Album "Nashville Tears" Rumer – die Britin entdeckt die musikalische Schönheit Nashvilles

Das neue Rumer-Album "Nashville Tears" ist eine Hommage an den amerikanischen Songwriter Hugh Prestwood, der in den 80ern und 90ern den Ruf eines Hitmachers hatte. Die britische Singer/Songwriterin Rumer lässt sich gern inspirieren, auch wenn sie selbst eine renommierte und gefeierte Künstlerin ist. Schon ihren Künstlernamen entlieh sie beispielsweise der britischen Autorin Rumer Godden. Mit ihrem neuen Album "Nashville Tears" verneigt sie sich vor Hugh Prestwood.

Eine Sängerin auf der Bühne.
Rumer hat sich vom Feeling der US-Musikmetropole Nashville inspirieren lassen Bildrechte: imago images / POP-EYE

Dass die britische Sängerin Rumer, die zuletzt mit ihrem Album "This Girl's in Love" die ausgefeilte Eleganz der Songs von Burt Bacharach feierte, nun mit ihrem neuen Album "Nashville Tears" in die Folklore des amerikanischen Südens vordringt, hat zum einen mit ihrer eigenen Geschichte zu tun, zum anderen mit Hugh Prestwood, dem aus El Paso in Texas stammenden New Yorker Songwriter.

Ich kannte ihn nicht, bis ich 'The Song Remembers When' von Trisha Yearwood entdeckte und einige andere Hits, die er für verschiedene Künstler geschrieben hat. Ich war wirklich überrascht, dass ich nie zuvor von Hugh Prestwood gehört hatte und dachte, dass ich unbedingt ein ganzes Album mit seinen Songs machen wollte.

Rumer

Der Hit-Versorger Hugh Prestwood

Prestwood hatte den Ruf eines "Go-To"-Composers, was so viel bedeutet wie: "Geh zu Hugh Prestwood wenn Du selbst keine Songs schreiben kannst, seine werden dich berühmt machen!" Der in El Paso geborene und aufgewachsene Komponist versorgte in den 80er- und 90er-Jahren von New York aus eine erlesene Sängerschaft mit literarisch gefühlvollen Texten und eingängigen Melodien, von denen es viele in die amerikanischen Charts schafften; "The Sound of Good Bye" mit Chrystal Gayle, "Dorothy" mit Judy Collins oder "Ghost in This House" mit Alison Krauss. 2006 wurde Hugh Prestwood in die Nashville Songwriters Hall of Fame aufgenommen.

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Das Cover des Albums "Nashville Tears" von Rumer Bildrechte: Cooking Vinyl

Britin in Nashville

Vor einigen Jahren wählte die britische Sängerin Rumer den amerikanischen Süden zur Heimat und es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann sie auch die Song- und Talentschmiede Nashville entdecken würde. Ihr neues Album "Nashville Tears" versammelt 15 Songs des Komponisten Prestwood, neben den berühmtesten auch solche, die noch nie veröffentlicht wurden.

Die Nashville-Komponisten und Hugh Prestwood fangen alle in ihrer Poesie das erdige und die Weite des Himmels ein. Das vereint sie und als ich den ganzen Katalog von Hugh Prestwood hörte, begriff ich, dass er einer der großen Meister war.

Rumer

Universelle Wahrheiten und eine Romantik, die der Schwere des Lebens einen bittersüßen Beigeschmack gibt, der verführerisch ist. In Songs wie "Bristlecone Pine" oder "Deep Summer in The Deep South" wird die tiefe Verbundenheit mit dieser geschichtsträchtigen Landschaft fühlbar. Rumer ist bei ihrer Songauswahl systematisch vorgegangen, hat den Prestwood-Katalog alphabetisch durchforscht.

Das war eine schöne Erfahrung, vor allem, weil ich zu dieser Zeit selbst im amerikanischen Süden und in Georgia gelebt und einen heißen Sommer dort verbracht habe. Ich habe es sehr genossen, herumzulaufen und zu fahren, während ich Hugh Prestwoods Katalog anhörte, um rauszufinden, was es in mir und meinem Herzen auslöste, wenn ich aus dem Fenster schaute und den Süden in mich aufnahm.

Nicht in Klischeefalle getappt

Die britische Singer-Songwriterin Rumer
Die britische Singer-Songwriterin Rumer Bildrechte: IMAGO

Die Klischeekiste des amerikanischen Country ist groß. Dass Rumer mit ihrem neuen Album "Nashville Tears" nicht in sie hineingefallen ist, liegt daran, dass sie kein pures Country-Album daraus gemacht hat. Zusammen mit dem Produzenten Fred Mollin und einem fast klassisch anmutenden Streicherensemble schuf Rumer ein emotionales Werk aus der stimmigen Verbindung von amerikanischer Tradition und modernem Songwriting.

Weil der Spirit eines Prestwood auch anderswo auf der Welt verstanden wird, ist die Musik nicht an musikalische Nashville-Klischees gebunden. Die britische Sängerin hat aus ihren Begegnungen mit dem Süden und der Poesie von Prestwood etwas Eigenes voller musikalischer Schönheit erschaffen und setzt damit Maßstäbe für viele ihrer Kolleginnen. Vielleicht heißt es ja in ein paar Jahren "Go To Rumer, die zeigt Euch, wie das geht."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. August 2020 | 07:10 Uhr