Sachsen "800 Jahre Licht im Walde" – Ausstellung in Schloss Lichtenwalde

Ein Besuch im Schloss Lichtenwalde bei Chemnitz ist immer ein lohnenswerter Ausflug. Allein schon wegen des eindrucksvollen Barockgartens, aber auch wegen des Museums im aufwendig sanierten Schloss selbst. Eine Schatzkammer, in der man sinnlich inszeniert Kunst- und Kultobjekte aus Nepal, Tibet, China und Japan sowie aus Westafrika bewundern kann. Was bisher jedoch fehlte, war eine umfassende Darstellung der wechselhaften Schloss- und Parkgeschichte. Jetzt endlich widmet sich eine Sonderausstellung dieser Reise durch "800 Jahre Licht im Walde".

Barockgarten am Schloss Lichtenwalde 4 min
Bildrechte: imago images / Rainer Weisflog

Wenn es um die Geschichte von Schloss Lichtenwalde geht, dann kommt man an Dietrich von Harras nicht vorbei. Von sich Reden machte er, weil er 1449 hoch zu Ross mit einem tollkühnen Felsensprung über die Zschopau feindlich gesinnten Verfolgern entkommen sein soll. Nachzulesen ist das unter anderem in der Ballade "Harras, der kühne Springer", mit der Theodor Körner dem Ritter ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

Der Ritter Harras, der ist hier in der Region allgegenwärtig, immer nur Harras vorne, Harras hinten und das, habe ich gesagt, das brauchen wir nicht.

Katharina Müller, Ausstellungskuratorin

Nicht immer nur Rittergeschichten

Ausstellungskuratorin Katharina Müller vom Förderverein "Schloss und Barockgarten Lichtenwalde" ist dieser alten Rittergeschichten ein wenig überdrüssig, sie lenkt jedoch ein, dass der sagenumwobene Harras in der Ausstellung auch Erwähnung finde, man habe sich jedoch auf neue Anknüpfungspunkte, andere historisch Persönlichkeiten konzentriert. Als Beispiele führt Müller an: "Carl von Carlowitz, der Begründer der Nachhaltigkeit. Der hat lange in Lichtenwalde gelebt, seine Kinder sind hier geboren, er hat hier geheiratet, in der Stiftskirche. Oder 'Vater' August, der mit der Augustusburg eng verbunden ist. Das war auch sein Amt hier gewesen und er hat hier auch gewirkt."

Innenhof des Schlosses Lichtenwalde.
Innenhof des Schlosses Lichtenwalde Bildrechte: dpa

Lustgarten durch August von Sachsen

August von Sachsen war es auch, der im 16. Jahrhundert den Grundstein für den zum Schloss gehörenden Lustgarten legte. Jedoch ließ der Kurfürst noch Obst und Gemüse darin anbauen zur Versorgung seiner Untertanen, bevor dieser schließlich unter den Grafen von Watzdorf in das barocke Kleinod verwandelt wurde, als das sich der Garten oder besser Park bis heute nahezu unverändert präsentiert.

Wie wird schon im 18. Jahrhundert in einem Schweizer Lexikon geschrieben: Wer nach Dresden fährt, sollte einen Abstecher machen und sich den Vitzthumschen Garten ansehen. Also schon im 18. Jahrhundert gehörte der Garten eigentlich zu den Highlights in Deutschland mit dazu.

Katharina Müller, Ausstellungskuratorin

Geschichte in Comicform

Eng miteinander verwoben sind Schloss- und Gartengeschichte. In der Ausstellung lässt man daher beides zu den jeweiligen Epochen und Schlossherren eine Art Zwiegespräch führen, Comicartig umgesetzt auf den Texttafeln.

Zu den eindrücklichen Exponaten der Schau zählt beispielsweise ein Gipsabdruck des 1885 wieder entdeckten Tympanons der ursprünglichen Schlosskapelle. Auf 1220/1230 ist das Original, das im Schlossbergmuseum in Chemnitz liegt, datiert – es ist somit ein eindeutiger Beleg für das 800. Jubiläum, das jetzt gefeiert wird.

Eine Mitarbeiterin des Schlosses Lichtenwalde nahe Chemnitz schaut sich den chinesischen Salon an.
Der chinesische Salon im Schloss Lichtenwalde Bildrechte: dpa

Schloss sollte in DDR gesprengt werden

Allerdings gab es auch Momente, die die Schlossgeschichte jäh hätten beenden können. Der verheerende Brand von 1905 etwa, der einen kompletten Neubau nach sich zog. Kuratorin Müller nennt ein weiteres Beispiel:: "Man hat immer gesagt, man hat das Schloss zu DDR-Zeiten fehlgenutzt. Ich sage: Seid froh, dass die sofort nach dem Krieg eine Verwendung für das Haus gefunden haben. Das stand, hat mir mal jemand erzählt, da habe ich aber leider den Beleg noch nicht gefunden, auf der Liste der zu sprengenden Objekte. Das heißt, es hätte genauso wie andere Schlösser dem Erdboden gleich gemacht werden sollen. Aber dadurch, dass eine Lungenheilstätte eingezogen ist, ist es erhalten geblieben.

Die Ausstellung "800 Jahre Licht im Walde"
Sonderausstellung im Schloss Lichtenwalde

17. Oktober 2020 bis 26. September 2021

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr
November bis März: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr

Ausstellungstipps

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Oktober 2020 | 08:40 Uhr