Ausstellung im Steinsalzbergwerk Künstlerinnen lassen sich vom Salzbergbau in Bernburg inspirieren

Seit 30 Jahren vergibt das Salzbergwerk in Bernburg Künstlerstipendien. Die Arbeiten der diesjährigen Stipendiatinnen Yvette Kießling und Teresa Szepes, die sich vom Salzbergbau haben inpirieren lassen, werden für ein Jahr in einer Ausstellung zu sehen sein - und können nach dem Lockdown auch öffentlich besichtigt werden.

Teresa Szepes, Bagger mit Salz, Zeichnung (Pittkreide),  30 x 21 cm, 2020.
Bildrechte: Teresa Szepes

Die kristallinen Strukturen des Salzes, sie treten in der figürlichen, leicht abstrahierten Malerei von Yvette Kießling zu Tage. Die Leipziger Künstlerin, Meisterschülerin von Arno Rink, hat sich in ihrer Malerei auf Blumen und Pflanzen - exotisch und geheimnisumwoben - spezialisiert; sie tauchen auch in ihren Arbeiten zum Bernburger "Salzstipendium" auf.

Yvette Kießling, „Durch Salz 4“, 2020, mehrfarbige tuschelithografie, Unikatdruck, 62x 45 cm
Yvette Kießling, „Durch Salz 4“, mehrfarbige tuschelithografie, Unikatdruck, 62x 45 cm, 2020. Bildrechte: Yvette Kießling

Teils in unikaten mehrfarbigen Drucken, in schrillen Farben und Kontrasten, zudem stark übermalt, sucht Yvette Kießling das Abgründige in der Salz-und Pflanzenwelt. "Fotografiert durch ein Salzkristall. Mit diesem ersten Bild bin ich dann umgegangen, also man sieht schon, dass ich da sehr viel reingezeichnet habe, dass von der Fotografie fast nichts übrig geblieben ist." So beschreibt die Künstlerin eine ihrer Arbeiten.

Zudem verbindet sie die Welt der Pflanzen mit der lebensfeindlichen des Salzstollens: "Dieser Druck ist jetzt angeregt durch sogenannte Kavernen, die es unterirdisch gibt, eine Art Luftschacht nach oben. Und die Salze, die in dem Raum waren, waren so chemisch eingefärbt: gelb, grün, ein schwefelartiger Ton. Das fand ich sehr einprägsam und deswegen habe ich jetzt in der Grafik den Versuch gemacht, diese giftige, unnatürlich, diese Art von Farbigkeit oder in dem Falle dieses Raumerleben in die Landschaft zu transportieren", so die Künstlerin.

30 Jahre "Salzstipendium" in Bernburg

Blick in ein Salzbergwerk in Bernburg
Blick in das Salzbergwerk in Bernburg. Bildrechte: MDR/Lea Jürgens

Seit 30 Jahren nun schon lobt das Salzwerk in Bernburg, laut Eigenwerbung "der größte Salzanbieter Europas", sein "Salzstipendium" aus. In der DDR war das Werk Teil des VEB Kali- und Steinsalzbetrieb Saale, nach 1989 trug man etliche Namen, darunter auch 18 Jahre lang "Esco", bis es in diesem Jahr zur Umbenennung in "K+S" kam. 1990 ließ sich der damalige Direktor Adolf Hiltscher überzeugen, ein Kunststipendium über 1.250 Euro auszuloben, zu dem auch eine Ausstellung im Werk gehört, zuzüglich einer Leihgebühr über die ausgestellten Bilder, plus dem Ankauf eines Kunstwerks, bei Bedarf auch weiterer. Als Überzeugungstäter agierte damals Hartmut Schultz, in Bernburg bekannt als Mann, dessen Herz für die Kunst schlägt. Selbst bis heute als Maler aktiv, begründete Schultz nach 1989 unter anderem den "1. Kunstkreis Bernburg" und überzeugte nicht nur die Leitung des Salzwerkes vom "Salzstipendium", sondern auch jene der ansässigen Sparkasse vom "Kügelgen"-Kunst-Stipendium.

Es ist auch wichtig, dass man das durchhält, denn welche Betriebe machen das schon. Das ist sehr schwierig, dass Betriebe sagen, wir geben Geld aus für die bildende Kunst. Und da läuft das hervorragend gerade.

Hartmut Schultz, Künstler

Eigene Kunstsammlung

So hat Schultz das Salzwerk in Bernburg dazu bewegen können, sich eine Kunstsammlung zuzulegen. Bekannte Namen sind darunter wie Uwe Pfeifer und Franca Bartholomäi, viele Künstlerinnen und Künstler aus Sachsen-Anhalt. Grafik und Malerei, die überall im Bürogebäude hängt. Aber auch Glasfenster im Foyer des Haupthauses gestaltete die Künstlerin Gisela Krell. Eine gewaltige Bildsäule aus Salz gibt mittlerweile am Haupteingang den Auftakt und von dem in Halle studierten Bildhauer Gert Büttner steht eine halbe Tonne schwere Skulptur aus Steinsalz im Technikgebäude. Sie interpretiert das schwere Gerät, das im Salzbergbau zum Einsatz kommt.

Teresa Szepes zeigt Eigenleben der Maschinen

Teresa Szepes, Bagger mit Salz, Zeichnung (Pittkreide),  30 x 21 cm, 2020.
Teresa Szepes, Bagger mit Salz, Zeichnung (Pittkreide), 30 x 21 cm, 2020. Bildrechte: Teresa Szepes

Neben Salzstrukturen begegnen den Betrachtern von Teresa Szepes‘ Hochdrucken auch Maschinen. Sie ist ebenfalls Salz-Stipendiatin des Jahres 2020, lebt und arbeitet auch in Leipzig. Neben Kunst, deren Fertigkeiten sie unter anderem durch ein Studium in Budapest erwarb, ist Szepes auf außerschulische Kunstpädagogik spezialisiert.

Mit leuchtenden Farbkontrasten, etwa in pink und nachtblau, agiert Szepes in ihren zweifarbigen Drucken, die das Eigenleben der Maschinen in ungewöhnlichen Perspektiven wiedergeben. "Die Gerätschaften, die sind wirklich riesig. Man kann sich da in eine Baggerschaufel hineinstellen, mehrere Personen, so dass es für mich wahrscheinlich auch eine Wahrscheinlichkeit war. Und es hat auch ganz kompositorische Hintergründe, so eine ganz konstruktive Gerätschaft in einem abstrakten Gebilde dieser Salzumgebung", so Szepes über die Faszination der Maschinen.

Teresa Szepes, Durchfahrt, Hochdruck, 2-farbig,  31,5 x 22,5 cm, 2020.
Teresa Szepes, Durchfahrt, Hochdruck, 2-farbig, 31,5 x 22,5 cm, 2020. Bildrechte: Teresa Szepes

Das Salzbergwerk in Bernburg, lässt mit seinen ungeheuren Dimensionen nicht nur Besucher staunen, sondern, jedes Jahr aufs Neue, auch Künstlerinnen und Künstler.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 01. Dezember 2020 | 06:15 Uhr

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