Luftbild von Rudolstadt mit Residenzschloss Heidecksburg
Wer nach Rudolstadt fährt, wird mit Kultur belohnt. Bildrechte: IMAGO

Vor und nach dem Festival Rudolstadt: Kulturmetropole in der Provinz

Rudolstadt kennt man in Reykjavik und Santiago de Chile, in Madrid und Moskau als Gastgeberstadt eines der großen europäischen Festivals für Folk, Roots und Global Music. Und sonst? Was hat die kleine Stadt an den 361 Tagen ohne Festival zu bieten? Die 23.000 Rudolstädter können sich über eine herrliche Landschaft ringsum freuen – und über ein reiches Kulturleben: Da ist ein Theater, das von sich reden macht, da ist fürstlicher Prunk, der zu bestaunen ist, da ist das Haus, in dem sich Schiller und Goethe zum ersten Mal begegneten.

Luftbild von Rudolstadt mit Residenzschloss Heidecksburg
Wer nach Rudolstadt fährt, wird mit Kultur belohnt. Bildrechte: IMAGO

Barockschloss Heidecksburg

Rokoko-Saal im Schloss Heidecksburg mit Deckengemälde
Rokoko-Saal mit Deckengemälde Bildrechte: MDR/Axel Berger

Etwa 60 Meter über der Altstadt von Rudolstadt thront die Heidecksburg, sie diente den Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt von 1571 bis 1918 als Residenzschloss. Hat man erst einmal einen der romantischen Aufgänge erklommen, kann man von hier aus die wundervolle Aussicht auf die Stadt genießen. Drinnen warten prunkvolle Räume mit kostbaren Ausstellungsstücken: Gemäldegalerie, Porzellangalerie, Fest- und Wohnräume oder das Naturhistorische Museum.

Miniatur - Blick auf die Auffahrt einer Prunkkutsche des Rokoko vor dem fiktiven Lustschloss des Königs von Pelarien
Eine Prunkkutsche des fiktiven Königs von Pelarien Bildrechte: dpa

Beliebt ist die ungewöhnliche Dauerausstellung "Rococo en miniature" in der ehemaligen Hofküche. Zu sehen sind Paläste und Szenen der fantastischen Königreiche Pelarien und Dyonien, bevölkert von Hunderten von zierlich-winzigen Figuren - Maßstab 1:50 bedeutet, dass eine Figur gerade mal drei Zentimeter misst. Die Miniaturisten Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf schufen mit diesen Miniaturbauten über Jahrzehnte hinweg ein Lebenswerk.

Volkmar Kühn: Pferd für die Heidecksburg.
Pferdeskulptur von Volkmar Kühn Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Kunst von heute gibt es auch im Schloss Heidecksburg: Mit 56 Kleinplastiken und einer lebensgroßen Pferdeplastik übernahm das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg einen umfangreichen Vorlass des bedeutendsten Thüringer Bildhauer der Gegenwart: Volkmar Kühn.

Informationen: Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Di-So, 10-18 Uhr
November bis März: Di-So, 10-17 Uhr
Eintrittspreis: 8 Euro, ermäßigt: 5 Euro

Schwarzburger Zeug- und Torhaus

Waffenausstellung in Schwarzburg
Waffenausstellung in Schwarzburg Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Rund 20 Kilometer von der Heidecksburg entfernt, im frisch sanierten Zeug- und Torhaus der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt auf der Schwarzburg sind seit 2018 "Fürstliche Erlebniswelten" zu bestaunen. "Es ist das einzige erhaltene fürstliche Zeughaus in Deutschland mit einer originalen Waffensammlung", betont Lutz Unbehaun, Direktor vom Landesmuseum Schloss Heidecksburg in Rudolstadt.

Kanonen, Helme, Rüstungen, Gewehre mit aufgesteckten Bajonetten und Fahnen, Kettenhemden, Degen und Armbrüste, Pfeile und Bögen von osmanischen Kriegern außerdem Prachtwaffen wie mit Perlmutt und Elfenbein kunstvoll ausgelegte Schäfte von Reiterpistolen gehören zu den rund 5.000 einzigartigen Objekten - und sind zudem frei hängend und liegend ausgestellt.

Informationen: Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Di - So, 10-18 Uhr
November bis März: Di-So, 10-17 Uhr
Das Fürstliche Zeughaus Schwarzburg ist nur mit Führung zu besichtigen - Führungen finden stündlich statt
Eintrittspreis: 8 Euro, ermäßigt: 5 Euro
Kinder bis 14 Jahre frei

Theater Rudolstadt

Theater Rudolstadt
Theater Rudolstadt Bildrechte: Friederike Lüdde

2018 feiert das Theater in Rudolstadt seinen 225. Geburtstag. Das Theater besitzt eine in Deutschland einmalige künstlerische Konstellation, denn es beherbergt ein Schauspielensemble und ein Orchester - die Thüringer Symphoniker - unter einem Dach. Intendant des Hauses ist seit 2008 Steffen Mensching. Vielen ist er noch bekannt als anarchistischer Clown im Duo "Mensching & Wenzel". Bekannte und berühmte Menschen hat es immer wieder in das Theater der kleinen Stadt an der Saale gezogen.

Im Jahr 1794 sowie von 1796 bis 1803 hatte das Theater in Rudolstadt sogar einen sehr berühmten Intendanten: Johann Wolfgang von Goethe, er bespielte die Rudolstädter Bühne mit dem Ensemble des Weimarer Hoftheaters. Friedrich Schiller saß im Rudolstädter Theater, Carl Maria von Weber soll hier als Knabe in der "Zauberflöte" gesungen haben. Franz Liszt und Niccolò Paganini gaben hier 1844 ein Konzert, Richard Wagner gastierte 1834 als junger Musikdirektor der Bethmannschen Operntruppe sechs Wochen lang in Rudolstadt und Clara und Robert Schumann kamen auch zu Besuch.

