Debatte Neue Corona-Verordnung und 2G in Sachsen: So reagiert die Kulturszene

Die Infektionszahlen in Sachsen steigen rasant, die Bettenbelegung der Krankenhäuser übersteigt die Vorwarnstufe. Die Sächsische Landesregierung plant deshalb in der neuen Corona-Schutzverordnung eine 2G-Regelung für Gastronomie und Veranstaltungen in Innenräumen. Davon betroffen ist dann auch die Kulturszene. Wie reagieren die Kulturbetriebe darauf? MDR KULTUR hat nachgefragt.

Kilian Forster, Intendant der Jazztage Dresden und Musiker bei den Klazz Brothers
Für den Chef der Jazztage Dresden, Kilian Forster, ist das Festival durch 2G in Gefahr. Bildrechte: IMAGO / Andreas Weihs

Ab Montag, den 8. November, soll aufgrund steigender Infektionszahlen und der sich zuspitzenden Lage in den Krankenhäusern in Sachsen eine neue Corona-Schutzverordnung gelten. Die Details gab die Landesregierung am Dienstag in einer Pressekonferenz bekannt. In den Innenräumen von Gastronomie, bei Veranstaltungen und in Kulturbetrieben soll dann die 2G-Regelung greifen. Das bedeutet, dass nur noch Menschen zugelassen wären, die gegen das Coronavirus geimpft wurden oder eine Infektion überstanden haben. Ein Negativ-Test reicht damit nicht mehr aus.

Die meisten Kulturbetriebe in Sachsen warten nun die Corona-Schutzverordnung im Wortlaut ab, die am Freitag beschlossen werden soll. So äußerte sich beispielsweise die Semperoper Dresden auf Anfrage von MDR KULTUR: "Die Semperoper wird die am Freitag zu erwartenden Beschlüsse aus der Sondersitzung des Kabinetts entsprechend umsetzen. Die endgültige Regelung bleibt bis dahin abzuwarten."

Jazztage Dresden in Gefahr?

Kritik an der 2G-Regelung kam von den Jazztagen Dresden: "Das bedeutet das Aus", erklärte Intendant Kilian Forster im Interview mit MDR KULTUR. Der Festivalchef zeigte Verständnis für die schwierige Lage und die bisherigen Maßnahmen: "Von Vornherein haben wir gesagt, 3G (Geimpft, Genesen, Getestet - Anm. d. Red.) machen wir mit. Wir haben kostenlose Tests angeboten und alles entsprechend umgebaut. Wenn die Krankenhäuser belastet werden, muss etwas getan werden. Aber dass man auf 2G verpflichtend setzt, das hätte ich nie gedacht." In diesem Zusammenhang verwies Forster darauf, dass die Maßnahmen in der Debatte schon wieder abgeschwächt wurden und 2G für Geschäfte nicht mehr diskutiert werde.

Die Jazztage sehen in der neuen Regelung vor allem eine Diskrimierung: "Das Problem ist ein Inneres. Wir können es mit unserem Gewissen nicht mehr vereinbaren, dass wir hier anfangen zu diskriminieren und Leute ausschließen. Wir sind ein weltoffenes, vielfältiges und internationales Festival. Wir grenzen niemanden aus, erst recht nicht wegen irgendwelchen gesundheitlichen Aspekten", so Forster weiter. Dabei kritisierte der Festivalleiter auch, dass die Regierung Druck auf ungeimpfte Menschen aufbaue, statt eine Impfpflicht einzuführen und die Verantwortung dafür zu tragen. Sollte die 2G-Regel kommende Woche in Sachsen in Kraft treten, sieht Forster die Jazztage in Gefahr. Das Festival soll laut ursprünglichem Plan bis zum 21. November dauern.

