Andrea Sawatzki und Christian Berkel in -Scheidung für Anfänger- Beschreibung: Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich in Frieden scheiden zu lassen.
Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich scheiden zu lassen. Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

Gespräch mit dem Schauspieler-Ehepaar Perfektes Paar? Sawatzki und Berkel in "Scheidung für Anfänger"

Die Kinder sind aus dem Haus – und die Luft ist raus. Christian Berkel und Andrea Sawatzki spielen im Film "Scheidung für Anfänger" ein Paar, das beschließt, sich scheiden zu lassen. Alles soll ohne Krieg und Verletzungen vor sich gehen. So weit der Plan. Die beiden Schauspieler sind im wahren Leben seit Jahren verheiratet, haben zwei Söhne. MDR KULTUR-Redakteurin Claudia Bleibaum hat sie gefragt, warum sie ausgerechnet ein Scheidungsdrama reizte und was sie über Ehe und Familie denken.

Andrea Sawatzki und Christian Berkel in -Scheidung für Anfänger- Beschreibung: Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich in Frieden scheiden zu lassen.
Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich scheiden zu lassen. Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

MDR KULTUR: War Ihnen gleich klar, dass Sie das Angebot, ein Ehepaar mit Scheidungsabsichten zu spielen, annehmen?

Andrea Sawatzki: Für mich war, als ich das Drehbuch gelesen hatte, klar, dass ich diesen Film mit Christian machen möchte. Wir hatten bis dahin auch schon so lange nicht mehr zusammen gearbeitet. Deshalb war es eine ganz besondere Freude für mich.

Christian Berkel: Ja, mir ging es genauso! Ich glaube, wir hatten 13 Jahre nicht zusammen gedreht. Es gab zwar durchaus Angebote, aber die Drehbücher hatten uns nicht überzeugt. Es waren nie Geschichten, die wir wirklich sehen wollten und das ist bei uns beiden der Hauptausgangspunkt, einen Film zu machen.

Wie ist das gewesen, als glücklich verheiratetes Paar eins zu spielen, das beschließt, sich zu trennen?

Das Schauspielerehepaar Christian Berkel und Andrea Sawatzki posiert am Donnerstag (10.11.11) in Wiesbaden bei der Verleihung des Medienpreises Bambi auf dem Roten Teppich.
Schauspieler-Ehepaar Christian Berkel und Andrea Sawatzki auf dem Roten Teppich und nun im Scheidungsdrama. Bildrechte: ddp

C.B.: Die Tatsache, dass es ein Paar ist, das auseinandergeht, das also in einer anderen Situation ist, als wir privat es sind, ist immer eine gute Voraussetzung. Man kann viel besser das spielen, was von einem selbst weit entfernt ist. Wenn man mitten in einer Trennung steckt, eine Trennung zu spielen, ist eher schwierig als hilfreich, weil die nötige Distanz fehlt. Und ich glaube, was uns am wenigstens interessiert, wäre, eine glückliche Ehe zu spielen.

A.S.: Ja für einen Film wäre das viel zu wenig Stoff. Bei  den Dreharbeiten hatte ich einen Schauspielkollegen vor mir und nicht meinen Mann – dadurch  konnte ich auch meine Figur so spielen, wie ich sie mir vorstelle. Es ist ungeheuer reizvoll und auch spannend, weil man nicht weiß, was das Gegenüber als nächstes macht und sich einfallen lässt.

Im Film "Scheidung für Anfänger" gibt es keinen lauten Knall, keine Dritten als Auslöser. Der Film ist keine Klamotte. Konnten Sie dieses leise Auseinanderfallen des Paares im Film verstehen?

A.S.: Ganz sicher, wir haben diesen Film auch zugesagt, weil wir die leisen Töne sehr mochten und irgendwo auch die Tragik, die dem ganzen unterliegt.

Ich glaube, es ist bei vielen Beziehungen, die auseinanderbrechen, ein schleichender Prozess. Es geht ja nicht von heute auf morgen, auch wenn da eine dritte Person eine Rolle spielt, ist dem schon was vorgegangen, dass sich überhaupt einer der beiden in jemand anderen verlieben konnte.
Deshalb ist es spannend, zu gucken, was bei den beiden in den eigenen vier Wänden passiert, wie sie als Paar miteinander reden bzw. wie sie nicht mehr miteinander reden.

C.B.: Es ist eben, wie Du gerade gesagt hast, ein schleichender Prozess, aber die meisten erleben das nicht so, sondern behaupten, dass sie einfach eines Tages aufgewacht sind und plötzlich alles anders war.

Die Frage ist ja, wie stark kann ich den anderen wahrnehmen und wie stark kann ich mich auch selber wahrnehmen innerhalb einer Beziehung. Ich glaube, eine Beziehung ist immer so gut, wie sie beiden Menschen, die in dieser Beziehung leben, eine Entwicklungsmöglichkeit einräumt.

