schon her, dass Menschen aus der ganzen Welt nach Rudolstadt strömten, um vier Tage lang diese weltoffene, friedlich-entspannte Festivalatmosphäre zu erleben – mit Musikern aus der ganzen Welt, die auf Straßen, Plätzen und in Höfen, oder vor der Kulisse der Heidecksburg spielten. In diesem Sommer soll es wieder soweit sein, sagt die Leiterin des Kulturamts in Rudolstadt, Petra Rottschalk. Das Festival soll endlich wieder stattfinden und die Vorbereitungen laufen, so auch die Pressesprecherin des Festivals, Miriam Rossius.

30 Bühnen und Musiker aus aller Welt geplant

Kinderfest Laulupidu Kunksmuhme, hilfsbereite Hexe
Das Rudolstadt-Festival bietet Programm für die ganze Familie. Bildrechte: MDR/Holger John

Es soll so werden wie vor der Corona-Pandemie: mit vielen Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, etwa 30 Bühnen und musikalischem Länderschwerpunkt. "Fast so wie früher", sagt sie. "Es ist natürlich ein unglaublich wichtiges Signal an die Branche, an die Künstler, an alles, was da dranhängt, die gesamte Infrastruktur, und selbstverständlich für das Publikum."

Es brauche ein Zeichen, dass es wieder losgeht, sagt sie, und: "Man braucht endlich wieder ein gemeinsames Festival, was auch in der Stadt und in der Region dazu beitragen kann, Risse zu mildern, die durch die Pandemie, durch die unterschiedlichen Haltungen, entstanden sind."

Ticket-Verkauf und 2G-Regelung

Heinepark Musik an den Thüringer Bauernhäusern
Im Heinepark entspannt Konzerte erleben – das soll in diesem Sommer wieder möglich sein. Bildrechte: MDR/Holger John

Geplant haben das Veranstaltungsbüro und die Stadt ein Rudolstadt Festival mit 2G-Regeln. Wie das kontrolliert werden soll, werde zurzeit noch diskutiert. Eine Idee: Zum Beispiel könnten schon personalisierte Tickets verkauft werden. Wie die Karten im Internet verkauft werden, daran werde gerade noch gearbeitet. Fest steht: Der hauseigene Ticketshop soll sich verändern, um den Verkauf vor möglichen Cyberangriffen zu schützen.

Wie früher sollen wieder Dauerkarten und Innenstadttickets verkauft werden. Allerdings weniger als zuvor. Statt der 25.000 Dauerkarten nur rund 20.000, sagt die Festival-Sprecherin. "Einfach um das Festival zu entzerren."

Starke Preissteigerungen bei der Logistik

Insgesamt 3,3 Millionen Euro Budget haben die Veranstalter laut Rossius für das Festival zur Verfügung. Rund 100.000 Euro weniger als vor Corona, sagt sie. Gleichzeitig bekommen die Festivalmacher die Preissteigerungen zu spüren. Rund 30 Prozent mehr seien es im Vergleich zu 2019 für die gesamte Infrastruktur – von Bühnenbau, über Lichttechnik, Security – aber auch für Strom, Wasser, Toiletten und Müllabfuhr.

Publikum beim Bombillazkonzert
Eine Besucherin auf dem Bombillazkonzert auf dem Rudolstadt-Festival 2017. Bildrechte: MDR/Holger John

Deutlich höhere Ausgaben, bei weniger verkauften Tickets – für die Veranstalter des Rudolstadt Festivals eine Herausforderung. Denn: Das Festival finanziere sich zu mehr als 90 Prozent aus Einnahmen mit Eintrittskarten, Getränken und T-Shirts. Fünf bis sieben Prozent seien finanzielle Zuschüsse von der Stadt (rund 168.00 Euro) und vom Land Thüringen (rund 80.000 Euro). 2020 musste das Festival ausfallen. Es entstand laut Veranstalter ein Minus von 328.000 Euro. Das sei am Ende Dank Zuschüssen vom Land in Höhe von 200.000 Euro und Spenden in Höhe von 118.000 Euro auf ein Minus von 10.000 Euro gesunken.

Länderschwerpunkt Jugoslawien

Trotz der Preissteigerungen: Das Festival soll 2022 so groß werden wie vor der Corona-Pandemie. Die Zahl der Künstlerinnen und Künstler werde nicht verringert. So viele Bühnen wie sonst auch würden bespielt. Die Künstler seien zu einem großen Teil die, die schon 2020 auf der Bühne stehen sollten. Der Länderschwerpunkt "Deutschland" wurde bewusst noch einmal verschoben, so Miriam Rossius, "weil die deutsche Szene durch Corona geprägt ist".

Besucher und Musiker beim Rudolstadt Festival 2018
Beim diesjährigen Festival sollen vor allem Künstlerinnen auftreten, die 2020 schon auf dem Line-Up standen. Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Holger John

Dafür wurde der musikalische Länderschwerpunkt auf die Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawiens gelegt, unter dem Titel "Titos Erben". Der Grund: das Jahr 1992 gilt unter Historikern als entscheidende Zeit für den Zerfall Jugoslawiens. Jetzt, 30 Jahre später, sollen sich in Rudolstadt Musikerinnen aus den sieben Nachfolgestaaten präsentieren und zeigen, "was ihre Musik unterscheidet und was sie ausmacht", sagt die Festival-Sprecherin Rossius.

Stadt und Musikszene brauchen das Festival

Dass Künstler kurzfristig absagen könnten, damit müsse man rechnen, weil sich Quarantäne- und Einreisebestimmungen ändern könnten. Aber: "Wir hoffen wirklich sehr, dass es im Großen und Ganzen ein Festival wird, wie wir das gewohnt sind." Die Stimmung sei gut, die Vorfreude groß.

"Wir fahren zwar mit angezogener Handbremse. Aber wir sind uns alle bewusst, dass wir in diesem Jahr wirklich wieder ein Festival machen möchten, weil die Stadt das braucht, weil die Musikszene das braucht." Der Optimismus und die Hoffnung überwiege, dass das Rudolstadt Festival nicht wieder ausfallen muss.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 10. Februar 2022 | 18:00 Uhr