Bericht zum Kulturraumgesetz Sächsischer Kultursenat sieht Kulturszene existenziell bedroht

Der Sächsische Kultursenat übergibt den ersten Bericht zum Kulturraumgesetz an Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler
Vertreter und Vertreterinnen des Sächsischen Kultursenat bei der Übergabe des Berichts zum Kulturraumgesetz an Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler. Bildrechte: Christian Schulze

Die harten Corona-Eindämmungsmaßnahmen stürzen die Kulturszene aus Sicht des Sächsischen Kultursenats in eine existenzielle Krise. Am Dienstag hat die Präsidentin des Kultursenats, Friederike Koch-Heinrichs, einen entsprechenden Bericht an den Landtag in Dresden übergeben. In dem Bericht wird das sächsische Kulturraumgesetz, das 1994 eingeführt wurde, evaluiert und Lösungsansätze sowie klare Zukunftsperspektiven zur Förderung regionaler Kunst und Kultur in Sachsen formuliert.

Der Bericht des Sächsischen Kultursenats untersucht die Finanzierung der kulturellen Infrastruktur in ländlichen Gebieten, die tarifgerechte Bezahlung im Bereich Kunst und Kultur und die Dynamisierung der Kulturraummittel. In diesen Bereichen habe man ungelöste strukturelle Probleme festgestellt, die die Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Kultur gefährden, so Koch-Heinrichs. Die Corona-Pandemie habe kulturelle Strukturen besonders in strukturschwachen Regionen irreparabel geschädigt. Außerdem sei das Kulturraumgesetz nicht an den aktuellen Förderbedarf angepasst, erklärte die Senatspräsidentin im Gespräch bei MDR KULTUR.

Friederike Koch-Heinrichs
Friederike Koch-Heinrich, Präsidentin des Kultursenats. Bildrechte: Oliver Killig

Durch das Kulturraumgesetz haben wir, gerade was größere Kultureinrichtungen, größere Museen, soziokulturelle Zentren angeht, eine sehr gute, dichte Kulturlandschaft. Allerdings stoßen die ländlichen Regionen Sachsens deutlich an ihre Grenzen, was die Finanzierung gerade so großer Strukturen angeht.

Friederike Koch-Heinrichs

Auf der einen Seite habe die Kultur insgesamt in der Corona-Pandemie zu spüren bekommen, dass sie abschaltbar sei. Andererseits würden auch bestehende Trägerstrukturen gefährdet, die über Jahre aufgebaut wurden. Obwohl Preise und Tarife regelmäßig steigen, sei die Gegenfinanzierung durch das Land im Gesetz bisher noch nicht geregelt, erklärt Koch-Heinrichs. Der Kultursenat sei besorgt, dass kreative Menschen aus diesem Grund Sachsen wieder verlassen könnten. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung des Freistaates Sachsen, der sächsischen Landkreise und Kommunen sowie unter Mitwirkung der Kulturverbände könne das verhindert werden.

Ehrenamtliches Gremium aus Kulturschaffenden

Der Sächsische Kultursenat ist ein ehrenamtlich arbeitendes Gremium, dessen 24 Mitglieder vom Ministerpräsidenten berufen werden. Die Aufgabe des Kultursenats ist es, die Förderpolitik des Landes und der Kommunen für Kunst und Kultur beratend zu begleiten und Empfehlungen für inhaltliche und regionale Schwerpunktsetzungen auszusprechen. Seit der Gründung des Kultursenats 1993 hat das Gremium nun zum ersten Mal einen Bericht vorgelegt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 15. Dezember 2021 | 08:30 Uhr