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CoronaÖffnungsperspektiven und Impfpflicht: Sachsens Kulturministerin Klepsch im Gespräch

von Stefan Petraschewsky, MDR Kultur-Theaterredakteur

Stand: 16. Dezember 2021, 04:00 Uhr

Seit knapp einem Monat sind aufgrund der Corona-Lage in Sachsen weite Teile des öffentlichen Lebens eingeschränkt; die Kultur ist heruntergefahren. Kulturministern Barbara Klepsch sagte, um die Lage in den Griff zu bekommen, sei Impfen das Gebot der Stunde. Im Interview mit MDR KLASSIK Opernredakteurin Bettina Volksdorf und MDR KULTUR Theaterredakteur Stefan Petraschewsky hat die Ministerin über eine Impflicht für alle, die zunehmenden Corona-Proteste und dringend benötigte Öffnungsperspektiven gesprochen.

Angesprochen auf die sehr unterschiedliche Impfquote in sächsischen Orchestern, die in der letzten Woche Fahrt aufgenommen hatte, sagt die sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch: "Mein Impfaufruf geht natürlich auch in die Belegschaft unserer eigenen Einrichtungen. Und da bin ich optimistisch, dass es bei dem einen oder anderen zu einem Umdenken kommt."

Ob sie es denn bei Appellen an die Dresdner Staatskapelle belassen wolle? Peter Theiler, der Intendant der Semperoper, habe sich im Interview mit dem MDR dafür ausgesprochen, eine Impfpflicht auch für Beschäftigte an den Theatern einzuführen. Ministerin Klepsch weist in ihrer Antwort auf die Entscheidung hin, dass seit kurzem eine Impfpflicht bei Pflege- und medizinischem Personal bestehe. "Heute im Kabinett haben uns die Wissenschaftler ganz klar gesagt, sie halten leider eine Impfpflicht für unumgänglich und das unabhängig von Berufsgruppen. Wenn es uns nicht gelingt, dass sich die Menschen freiwillig impfen lassen, werde man, um wieder in eine Normalität zu kommen, das Thema Impfpflicht für alle ansehen müssen. Also nicht nur für die medizinischen Kräfte und Pflegekräfte oder nur einen Teil der Berufsgruppen, sondern es wird eine Impfpflicht für alle sein." Also auch für die Theaterbeschäftigten.

Gesamtbetrachtung ist entscheidend

Überhaupt sei Impfen das Gebot der Stunde, um die Überlastung der Krankenhäuser in den Griff zu bekommen, so Klepsch. Entscheidend sei nach wie vor eine Kontaktreduzierung um 60 Prozent, die Wissenschaftler der Staatsregierung empfohlen hätte. "Ich weiß, dass unsere Theater gute Hygienekonzepte haben. Ich sage auch: Im Museum ist die Infektion gegen Null." Trotzdem sei hier die Gesamtbetrachtung entscheidend. Also die Fragen, wie das Publikum ins Museum oder in das Theater kommen würde. Hier spiele der ÖPNV ein Rolle, wo Kontakte stattfinden.

Öffnungsperspektiven dringend gebraucht

Gefragt nach denkbaren Öffnungsszenarien, ob, zugespitzt, weniger Krankenflugzeuge am Himmel über Sachsen hier den Ausschlag geben würden, sagt Ministerin Klepsch, genau darüber habe man gerade diskutiert. "Was wir in den nächsten Tagen machen müssen, sind genau diese Szenarien zu diskutieren, wann was geöffnet werden kann." Es geht um eine Evaluierung. "Wir brauchen alle wieder diese Perspektive." Man dürfe aber auch die Omikron-Variante nicht ausblenden. "Für uns ist es wichtig, diese Öffnungsperspektiven jetzt zu besprechen, weil alle, Theater, Museen, Hotels, Gastronomen, Skiliftbetreiber – alle brauchen diese Öffnungsperspektiven."

Unterstützung für Bürgerinitiativen gegen "Corona-Spaziergänger"

Ein Thema waren auch die sogenannten "Corona-Spaziergänge" in Freiberg, Plauen, Chemnitz, Zittau und Bautzen. Dagegen positionieren sich zunehmend Initiativen der Bürger. Sie sammeln Unterschriften und fordern von der Politik, diese "Spaziergänge", die gegen die Corona-Notfall-Verordnung verstoßen, nicht mehr zuzulassen. Die Polizei solle das verhindern und keine Ausnahmegenehmigungen erteilen, wie in Bautzen geschehen.

In Bautzen heißt diese Initiative "Bautzen gemeinsam". Innerhalb von drei Tagen wurden knapp 10.000 Unterschriften gesammelt. Ein großer Erfolg. In Freiberg heißt die Initiative "Freiberg für alle". Mitinitiator ist Helmuth Albrecht, Professor für Technikgeschichte und Industriearchäologie an der TU Freiberg. Er gilt als "Vater" der UNESCO-Bewerbung für das Welterbe Erzgebirge. Albrecht sagt im Interview mit MDR KULTUR: "Welterbe – so ein Titel steht für kulturellen Austausch, für Dialog und für Toleranz. Insofern glaube ich schon, dass es schwierig wird, wenn Demonstrationen in dieser Form weitergehen und Freiberg zu so einer Art Sammelbecken für die Corona-Leugner in ganz Deutschland wird. Das würde schon einen Image-Schaden bedeuten."

"Müssen Leute wachrütteln"

Die Sorge eines Image-Schadens teilt Ministerin Klepsch zu "100 Prozent". Das sei schädlich für das Tourismusland Sachsen. Es gehe ihr darum, die Leute im Erzgebirge wachzurütteln. "Deswegen bin ich froh und dankbar und auch glücklich, dass es jetzt endlich auch Stimmen gibt, die was dagegen setzen. Und diesen Stimmen müssen wir jetzt unsere Unterstützung geben", so Klepsch. Ideen sind also gefragt. Eine Vernetzung der Initiativen wäre ein erster Schritt, den das Kultur- und Tourismusministerium unterstützen könnte. Denn auch das ist eine so dringend benötigte Perspektive.

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Dieses Thema im Programm:MDR KLASSIK | 16. Dezember 2021 | 09:35 Uhr