Schokoladenmuseum Dresden
Das Schokoladenmuseum in Dresden Bildrechte: CAMONDAS Schokoladen GmbH

Dresdens Schokoladenseite Dresdner Schokoladentradition jetzt im Museum zu sehen

Beim den Stichworten Dresden und Schokolade denken die meisten wahrscheinlich zuerst an das "Schokoladenmädchen" von Jean-Etienne Liotard in der Gemäldegalerie Alte Meister. Dass Dresden aber auch einmal als die Schokoladenhauptstadt Deutschlands galt, wissen dagegen nur wenige. Das soll sich ändern, denn ein Schokoladenmuseum im Herzen der Stadt widmet sich jetzt eben dieser Erfolgsgeschichte. Dort erfahren sie auch, dass Heinrich Graf von Brühl heimlich Schokolade hortete, und August der Starke seinen Kakao aus einer Trembleuse trank.

von Grit Krause, MDR KULTUR

Schokoladenmuseum Dresden
Das Schokoladenmuseum in Dresden Bildrechte: CAMONDAS Schokoladen GmbH

Heinrich Graf von Brühl war ein Schokoladenliebhaber, wenn nicht gar ein fanatischer Sammler dieser im 18. Jahrhundert noch exotischen Köstlichkeit. Denn als er 1763 starb, fand man in seinem Dresdner Palais ein geheimes Schokoladengewölbe, in dem der Graf neun Zentner dieses damals an europäischen Höfen beliebten Luxusgetränks gehortet hatte. Nach seinem Tod wurden diese Massen an Schokoladenstangen und –tafeln dann verkauft, wie Museumsleiterin Ines Seifert, auf eine Originalrechnung aus dieser Zeit verweisend, berichtet.

Man hat anhand dieser erhaltenen Rechnungen gesehen, wie viel da war, und an wen auch verkauft wurde. Und dann hat tatsächlich dieser Verkauf auch dazu beigetragen, dass sich Schokolade eben in bürgerlichen Schichten verbreiten konnte. Das sieht man anhand der Käufernamen, die die Schokolade dann weiter vertrieben haben.

Ines Seifert, Museumsleiterin

Auch der erste mit Schokolade gefüllte Adventskalender stammt aus Dresden

Den Auftakt in der Ausstellung bildet allerdings ein anderes für Dresden markantes Datum, nämlich das Jahr 1823, als Gottfried Jordan und August Friedrich Timaeus hier die erste deutsche Schokoladenfabrik gründeten. Damit legten sie zugleich den Grundstein für eine Reihe von Erfindungen, die weltberühmt wurden.

Schokoladenmuseum Dresden
Schokoladenmuseum Dresden Bildrechte: CAMONDAS Schokoladen GmbH

Ganz vorn ist die Milchschokolade, die wurde das erste Mal 1839 in Dresden beworben. Und was beworben wird, muss auch hergestellt worden sein, durch die Firma Jordan & Timaeus. Dann geht es weiter mit dem Tell-Apfel, der Schokoladenapfel, der dann in so Stücke zerfällt. Und für die Kinder ganz wichtig: der mit Schokolade gefüllte Adventskalender. Dann geht es weiter: der Dominostein, das Russischbrot, die werden hier dargestellt. Man erfährt, welche Erfindungen es in Dresden gab, die noch heute eine Bedeutung haben auf dem Schokoladenmarkt.

Ivo Schaffer, Geschäftsführer der Camondas Schokoladen GmbH

Das Museum entstand aus dem Schokoladenkontor

Ivo Schaffner ist Geschäftsführer der Camondas Schokoladen GmbH. Die Idee, sein Kontor mit der angeschlossenen Kakaostube, in denen er ausschließlich hochwertige Schokoladen anbietet, mit einem Museum zu komplettieren, schwelt schon lange. Dresdens Ruf als einstige Schokoladenhauptstadt war dabei jedoch weniger ausschlaggebend, sondern die Erlebnisse im ersten von heute drei Geschäften, das er vor elf Jahren am Dresdner Neumarkt eröffnete:

"Am Anfang war das ganz exotische Schokolade aus Ecuador und aus Madagaskar. Die Leute waren interessiert, hatten noch nie etwas gehört von Criollo, Trinitario und von unterschiedlichen Kakaonoten. Da kamen wir in so eine Spinnerei: Mensch, eigentlich könnten wir für die vielen Erklärungen von den Leuten einen Euro Eintritt nehmen, und so kam der Gedanke: Ein Museum, das wär's eigentlich."

