In Leipzig und Dresden Dota Kehr bei Picknick-Konzerten: "Mir fehlt das Mitsingen"

Erst im Frühjahr hat die Band Dota ihr neues Album "Kaléko" veröffentlicht, auf dem die Liedermacherin Dota Kehr keine eigenen Texte interpretiert, sondern Gedichte vom Mascha Kaléko. Dafür haben die Berliner viel positive Kritik und Aufmerksamkeit erfahren. Die Corona-Epidemie brachte die herbstlichen Tourpläne durcheinander. Im Interview mit MDR KULTUR erzählt Dota Kehr, was ihr bei den Picknick-Konzerten in Leipzig und Dresden fehlen wird und warum sie sich dennoch auf die Auftritte freut.

Dota beim Picknick-Konzert
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MDR KULTUR: Dota Kehr, Sie haben die ersten Konzerte schon gespielt. Wie war es für Sie?

Dota Kehr: Das ist ganz wunderbar! An meinem Beruf mag ich vor allem die Konzerte und das hat mir in den letzten Monate schrecklich gefehlt

Wie anders ist es, wenn das Publikum die Musik so diszipliniert wie bei einem Chorkonzert zur Kenntnis nimmt?

Was mir sehr fehlt, ist das Mitsingen. Man kriegt gesagt, dass man von der Bühne aus nicht zum Mitsingen auffordern soll. Genauso schade finde ich, dass die Leute nicht tanzen können. Aber es sind Zuhörer da: Man sieht in leuchtende Augen und das ist alles, was ich mir gewünscht habe in den letzten Monaten. Bei dem aktuellen Programm zu dem Album "Kaléko" ist es auch in Ordnung, dass die Leute sitzen, denn da sind auch einige Rührstücke dabei.

Dota Kehr: Mascha Kaleko
Das Cover zum Album "Kaléko" Bildrechte: Kleingeldprinzessin Records

Da ist ja vieles, was wirklich zum Zuhören, zum Träumen und Mitdenken anregt. Bei Ihren Konzerten geht es doch sowieso nicht um Stage Diving und diesem "Ich will eure Hände sehen".

Das nicht, aber normalerweise wird schon auch getanzt bei den Konzerten. Zu diesem Programm mit Liedern aus "Kaléko" allerdings nicht unbedingt.

Wie existenziell bedrohlich ist die aktuell immer noch herrschende Pandemie denn für Ihren Beruf?

Das Frühjahr konnten wir gut überstehen, weil die Platte zum Glück sehr gut angekommen ist und sich auch ohne Konzerte gut verkauft hat. Wir sind sehr dankbar für alle, die physische Tonträger kaufen und dadurch solche Albumproduktionen möglich machen. Wir hatten ohnehin geplant, erst im August wieder zu touren und inzwischen finden glücklicherweise wieder einige Konzerte statt. Aber wenn es im Herbst so weitergeht, dass wir keine Konzerte spielen können, dann wird es allmählich eng.

Während der Quarantäne konnte man oft lesen, wie entschleunigt alles sei, man könne die Vögel wieder hören und es gäbe mehr Konzentration auf das, was wirklich wichtig ist. Haben Sie auch so etwas wie einen Corona-Kreativitätsschub erlebt?

Diese Ausnahmesituation war ein bemerkenswerter Einschnitt. Es gab Szenen zu beobachten in der Stadt, die man sonst nicht sieht. Das ist natürlich viel Stoff für Beschäftigung mit der Gegenwart. Gleichzeitig habe ich große Schwierigkeiten, neue Stücke zu schreiben, weil die gefühlte Zuhörerschaft nicht da war. Ich wusste, dass auf unbestimmte Zeit keine Konzerte veranstaltet werden und dadurch ist es mir schwer gefallen, an neuen Liedern zu arbeiten. Gitarre üben war möglich und ich habe dann eher Gedichte geschrieben.

Kommt in einer Zeile oder einem Vers das Wort 'Corona' vor?

Nein, generell nichts, das direkt darauf Bezug nimmt. Aber dem Entschleunigungsnarrativ würde ich mich schon anschließen. Dadurch dass alle momentan nicht verreisen konnten und die Leute so viel vor Ort waren, hat eine ganz andere Verlässlichkeit gehabt und es gab nicht diese Fluktuation. Zum Beispiel ist Berlin, wo ich wohne, sehr touristisch geprägt, was ein bisschen nervt, und plötzlich waren alle Leute, die hier waren, dauerhaft Teil des Ortes. Das war eigentlich sehr schön.

Nun kann man wieder rausgehen, zum Beispiel zu einem Ihrer Picknick-Konzerte. Auf der Website entschuldigen Sie sich allerdings für die Preise.

Ja, das ist wirklich dieser Corona-Krise geschuldet. Wir geben uns immer Mühe, dass die Preise möglichst niedrig bleiben und diskutieren da auch viel mit den Veranstaltern. In dieser Corona-Zeit ist es so, dass die Veranstalter bestimmte Fixkosten haben, die dann jeweils dem Orten und den Mengen an benötigten Personal geschuldet sind. Durch die Abstandsregeln sind dann aber weniger Zuschauer möglich und deswegen muss jeder seinen Teil mitbringen. Mir wäre das anders lieber gewesen, aber ich hoffe, dass die Leute dafür Verständnis haben.

Wie viele Sätze fangen nicht, mit „mir wäre das alles anders lieber gewesen“ an? Bei den Konzerten ist Tanzen verboten. Gibt es dann auch ein Tempolimit und schneller dürfen die Songs nicht sein?

Nein, gar nicht! Wir dürfen auf der Bühne zum Glück machen, was wir wollen. Wir dürfen nur nicht zum Mitsingen auffordern. Aber ich glaube, dass das ein Konzertprogramm ist, was man auf der Picknickdecke ganz gut genießen kann.

Die Picknick-Konzerte von Dota Dresden: Rinne im Ostra-Gehege
am 7. August, um 20 Uhr

Leipzig: AGRA Messepark
am 8. August, um 20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. August 2020 | 16:10 Uhr