Übereinandergelegte Hände
Die "Erklärung der Vielen" appeliert an die Zusammengehörigkeit Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Initiative "Sächsische Erklärung der Vielen" setzt Zeichen der Solidarität

93 sächsische Wissenschafts- und Kultureinrichtungen haben sich zu gesellschaftlichen und demokratischen Werten bekannt. Sie sehen ihre Freiheit durch antidemokratische Kräfte bedroht.

Übereinandergelegte Hände
Die "Erklärung der Vielen" appeliert an die Zusammengehörigkeit Bildrechte: imago/CHROMORANGE

In Sachsen haben sich fast 100 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in der "Sächsischen Erklärung der Vielen" zu gesellschaftlicher Vielfalt, Weltoffenheit und gelebter Demokratie bekannt. Die Vertreter von 93 Einrichtungen betonten bei der Vorstellung der Erklärung am Freitag in Chemnitz ihre Solidarität mit Menschen, die durch Ideologie oder Politik ausgegrenzt und an den gesellschaftlichen Rand gedrängt würden. Kunstschaffende und Wissenschaftler teilten in der Erklärung mit, dass sie die im Grundgesetz verankerte Freiheit von Wissenschaft, Kunst und Kultur durch antidemokratische Kräfte bedroht sähen.

Für uns ist die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft ein wesentlicher Bestandteil einer offenen, demokratischen und vielfältigen Gesellschaft, der wir uns auf dem Boden des Grundgesetzes und der Errungenschaften der Friedlichen Revolution verpflichtet fühlen.

Aus der sächsischen Erklärung der Vielen

Die Unterzeichner erinnern daran, dass Sachsen unter dem Motto "Wir sind das Volk" einer der maßgeblichen Schauplätze der Friedlichen Revolution 1989 gewesen sei. Dieses Motto würde heute durch Rechtspopulisten missbraucht, sie instrumentalisierten die Werte Freiheit, Toleranz und Solidarität für ihre Zwecke, so die Initiative.

Mehrere hundert DDR-Bürger demonstrieren am Abend des 04.09.1989 (Montag) in der Innenstadt von Leipzig für Reisefreiheit und Reformen. Einige Demonstranten tragen ein Transparent mit der Aufschrift «Für ein offenes Land mit freien Menschen»
Im Herbst 1989 gingen Menschen mit dem Motto "Wir sind das Volk" für Freiheit und Demokratie auf die Straßen Bildrechte: dpa

Drohungen und durchgeschnittene Bremsschläuche

Josepha Maschke vom Theater der Jungen Welt in Leipzig gehört zu den Erstunterzeichnern der "Sächsischen Erklärung der Vielen". Im Gespräch mit MDR KULTUR erklärte sie, dass vor allem der ländliche Raum mit einbezogen werden sollte. Ziel ist die Vernetzung und der Solidaritätsgedanke, so Maschke.

Maschke beobachtet eine Erschwerung der Arbeit von Initiativen. Gerade von rechtspopulistischer Seite gäbe es dabei zwei Strategien. So werden gehäufte Anfragen z.B. an das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst oder Vereine gestellt, in denen beispielsweise Projektförderungen begründet werden sollen. Für Maschke stellt dies einen Versuch der Delegitimierung derer Arbeit dar. Zudem gibt es laut Maschke direkte Bedrohungen und Störungen, gerade im ländlichen Raum: Bei einem Verein um Leipzig wurden demnach Bremsschläuche durchgeschnitten und Drohungen ausgesprochen. Die Erklärung habe sowohl einen symbolischen Wert als solidarischer Akt, führe aber auch zu konkreten Netzwerken und Aktionen, meinte Maschke.

Es ist ein Netzwerk entstanden, darüber werden wir weiter auch Ideen und Aktionen austauschen.

Josepha Maschke, Theater der Jungen Welt aus Leipzig

Stimmen für Demokratie und Menschenrechte

Die "Erklärung der Vielen" ist eine seit dem 9. November 2018 laufende bundesweite Kampagne, in der sich mehr als 2.500 Institutionen in 21 Erklärungen zu Freiheit, Demokratie und Verteidigung der Menschenrechte bekennen. Es gibt Erklärungen z.B. aus Halle, Hamburg, Berlin, Rostock oder Dresden, die in ähnlichem Wortlaut verfasst sind und auch verschiedene Selbstverpflichtungen der Unterzeichner beinhalten. Kerngedanke der Aktion ist die regionale Vielfalt, weswegen es auch nicht nur eine bundesweite Erklärung gibt sondern viele einzelne aus den unterschiedlichen Gebieten des Landes.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. April 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 20:52 Uhr

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