Andrea Sawatzki und Christian Berkel in -Scheidung für Anfänger- Beschreibung: Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich in Frieden scheiden zu lassen.
Welche Version erzählt man den Freunden? Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

Und wenn das nicht der Fall ist, dann hat die Beziehung ein Problem, weil die Gefahr groß ist, eine Unzufriedenheit zu entwickeln und zu glauben, wenn man sich trennt, wird das Leben wieder bunt und es passiert all das, was jetzt nicht passiert. Das passiert natürlich dann meistens nicht. Aber die Leute haben einfach verlernt, auch bei sich selber zu suchen, sich zu fragen, was bringe ich denn eigentlich in die Beziehung ein. Oft  wird nur gefragt, was bringt der andere ein. Dadurch entsteht dieser Vorwurfscharakter. Ich fand das Spannende, dass diese Zwei behaupten, sich auseinandergelebt zu haben, aber gleichzeitig auch dass alles ganz friedlich ist, dass alles ganz wunderbar ist. Sie möchten eigentlich an die unangenehmen Punkte nicht ran. Und dann landen sie natürlich mittendrin im Problem.

Das stimmt, im Fernsehfilm "Scheidung für Anfänger" werden die Probleme erst dann offenkundig, beginnt die Auseinandersetzung. Und gerade die Frauenfigur Anja macht eine interessante Entwicklung durch.

A.S. Ja, das ist wirklich eine schöne Entwicklung bei dieser Figur. Anfangs ist es ja auch so, dass sie ihre Weiblichkeit abgelegt hat, sie zieht sich beispielsweise nicht mehr schön an oder kämmt sich die Haare nicht mehr.

Das ist ja auch eine Art Aggressivität gegen sich selbst. Wenn man sie von außen sieht, würde man ihr sagen: Kümmere Dich doch mal um dich selbst! Aber daran denkt sie gar nicht, sie macht das in einer Aggression dem Partner gegenüber, aber eigentlich ist das Problem da schon offen. Es liegt eigentlich an ihr …

Christoph (Christian Berkel) fühlt sich von Anja (Andrea Sawatzki) über den Tisch gezogen.
Christoph (Christian Berkel) fühlt sich von Anja (Andrea Sawatzki) über den Tisch gezogen. Haus und Wohlstand hat er hart verdient, findet er. Anja sieht ihre unbezahlte Arbeit im Haushalt nicht gewürdigt. Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

C.B.: Ja oder an beiden ...

A.S.: Das ist auch nicht besser.

C.B.: Er ist auch nicht besser! Die beiden haben sich nicht mehr wirklich füreinander interessiert.

Die Frage ist, und das ist ja das, was Du beschreibst, inwieweit sie sich für sich selbst noch richtig interessiert haben. Das haben sie nämlich nicht, aber das gesteht man sich ausgesprochen ungern ein. Es ist leichter, zu sagen, der andere interessiert sich nicht für mich.

In der Beziehung wird häufig der Anspruch an den anderen erhoben, er möge doch mich interessant machen. Das ist schwierig.

A.S.: Das ist eben auf den ersten Blick bequem. Ich kann mich zurücklehnen und schiebe die ganze Schuld meinem Partner zu, meine Unsichtbarkeit, die Langeweile, die mich umgibt. Das ist ein Problem, das ich bei einigen Paaren auch feststelle.

Interessant ist ja auch der Zeitpunkt der Trennung, nachdem die Kinder aus dem Haus sind und sich viele Paare neu entdecken ...

A.S.: Das werde ich neuerdings in Interviews gefragt: "Ihre Kinder sind ja bald aus dem Haus. Was wird denn dann aus Ihnen? Haben Sie schon Pläne, was Sie dann machen?" Dann sage ich immer: Naja, wir haben ja einen Beruf und wir machen es uns dann schon schön. "Ja, haben Sie keine Angst, dass es langweilig wird?" Wieso sollte es langweilig werden?

C.B.: Ich glaube, wir beide sind keine Menschen, die mit der Langeweile zu kämpfen haben. Es gibt immer mindestens zwei Seiten – wenn nicht mehr. Es ist auf der einen Seite schön, diesen Weg in die Selbständigkeit noch begleiten zu können.

Aber irgendwann ist die Trennung da. Trennungen sind ja – im familiären Bereich – ein Übergehen in eine andere Lebensphase. Natürlich sind die Eltern erstmal diejenigen, die zurückbleiben. Der junge Mensch bewegt sich hinaus in die Welt, aber ich hab' eigentlich keine Angst davor.

Andrea Sawatzki und Christian Berkel in -Scheidung für Anfänger- Beschreibung: Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich in Frieden scheiden zu lassen.
Die Kinder reagieren unerwartet gelassen. Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

A.S.: Das finde ich an dem Film so schön: Wenn die Eltern den Kindern eröffnen, dass sie sich trennen werden, und die Kinder völlig cool bleiben.

