Auszeichnung So wichtig sind Ehrenamtliche für Sachsens Museen

Am Montag sind in Sachsen 25 Menschen für ihr ehrenamtliches Engagement in Museen von Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch ausgezeichnet worden. Die Vorsitzende des sächsischen Museumsbundes, Sabine Wolfram, betonte, dass viele Museen nur durch diese Arbeit bestehen könnten. Eine der Ausgezeichneten ist Steffi Saupe, deren Ehrenamt eng mit ihrer eigenen Lebensgeschichte verbunden ist. Wir stellen die zweite Vorsitzende des Wermsdorfer Vereins Rosengarten und ihre Arbeit vor.

Schloss Hubertusburg
Schloss Hubertusburg in Wermsdorf Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit 2007 engagiert sich Steffi Saupe im Verein Rosengarten in Leipzig. Dieser kümmert sich um das Erbe des sogenannten "pathologischen Erfinders" Karl Hans Janke. Dem 1909 geborenen Janke wurde im Jahr 1950 eine Schizophrenie diagnostiziert. Daraufhin wurde er in die Psychiatrie im Schloss Hubertusburg eingewiesen. Bis zu seinem Tod 1988 erstellte er dort über 4.000 Werke und Skizzen – etwa zu Flugmobilen, Kernenergie oder futuristischen Raumschiffen. "Der Herr Janke hat sehr viel Papier erstellt, sehr viel gezeichnet, sehr viel geschrieben – irgendwann ist das mal auf den Boden in der Hubertusburg gekommen und keiner hat sich mehr dafür interessiert", sagt Steffi Saupe.

Das verkannte Genie Karl Hans Janke

Erst im Jahr 2000 entdeckt der damalige Chefarzt der Psychiatrie, Peter Grampp, die Kisten auf dem Dachboden des Schlosses. In der MDR-Dokumentation "Der Fall Janke" aus dem Jahr 2007 beschreibt Grampp, dass Karl Hans Janke ein verkanntes Genie war: "Diagnosen machen keine Menschen. Das heißt, man kann eine Erkrankung haben oder auch nicht, es ändert nichts an dem Tatbestand, dass er ein Mensch war über sein gesamtes Leben hinweg. Und einem Menschen gehört Würde und insofern ist Janke ein Mahner. Der kann uns viel mehr geben, als uns manchmal bewusst ist", erläutert Peter Grampp.

Luftaufnahme Ansicht Leipzig Nordsachsen Schloss Hubertusburg in Wermsdorf
Luftansicht auf das Gelände der Hubertusburg Bildrechte: IMAGO

Denn Karl Hans Janke lebte fast vierzig Jahre in der Psychiatrie bis zu seinem Tod 1988. Erst zwölf Jahre später wurde man auf sein großes technisches und erfinderisches Wissen aufmerksam. Der Verein Rosengarten kümmert sich darum, dass das Wirken von Karl Hans Janke nicht in Vergessenheit gerät. Eine Ausstellung im Schloss Hubertusburg ist seinem Leben gewidmet.

Ehrenamt und Lebensgeschichte

Dass Steffi Saupe nun für ihre Arbeit als zweite Vorsitzende des Vereins ausgezeichnet wird, nimmt sie bescheiden zur Kenntnis: "Es gibt viele, die es verdienen", sagt sie im Gespräch mit MDR KULTUR. Für Steffi Saupe ist die ehrenamtliche Tätigkeit auch ein Weg gewesen, zurück in ihr Leben zu finden. Denn im Jahr 1998 wurde auch bei ihr Schizophrenie diagnostiziert. Nach einigen schwierigen Jahren hat sie mittlerweile einen Umgang mit der Krankheit gefunden.

Durch die Zeit im Schloss Hubertusburg ist sie dann auch auf die Lebensgeschichte von Karl Hans Janke aufmerksam geworden. "Es ist für uns – für uns ganz besonders als Betreuer – eine riesengroße Bereicherung, dass es ihn gab, dass er so wunderbare Sachen gemacht hat und dass wir eben auch erfüllt tätig werden können", sagt sie über ihre und die Arbeit der anderen Ehrenamtlichen im Verein. Denn darum geht es am Ende auch bei Steffi Saupe: Sich zu engagieren, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben und wieder aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Weitere ehrenamtliche Mitarbeiter ausgezeichnet

Die Ehrung der 25 ehrenamtlichen Museumsmitarbeiter fand am Montag in Dresden durch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch und der Vorsitzenden des Sächsischen Museumsbundes, Sabine Wolfram, statt. Wolfram, die auch Direktorin des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz ist, sagte MDR KULTUR, dass die Ehrenamtlichen besonders bei kleinen Museen häufig das Herzstück des Hauses seien. "Ohne das Ehrenamt könnten die Museen gar nicht bestehen. Nicht nur, was die finanzielle Ausstattung anbelangt, sondern auch die personellen Kapazitäten. Die Öffnungszeiten zu garantieren. Aber die Arbeit der Ehrenamtlichen geht ja weiter darüber hinaus", so Wolfram weiter. Nach Schätzungen sind derzeit über 5.000 Ehrenamtliche in den mehr als 400 sächsischen Museen tätig.

Gruppenbild der Ausgezeichneten
Barbara Klepsch zeichnete 25 Ehrenamtliche in Sachsen aus Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Ehrenamtlichen wurden ausgezeichnet

  • Klaus Schönfuß, Museum Schloss Klippenstein, Radeberg
  • Bernd Franke, Technisches Museum der Bandweberei, Großröhrsdorf
  • Renate Wendt, Deutsches SPIELEmuseum, Chemnitz
  • Wolfgang Fasold, Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik e. V./ Fernmeldemuseum Dresden
  • Dr. Herbert Wagner, Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden
  • Matthias Preiß, Besucherbergwerk »Markus-Röhling-Stolln« Frohnau, Annaberg-Buchholz
  • Klaus Grötzschel, Preßnitztalmuseum Niederschmiedeberg
  • Gert Wagner, Deutsches Damast- & Frottiermuseum Großschönau
  • Hans Schaefer, Glasmuseum Weißwasser
  • Fritz Woitow, Museum Sagar
  • Annemarie Engelmann, Museum der Stadt Borna
  • Gerald Riedel, Bergbau-Technik-Park, Großpösna
  • Dietmar Schäfer, Museum Stadt Groitzsch
  • Dr. Hans-Otto Kluge, GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Leipzig
  • Ludwig Devrient, Museum für Druckkunst Leipzig
  • Lutz Bernhardt, Stadtmuseum Riesa mit Benno-Werth-Sammlung
  • Heiner Stephan, Kloster Buch, Leisnig
  • Steffi Saupe, Ausstellung »Karl Hans Janke«, Schloss Hubertusburg, Wermsdorf
  • Thomas Heller, Schildbürger- und Gneisenaumuseum, Schildau
  • Matthias Schlönvogt, Heimatmuseum der Stadt Wilsdruff
  • Dr. Ingrid Fuchs, Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen
  • Ludwig Müller, Schaustickerei Plauener Spitze
  • Heidi Petzoldt, Stadtmuseum Lengenfeld/ Vogtland
  • Peter Klebert, Schloss Leubnitz
  • Karl Weiß, Schloss Wildenfels

Museen in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. September 2020 | 07:40 Uhr