Szene mit Schneewittchen in ihrem gläsernen Sarg aus dem Stück der Oper Leipzig.
"Schneewittchen" feiert in Leipzig am 9. März Premiere. Bildrechte: Oper Leipzig/Tom Schulze

Familienoper Märchenhaft: "Schneewittchen" an der Oper Leipzig

Marius Felix Langes Kinderoper "Schneewittchen" erzählt die bekannte Geschichte um Neid und Schönheitswahn – aber auf frische und zeitgemäße Art. Die Geschichte ist für den Komponisten persönlich etwas ganz Besonderes – und Märchen faszinieren ihn bis heute. Nun feiert "Schneewittchen" als Oper für die ganze Familie in Leipzig Premiere.

von Constanze Kittel, MDR KULTUR

Szene mit Schneewittchen in ihrem gläsernen Sarg aus dem Stück der Oper Leipzig.
"Schneewittchen" feiert in Leipzig am 9. März Premiere. Bildrechte: Oper Leipzig/Tom Schulze

Marius Felix Lange erzählt, es sei für ihn das Schönste gewesen, als der Komponist Aribert Reimann – nachdem er sein "Schneewittchen" gesehen hatte – zu ihm sagte, er habe seinen Stil und bei dem solle er bleiben. Dies sei wichtig für ihn gewesen, da er selbst immer schaue, wie andere schreiben und wie es dem entspreche. "Aber mit dem Abstand sieht man die Werke auch neu. Und wenn eine Schneekönigin komponiert wird, dann klingt sie anders als ein Schneewittchen", erklärt Lange. So bekomme jede Oper ein anderes Gesicht und sei trotzdem erkennbar von ihm.

Ein echter "Familien-Komponist"

Lange komponiert mit Vorliebe Opern für die ganze Familie. Das Schönste, so meint er, seien die Libretti für die Werke zu schreiben. Denn er hegt eine Leidenschaft für Opern in Kombination mit märchenhaft schönen Stoffen. Und diese Leidenschaft begann schon recht früh. Schon als Kind habe ihn die Schneekönigin enorm fasziniert. Und an Schneewittchen komme kein Kind vorbei. "Damit wächst man auf. Da kann man nicht mal sagen, wann man das zum ersten Mal gehört oder gelesen hat", so Lange.

Ich bin sehr angezogen von einem literarischen Bereich, der im ersten Bereich des 19. Jahrhunderts liegt. Das was man auch als Fantastik bezeichnet, also auch von E.T.A. Hoffmann und Edgar Allan Poe.

Marius Felix Lange, Komponist

Szene aus dem Stück "Schneewittchen" der Oper Leipzig.
Szene aus "Schneewittchen" an der Oper Leipzig: Bei der Geschichte dürfen die böse Stiefmutter und der Spiegel, den sie täglich befragt, nicht fehlen. Bildrechte: Oper Leipzig/Tom Schulze

Außerdem fühle er sich der Zeit auch verbunden, da dort auch die Aufklärung stattgefunden hat. "Und trotzdem ist man noch in diesem romantischen Geist. Dann ist die Sprache noch so wunderschön gewesen." Das sei ihm sehr nah.

Ein Musiker von Kindesbeinen an

Der Komponist Marius Felix Lange
Komponist Marius Felix Lange. Bildrechte: Marius Felix Lange/Arno Lange

Auch das Musikmachen begleitete Marius Felix Lange von klein auf. Mit acht Jahren erhielt er seinen ersten Geigenunterricht. Mit elf Jahren spielte er Klavier. Dann kam er als Jungstudent ans Julius-Stern-Institut der Hochschule der Künste in Berlin. Und er gewann mehrere Preise bei "Jugend musiziert". Danach folgte ein Geigenstudium in Köln und Klagenfurt.  

Allerdings bekam er Schmerzen in der Schulter und musste das Geigenstudium aufgeben. Dies sei ein sehr schmerzhafter Prozess gewesen, der insgesamt sechs Jahre gedauert habe, berichtet Lange. "Doch ich wusste, ich kann ohne Musik nicht leben. Ich habe mir immer Partituren genommen und die ergründet. Und wollte wissen, wie das gemacht ist und habe genau hinein gehört." Erst im Alter von 25 Jahren habe er begonnen, autodidaktisch zu komponieren. Danach folgte ein Studium der Filmmusik in Ludwigsburg und ein weiteres Kompositionsstudium. Allerdings sehe er sich selbst als Autodidakten.

Ein märchenhafter roter Faden

Großen Erfolg feierte seine erste Familienoper, die nach einem Text von Elke Heidenreich entstand: "Das Opernschiff oder: Am Südpol, denkt man, es ist heiß." 2005 erhielt er dafür den ersten Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb in Köln. Dann folgten weitere märchenhafte Opern, wie "Das Gespenst von Canterville", "Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte", "Die Schneekönigin" und natürlich sein Schneewittchen. Uraufgeführt 2011 in Köln.

Nun kommt seine Familienoper auf die Leipziger Opernbühne. Für den Regisseur Patrick Rohbeck war die Inszenierung zunächst eine kleine Herausforderung. Er erklärt, dass die Oper im Original, zur Uraufführung in Köln, in einem sehr kleinen Rahmen aufgeführt wurde – eine Art "Foyer-Oper", wo das Publikum direkt am Geschehen beteiligt gewesen sei.

"Nun bringen wir es auf die große Bühne und wir haben uns entschieden, alles weit vorn zu spielen, um nah an den Kindern zu sein." Rohbeck erklärt, dass man auch eine Pasarella gebaut habe, also einen Gang um das Orchester. So komme man noch einmal näher heran, um die Zuschauer "mit rein zu nehmen und nicht auf der Hinterbühne spielen zu müssen."

Szene mit den sieben Zwergen aus dem Stück "Schneewittchen" der Oper Leipzig.
Die Protagonistin und die sieben Zwerge in Langes "Schneewittchen". Bildrechte: Oper Leipzig/Tom Schulze

Größere Bühne – größere Möglichkeiten

Doch die große Leipziger Bühne hat auch einen entscheidenden Vorteil. Denn kann nun erstmals der Prolog von Schneewittchen gezeigt werden. Aus technischen Gründen durfte dieser bisher nie auf den kleineren Bühnen aufgeführt werden. Und so musste die Vorgeschichte rund um den Schönheitswahn der Königin weggelassen werden. In Leipzig aber wird sie erzählt, sehr zur Freude des Komponisten Marius Felix Lange.

Denn so sehe man die böse Stiefmutter, Königin Clothilde, wie sie in seiner Version heißt und sich dabei als Marketenderin verdingt. In Langes "Schneewittchen" ist sie von Schönheits-OPs entstellt. "Und von daher wird sie von den Leuten verspottet und geärgert. Dann fängt sie an zu weinen und sagt, aber 'sie ist doch die Schönste'. Die Leute lachen nur, weil sie nicht mehr die Schönste ist." Lange erklärt, wie der Spiegel dann das Kinderpublikum frage, ob sie wissen möchten, wie sie hier her kam, "hier sitzen, sich am liebsten ritzen, verkriechten." Erst dann beginnt die eigentliche Geschichte.

Infos zum Stück "Schneewittchen" an der Oper Leipzig

Aufführungen:
9. März, Premiere
15. März
8. / 9. Mai
2. Juni
6. | 17. | 20. November
29. Dezember 2019

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. März 2019 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 04:00 Uhr

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