CAMONDAS Schokoladenmuseum Dresden, Ines Seifert (Museumsleiterin) und Ivo Schaffer (Geschäftsführer CAMONDAS) 4 min
Bildrechte: CAMONDAS

Vis-à-vis des Schlosses im Schokoladenkontor befindet sich nun das das Camondas-Schokoladenmuseum Dresden. Mit 200 Quadratmetern Fläche und eigener Kuratorin knüpft es an Dresdens bemerkenswerte Schokoladentradition an.

MDR KULTUR - Das Radio Do 09.05.2019 16:10Uhr 04:09 min

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August der Starke trank seine Trinkschokolade aus einer Trembleuse

Tasse und Untertasse
Eine Trembleuse: Die Untertasse verfügt über einen durchbrochenen Kranzring, in dem die Tasse sicher und fest steht, auch wenn man die Schokolade umrührt. Bildrechte: imago images / Artokoloro

Über Jahre haben Schaffer und seine Mitstreiter Exponate zusammengetragen, etwa die weltweit umfangreichste Sammlung an Schokoladenformen aus Weißblech der Firma Anton Reiche. Außerdem: historisches Geschirr wie eine so genannte Trembleuse, aus der man bereits zu Zeiten Augusts des Starken seine Trinkschokolade genossen hat. Oder auch Werbefilme aus den 20er- und 30er-Jahren für Maschinen zur Schokoladenherstellung, die ebenfalls in Dresden produziert wurden. Anhand eines Stadtplans kann der Besucher die Fülle an Firmen nachvollziehen, die sich auf Schokolade spezialisiert hatten. Neun davon, so erklärt Kuratorin Ines Seifert, habe man zudem eigene Vitrinen gewidmet, zum Beispiel Hartwig & Vogel und ihren Sammelbilderalben.

"Das man einfach noch mal einen Eindruck bekommt, wie sahen Verpackungen damals aus, wie wurde geworben, so ein Sammelbilderalbum ist ja was Hochspannendes" erzählt Seifert.

Wie man heute wirklich gute Schokolade herstellt

Im Dresdner Schokoladenmuseum wird aber nicht nur Historie erzählt, sondern ein zweiter umfangreicher Teil widmet sich der Frage, worauf es heutzutage ankommt, um eine wirklich gute Schokolade zu kreieren. So werden ausführlich die einzelnen Schritte erläutert, angefangen bei der Kakaosorte, die angebaut wird, über das Fermentieren, Rösten bis hin zum Conchieren und zur Veredlung. Ivo Schaffer und sein Team verstehen sich eben auch als Genussbotschafter.

In einem Verkostungsbereich kann man Qualitätsprodukte mit Massenprodukten im Geschmack vergleichen. Außerdem gibt es auch einen Versuch, die Schokolade in der Ursprungsversion von 1839 nachzubauen.

Was wir hier machen, ist, der Schokolade ihre Wertigkeit zurückzugeben.

Ivo Schaffer, Geschäftsführer der Camondas Schokoladen GmbH
Schokoladenmuseum Dresden
Schokoladenmuseum Dresden Bildrechte: CAMONDAS Schokoladen GmbH

Informationen: Das Schokoladenmuseum Dresden gegenüber vom Residenzschloss hat täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Schokoladengenuss kann im angrenzenden Camondas Schokoladenkontor und der Kakaostube vertieft werden.

Wissenswertes: Als älteste bestehende Schokoladenfabrik Deutschlands gilt die Halloren Schokoladenfabrik in Halle (Saale), sie ging aus einer 1804 von F. A. Miethe gegründeten Konditorei hervor. Jordan & Timaeus gründeten ihre Schokoladenfabrik 1823 in Dresden - und stellten 1839 die erste Milchschokolade her. Mit 26 Schokoladen- und Zuckerfabriken stand Dresden 1910 an der Spitze der deutschen Schokoladenproduktion.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Mai 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2019, 04:00 Uhr

Kakao und Schokolade
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