Sandra Hüller beim 29. Filmfest in Wroclaw.
Sandra Hüller beim 29. Filmfest in Wrocław. Bildrechte: IMAGO

Filmstart Für "In den Gängen" lernte Sandra Hüller Gabelstaplerfahren

Sandra Hüller ist eine der beeindruckendsten deutschen Künstlerinnen: Theaterschauspielerin und Filmdarstellerin, sie kann singen, tanzen, und ist gebucht auf etwas schräge Frauengestalten. Mit MDR KULTUR sprach sie über ihre Wahlheimat Leipzig, ihre Existenz zwischen Leinwand und Bühne und ihre Lieblingslektüren.

von Katrin Schumacher, MDR KULTUR

Sandra Hüller beim 29. Filmfest in Wroclaw.
Sandra Hüller beim 29. Filmfest in Wrocław. Bildrechte: IMAGO

Am Donnerstag startet Sandra Hüllers neuer Film "In den Gängen" offiziell in den Kinos. Regie hat der Leipziger Thomas Stuber geführt, und das Ganze ist nach einer Erzählung von Clemens Meyer entstanden. An der Seite von Franz Rogoswki spielt Sandra Hüller dort in den Gängen eines Supergroßmarktes - ihre Filmfigur Marion arbeitet in den Süßwaren, Franz Rogowskis Figur Christian im Getränkegang. Zwischen den Regalen hindurch entspinnt sich zart eine Liebesgeschichte. Ein wunderschöner, sehr leiser, sehr langsamer Film - abgesehen von ein paar rasanten Gabelstaplerfahrten.

Recherche mit dem Gabelstapler

Für ihre Rolle hat Hüller Arbeitstage im Großmarkt absolviert und auch einen Führerschein für den Gabelstapler gemacht. Doch ansonsten gab es neben dem Drehbuch keine große Vorbereitung: "Ganz ehrlich gesagt hab ich neben Gabelstaplerfahren und Regaleinräumen einfach ein paar Tage mit Franz Rogowski geflirtet […] Und ich bin sehr froh, dass Thomas Stuber, der Regisseur, diese Entscheidung getroffen hat, weil es eine sehr schöne Zusammenarbeit war - also es hat einfach Spaß gemacht."

Es ist ein würdiger Nachfolger für ihren Erfolgsfilm "Toni Erdmann", über den Hüller immer noch gerne spricht, und den sie nach wie vor liebt. Als gebürtige Thüringerin, 1978 in Suhl zur Welt gekommen, und somit DDR-sozialisiert ist es ihr nicht leicht gefallen, die Figur der Turbokapitalistin Ines zu entwickeln.

Nächste Station: Salzburger Festspiele

Sandra Hüller 44 min
Bildrechte: IMAGO

Gerade arbeitet Hüller auf ihre nächste Theaterpremiere hin: Ab Ende Juli spielt sie die Hauptrolle in Heinrich von Kleists "Penthesilea" bei den Salzburger Festspielen, als Zwei-Personen-Stück allerdings an der Seite von Jens Harzer. Eine der krassesten und gewaltigsten Frauenfiguren in der Theatergeschichte - eine Rolle, die sie immer mal spielen wollte, und die ihr nun glücklicherweise zugefallen ist: "Ich habe mir die immer gewünscht und dann hat es geklappt." Eine anspruchsvolle Rolle mit viel Text. Das Textlernen fällt ihr leicht, doch die Freiträume dafür sind durch Familie, Arbeit, Reisen sehr begrenzt.

Ich mag es nicht, Text in der Öffentlichkeit zu lernen, weil man immer etwas verrückt aussieht wenn man was murmelt.

Sandra Hüller
Sandra Hüller und Peter Simonischek
Sandra Hüller und Peter Simonischek in "Toni Erdmann" Bildrechte: Komplizen Film

Eine Liebe, die immer wieder durchscheint in ihren Rollen ist das der Gesang. Unvergessen ist ihr Whitney-Houston-Cover im Film "Toni Erdmann". Hüller meint dazu: "Ich hab mich da noch nicht entschieden. Ehrlich gesagt schäme ich mich da immer so ein bisschen. Eine Schauspielerin, die auch noch singt, das ist so ein Klischee. Vielleicht muss man aber damit auch mal aufräumen? Mir ist das wichtig, ich habe schon als Kind immer gesungen, ich habe mich aber gegen eine klassische Ausbildung entschieden weil ich keine Technik wollte. Ich habe meine eigene Art."

Clemens Meyer, dessen Erzählung Basis für den neuen Film "In den Gängen" ist schätzt Hüller sehr. Zum Lesen hat Hüller wenig Zeit, trotzdem nutzt Sie freie Zeit dafür. Grade hat sie der Sachbuchautor Phillip Blom gepackt und die Autobiografie von Marina Abramović, die sie sehr bewundert. Schade findet sie, dass sie wegen des Salzburger Engagements wenig vom Leipziger Sommer mitbekommen wird. Aber das sei etwas, auf das sie sich in Zukunft freue: etwa Konzerte unter Leipziger Sommerhimmel.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 21. Mai 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2018, 19:34 Uhr