Mitte Juli bis Mitte August | Weimar | Jüdische Kultur kennenlernen "Yiddish Summer Weimar"

Jiddischer Chor beim Yiddish Summer Weimar
Gemeinsames Chorsingen beim Yiddish Summer Weimar Bildrechte: Adam Berry

Was 1999 als Klezmer-Workshop im Programm der Europäischen Kulturstadt Weimar begann, entwickelte sich zum weltweit längsten und intensivsten Programm zur Erforschung, Verbreitung und kreativen Erneuerung der jiddischen Kultur. Seit 2015 gibt es auch in der Landeshauptstadt Erfurt Veranstaltungen des Yiddish Summer Weimar.

Workshops mit international renommierten Künstlern

Fünf Wochen lang dauert der Veranstaltungsmarathon. In den ersten vier Wochen haben Besucher die seltene Gelegenheit, bei Workshops von international renommierten Künstlern zu lernen. Das Spektrum reicht dabei von Klezmermusik und jiddischem Lied über Chormusik und klassische jüdische Musik bis hin zu Tanz und Tanzmusik. Angeboten werden Sprachkurse zum Jiddischlernen für Anfänger und Fortgeschrittene. In der fünften, der Festivalwoche, stehen Konzerte und andere Aufführungen im Mittelpunkt. Ein fröhlicher Ball bildet den Abschluss.

"Lebendige jüdische Kultur feiern!"

Gründer und künstlerischer Leiter des Yiddish Summer Weimar ist Alan Bern. Der gebürtige US-Amerikaner, der 1987 nach Berlin kam, ist Pianist, Akkordeonist, Komponist, Lehrer und Philosoph. Bekannt wurde er als Musiker und Bandleader von Brave Old World, The Other Europeans oder The Semer Ensemble. Bern leitete als Musikdirektor Theater- und Tanzproduktionen, unterrichtete bei Klezmer-Festivals in den USA, in Kanada, Russland, Polen und Deutschland. Jiddische Musik sieht er als Fenster in ein ganzes musikalisches Netzwerk. Nahöstliches, Deutsches, Russisches, Amerikanisches spiele darin eine Rolle. Zum Anliegen des Yiddish Summer Weimar sagt er:

Natürlich müssen wir an den Holocaust erinnern, das tun wir auch. Aber der Holocaust war nicht der Mittelpunkt von jüdischem Leben. Der Holocaust war der Mittelpunkt von jüdischem Sterben, vom Mord an Juden. Ich will lebendige jüdische Kultur feiern. Auch um zu zeigen, dass sie nicht exotisch, nicht abgeschottet und nicht mit Tabus belegt ist.

Alan Bern Thüringer Allgemeine Zeitung, 27.07.2018

Großes Besucherinteresse

Der Yiddish Summer Weimar spricht jedes Jahr Tausende Besucher an. Denn er versteht sich nicht als geschlossener Zirkel von Eingeweihten, sondern integriert Erfahrungen und Sichtweisen verschiedener Generationen und Lebenswelten. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ihr Gegenstand, die jiddische Kultur, infolge der Vertreibungs- und Auswanderungswellen eine transnationale Kultur darstellt.

Leitthema 2019: "The Weimar Republic of Yiddishland"

Jeder Jahrgang des Veranstaltungs-Marathons steht unter einem Leitthema. 2019 geht es um "The Weimar Republic of Yiddishland". Versprochen wird für die Festivalwoche vom 27. Juli bis 3. August Abend für Abend eine Weltpremiere. 2018 lautete das Motto "The other Israel". Vorgestellt wurde u. a. arabische und osmanische Musik aus Israel. Die gemeinsame Aktion von israelischen und palästinensischen Künstlern in Konzerten, Workshops und Jam Sessions entspricht dem Festivalkonzept, das großen Wert auf Begegnung und Dialog legt.

Kreativitätsförderung an der Other Music Academy

Die meisten Veranstaltungen finden in der Other Music Academy statt, einem soziokulturellen Zentrum, in dem auch der gemeinnützige Verein seinen Sitz hat, der den Yiddish Summer Weimar organisiert. Darüber hinaus arbeitet man dort das ganze Jahr über an Kulturprojekten, die durch gemeinsames experimentelles Lernen die Kreativität fördern.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Folk und Welt | mittwochs | 21:00 Uhr