Steffen Mensching
Steffen Mensching, Intendant in Rudolstadt Bildrechte: MDR/ Daniela Höhn

Das Rudolstädter Theater verfügt über mehrere Spielstätten. Derzeit ist das Große Haus allerdings geschlossen - wegen Umbau, voraussichtlich bis Ende 2019. Als zusätzliche Ausweichspielstätten dienen das Theater im Stadthaus und der Meininger Hof.

Zum Sommertheater auf der Heidecksburg summt in diesem Jahr "Die Spanische Fliege", die musikalische Leitung bei diesem Schwank hat der Schlagzeuger, Keyboarder und Filmmusik-Komponist Andreas Dziuk aus Berlin. Die Premieren der nächsten Spielzeit 2018/19 locken unter anderem mit Helmut Dietls Leinwandkomödie "Schtonk", Kafkas "Prozess", Molières "Menschenfeind", Shakespeares "Sommernachtstraum" oder die Uraufführung von "Die Welt auf der Welle" - eine poetische Überfahrt und Liebeserklärung an das Meer.

Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt

Thüringer Symphoniker
Die Thüringer Symphoniker Bildrechte: Peter Scholz

Es ist eines der ältesten Orchester Deutschlands und wurde im 17. Jahrhundert zur Regierungszeit Graf Ludwig Günthers I. von Schwarzburg-Rudolstadt als Hofkapelle gegründet. Hofkomponisten und Dirigenten wie Philipp Heinrich Erlebach (1657-1714) und Traugott Maximilian Eberwein (1775-1831) standen am Pult dieses Klangkörpers. Heute ist das Orchester dem Theater zugeordnet, Chefdirigent ist seit 1997 Oliver Weder. Die Symphoniker wirken zudem seit 2008 am Rudolstadt-Festival mit.

Das Schillerhaus

Die erste Begegnung von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe fand am 7. September 1788 im Beulwitz'schen Haus statt - vor 230 Jahren. Goethe hatte zum Abendessen eingeladen und entzückte seine Gäste mit Berichten seiner gerade beendeten Italienreise. Doch Schiller zeigte sich ein wenig enttäuscht:

Unsere Bekanntschaft war bald gemacht und ohne den mindesten Zwang; freilich war die Gesellschaft zu groß und alles auf seinen Umgang zu eifersüchtig, als dass ich viel allein mit ihm hätte sein oder etwas anders als allgemeine Dinge mit ihm sprechen können.

Friedrich Schiller in einem Brief an Theodor Körner
Schillerhaus - Garten.
Der Garten des Schillerhauses in Rudolstadt Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Ab diesem Treffen gab es in Schillers Leben einen Aufbruch - schöpferisch, doch auch in Liebesdingen, denn auch die Schwestern Charlotte von Lengefeld und die drei Jahre ältere Caroline, verheiratete von Beulwitz, waren damals anwesend. Schiller verliebte sich gleich in beide Frauen, die "Ménage à trois" dauerte eine ganze Weile - bis er 1790 schließlich Charlotte heiratete.

Das Schillerhaus konzentriert sich in seiner Ausstellung genau auf diese Zeit des Schillerschen Aufbruchs und zeigt den Ort in authentischer Ausstattung. Ein Restaurant und ein Café laden zum Verweilen ein.

Informationen: Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Di - So, 10-18 Uhr
November bis März: Di-So, 10-17 Uhr
Tel.: 03672/486470

Öffnungszeiten Restaurant & Café:
Di - Sa, 14-23 Uhr und So, 14-18 Uhr

Volkskundemuseum "Thüringer Bauernhäuser" im Heinepark

Gegründet 1914/15 gelten die Thüringer Bauernhäuser als ältestes deutsches Freilichtmuseum. Die im Verfall begriffenen Fachwerkhäuser wurden damals aus den umliegenden Dörfern abgetragen und im Rudolstädter Heinrich-Heine-Park wieder aufgebaut.

Bauernhäuser
Thüringer Bauernhäuser im Heinepark Rudolstadt Bildrechte: IMAGO

Heute veranschaulicht die Hofanlage das bäuerliche Leben der Thüringischen Region im 17. und 18. Jahrhundert. So erzählen die Bemalungen und Beschriftungen auf Möbeln und Gegenständen von der Wertschätzung, welche die einstigen - armen - Besitzer ihnen entgegen brachten. Eindrucksvoll anzusehen ist eine alte Apotheke: Mörser und Arzneiflaschen weisen auf eine Besonderheit des Schwarzatales hin: den Olitätenhandel. Mit solchen Olitäten (Naturheilmittel) handelten die so genannten "Buckelapotheker". Im Museumsladen sind solche Olitäten heute wieder zu kaufen. Für das leibliche Wohl wird im Bauerngarten gesorgt, ein Ort, an dem im Sommer immer wieder Freiluft-Veranstaltungen stattfinden.

Informationen: Öffnungszeiten:
Täglich von 11-18 Uhr (Einlass bis 17:30 Uhr)
(April bis Oktober)
Eintrittspreis: 2,50 Euro, ermäßigt: 1,50 Euro
Erlebnisführung mit dem Buckelapotheker/Küchenführung: 7/6 Euro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Folk und Welt | 04. Juli 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 10:18 Uhr