Sie sagen nur: Ja, aber dann lasst uns da bitte raus. Das stresst uns zu sehr, wir haben unser eigenes Leben.

Im Film hat die Figur der Anja, was die berufliche Erfüllung betrifft, auf jeden Fall zugunsten der Kinder zurückgesteckt. Bleibt die oft zitierte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eine Illusion? 

C.B.: Warum soll es eine Illusion sein?

A.S.: Eine Illusion ist das auf keinen Fall, aber es gibt natürlich unterschiedliche Aufgabenbereiche. Und es gibt auch bei uns relativ strikte Trennungen, wer was macht. Aber die Aufgaben sind gerecht verteilt und ich finde es sehr praktisch, dass jeder weiß, wofür er zuständig ist.

Anja (Andrea Sawatzki) und Christoph (Christian Berkel) stehen sich mit ihren Anwälten Frau Dr. Schirmer (Doris Schretzmayer, li.) und Hansen (Pierre Besson, re.) gegenüber
Termin beim Anwalt Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

C.B.: Also, wenn das für beide ok ist, und es nicht so ist, dass einer das Gefühl hat, ihm werden Aufgaben zugewiesen, die er eigentlich gar nicht möchte – und natürlich wissen wir, dass das häufiger die Frauen trifft, als die Männer – das ist Gold wert.
Ganz schlimm ist es, wenn Leute anfangen zu rechnen, Du hast das gemacht und du hast das nicht gemacht. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

A.S. Vielleicht läuft das bei uns auch so gut, weil ich meinen Beruf und meinen Alltag zu Hause liebe. Ich sehe mich so ein bisschen im Zentrum – vielleicht auch weil wir zwei Söhne haben. Und ich liebe es (Berkel lacht), dass ohne mich nichts wirklich funktioniert. (beide lachen)

Sie sind nicht nur ein Paar, Sie haben beide auch noch den gleichen Beruf. Gibt es da Konkurrenz?

C.B.: Diese Frage wird uns gestellt, seit wir zusammen sind. Und am Anfang hat uns diese Frage immer irritiert. Wir nehmen uns ja gegenseitig keine Rollen weg. Was für eine Konkurrenz soll das also sein? Dass der eine mal ein bisschen mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit steht als der andere? Das wechselt sich bei uns ab bzw. ist es oft ausgeglichen.

Ich liebe meine Frau, also wünsche ich mir, dass es ihr  gut geht, dass sie tolle Angebote und Möglichkeiten bekommt.

Aus der friedlichen Scheidung wird nichts: Beim Ausräumen gerät Anja (Andrea Sawatzki) unter Beschuss.
Alles muss raus - Beim Räumen gerät Anja unter Beschuss. Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

A.S. Mir geht es auch so. Wenn Christian Erfolg hat, ist das für mich fast noch schöner, als wenn ich Erfolg habe, vielleicht weil ich es mit einem gewissen Abstand betrachten kann.

C.B.: Wenn für Andrea irgendwas blöd läuft, dann rege ich mich viel mehr auf, als wenn bei mir selber was blöd läuft. Das ist bei dir genauso. Bei mir selber sage ich, na gut, das ist jetzt so und so, ärgerlich. Aber bei ihr werde ich da richtig wütend. (beide lachen)

Das klingt ja perfekt.

C.B. Perfekt ist das nicht. Es ist, glaube ich, eher, weil wir gar nicht die Vorstellung von Perfektion haben, dass das idealerweise so oder so ist. Ich glaube keiner von uns stellt die Forderung an den anderen, perfekt zu sein.

A.S.: Wir sind ja beide auch so, dass wir Rückschläge nutzen. Für uns ist das nicht das Ende der Welt, wenn etwas völlig schief geht.

C.B.: Das haben wir aber auch erst in unserer Beziehung gelernt. Das war  auch nicht von Anfang an da. 

A.S.: Ja, das haben wir in unserer Beziehung gelernt durch den Halt des anderen, dass es weitergeht und dass man sich einen anderen Weg suchen muss, um dann weiterzukommen.

Andrea Sawatzki und Christian Berkel in -Scheidung für Anfänger- Beschreibung: Nach 24 Ehejahren ist bei den Bremermanns die Luft raus: Einvernehmlich beschließen Innendesignerin Anja (Andrea Sawatzki) und Bauingenieur Christoph (Christian Berkel), sich in Frieden scheiden zu lassen.
Eigentlich sollte alles ganz einvernehmlich abgehen. Bildrechte: ARD Degeto/Christoph Assmann

Das Gespräch führte Claudia Bleibaum für MDR KULTUR.

Infos zum Film: "Scheidung für Anfänger", Komödie

eine TV-Produktion für Das Erste
Regie: Thorsten Schmidt
mit Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Doris Schretzmayer u.a.
Sendedatum: 26. Januar 2019

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Januar 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 04:00 Uhr

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