2G wird teilweise schon umgesetzt

Das Kulturbündnis "Hand in Hand e.V.", das Chemnitzer Clubs und künstlerische Initiativen vertritt, begrüßt die neue Regelung, hält die Auflagen aber für schwer umsetzbar: "Wir machen seit längerem ausschließlich 2G und finden das auch gut. Aber Masken tragen und Abstand halten in Innenräumen? Das verstehe ich nicht", erklärt Vorsitzender Kai Winkler auf Anfrage von MDR KULTUR. Allerdings bemängelt er, dass die Regelung zu kurzfristig kommen würde.

Beim Staatsschauspiel Dresden sieht man die Pläne noch gelassen: "Die Entwicklung in Richtung 2G als Vorschrift für Veranstaltungen wird schon seit einiger Zeit diskutiert. Das Staatsschauspiel Dresden hat in seiner Planung für diese Variante daher bereits mitgedacht", teilte das Haus auf Nachfrage mit. Doch es blieben offene Fragen zur Umsetzung, "etwa, ob Schülerinnen und Schüler einen besonderen Status erhalten, damit wir auch weiterhin Gruppen den Besuch von Theatervorstellungen im Rahmen des Schulunterrichts ermöglichen können."

Blick in den Zuschauersaal des Staatsschauspiels Dresden
Ab Montag dürften nur noch Geimpfte und Genesene ins Dresdner Staatsschauspiel. Bildrechte: dpa

Live Initiative Sachsen sieht Pläne als Lockdown

Die Live Initiative Sachsen (Lisa) zeigt sich kritisch gegenüber den Plänen der Landesregierung. "Das Publikum ist in der Regel nicht bereit, unter diesen Bedingungen Konzert- oder Tanzveranstaltungen zu besuchen", schreibt sie in einem Statement. Dabei richtet sich die Kritik nicht gegen die 2G-Regel, sondern die Einschränkungen durch Maskenpflicht und Abstand, die trotzdem bestehen bleiben sollen.

"Die geplante Verschärfung hätte die kurzfristige Absage zahlloser arbeits- und kostenintensiv geplanter Veranstaltungen und ganz praktisch einen erneuten Lockdown dieser gebeutelten Kultursparte zur Folge", so die Lisa. Die Initiative plädiert für das Prinzip "Testen statt Maske" und fordert eine Rückkehr zu den kostenfreien Bürgertestungen.

Menschen stehen vor einem Club in einer Schlange. 8 min
Bildrechte: IMAGO / Christian Grube

Clubbetreiber galten zuletzt als große Anhänger der 2G Regel. Dennoch regt sich Protest. Steffen Kache von der Leipziger Distillery ist im Gespräch mit Ellen Schweda.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 05.11.2021 06:00Uhr 08:14 min

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Kritik an Kapazitätseinschränkungen

Franz Thiem, Betreiber der Kulturstätte "Institut für Zukunft (IfZ) in Leipzig hat sich mit einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten und das Sozialministerium gewandt. Auch für ihn sind die Maskenpflicht und die Einschränkung der Besucherkapazität die größten Kritikpunkte. Das bedeute die indirekte Verunmöglichung eines wirtschaftlich sinnvollen Betriebs, so Thiem. Umsatz mache er erst ab 200 Gästen, dürfte zukünftig aber wohl nur noch 150 Gäste einlassen.

"Wir unterstützen ausdrücklich die 2G-Regel und hätten diese freiwillig angewendet, als diese noch optional war, weil sie die einzige valide Option ist", schreibt Thiem. Er fordert, dass wie bislang beim 2G-Optionsmodell die Einschränkungen der Besucherkapazität, die Masken- und Abstandspflicht auch weiterhin bei der 2G-Regel entfallen. Außerdem will er eine Testpflicht für Geimpfte und Genesene bei Veranstaltungen, sowie kostenfreie Tests für alle.

Neue Verordnung tritt Montag in Kraft

Die neue Corona-Schutzverordnung des Landes soll am Freitag beschlossen werden und würde am Montag in Kraft treten. Am Wochenende werden die Veranstaltungen noch unter den bekannten Bedingungen stattfinden. Auch bei den Jazztagen sind noch Konzerte geplant.

Kultur und Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. November 2021 | 17:10 Uhr