Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht und Bernd Stegemann bei der Vorstellung von "Aufstehen". Bildrechte: dpa

Linke Sammlungsbewegung "Aufstehen": Zustimmung und Kritik für Sahra Wagenknechts Bewegung

Am Dienstag hat Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ihre Bewegung "Aufstehen" vorgestellt. Nach ihren Worten unterstützen mehr als 100.000 Menschen den Start der Initiative. Befürworter wie der Dramaturg Bernd Stegemann sehen darin eine Antwort auf einen gesellschaftlichen Rechtsruck. Kritiker wie der Publizist Albrecht von Lucke sehen darin auch eine Gefahr für Grüne und SPD.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht und Bernd Stegemann bei der Vorstellung von "Aufstehen". Bildrechte: dpa

Sahra Wagenknecht hat am Dienstag in Berlin die von ihr initiierte Sammlungsbewegung "Aufstehen" vorgestellt. Sie sagte, mehr als 100.000 Menschen hätten sich seit Anfang August online bei der linken Bewegung angemeldet. Als Ziel gaben Wagenknecht und ihre Unterstützer an, die AfD stoppen und linke Wähler erreichen zu wollen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben – um so perspektivisch eine linke Regierung in Deutschland zu ermöglichen.

Prominente Unterstützer

Der Autor und Dramaturg Bernd Stegemann befürwortet aktiv die Initiative und war auch bei der Vorstellung in Berlin mit anwesend. Im Gespräch mit MDR KULTUR begrüßte er den Start einer solchen Bewegung, da sich der übergroße Teil der Bevölkerung eine sozialere Politik wünsche. Mit "Aufstehen" wäre für die Menschen eine "direktere und unmittelbarere Mitsprache möglich, als in Parteien".

Es ist ein sehr ehrenwerter Versuch, einem Rechtsruck in der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen.

Bernd Stegemann, Dramaturg und Autor

Stegemann sagte MDR KULTUR weiter, er sehe in "Aufstehen" einen "digitalen und realen Marktplatz, an dem neue linke Ideen geboren werden und in die Welt getragen werden können". Er hoffe, dass so mit den Menschen über ihre Probleme gesprochen würde und mit ihnen gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeitet werden können.

Kritik an Fokussierung auf Wagenknecht

Neben der Zustimmung zur Sammelbewegung gibt es jedoch auch Kritik an dem Vorhaben. So äußerten sich nicht nur die Spitzen von Linken, SPD und Grünen überwiegend kritisch zu "Aufstehen", auch der Publizist und Buchautor Albrecht von Lucke blickt skeptisch auf die Initiative.

Bei MDR KULTUR sagte von Lucke, es sei fraglich, ob sich das Projekt, so wie versprochen, wirklich zu einer Sammlungsbewegung entwickeln würde. Für ihn sei "Aufstehen" noch zu sehr auf die Person Sahra Wagenknecht fokussiert. Darüber hinaus sehe er die Gefahr, dass durch das Projekt weniger die Kräfte der AfD geschwächt würden, sondern eine "Kannibalisierung der SPD" eintritt.

Das ist natürlich für SPD und Grüne eine Gefahr.

Albrecht von Lucke, Publizist und Buchautor

Sollte es Wagenknecht jedoch schaffen, "sich selbst zu überwinden und keine polarisierende Freund-Feind-Politik" zu machen, dann sehe auch er eine Chance für die Bewegung. "Wenn das gelingt, dass es eine echte, offene Debatte gibt, dann kann es eine Chance geben", so von Lucke bei MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. September 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 19:08 Uhr

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