Zwei Geschwister streiten sich.
Richtiges Streiten will gelernt sein. Bildrechte: imago images/Westend61

Sozialwissenschaftler Streitkultur: Zum Reden gehört das Zuhören

Der Sozialwissenschaftler Andreas Petrik sieht die Schule als wichtigen Raum, in dem Jugendlichen richtiges Streiten gelehrt werden sollte. Es ist ihm dabei vor allem wichtig, dass die Schüler lernen, sich auch in andere Meinungen hinzuversetzen und diese zu respektieren.

Zwei Geschwister streiten sich.
Richtiges Streiten will gelernt sein. Bildrechte: imago images/Westend61

In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sollten Kinder und Jugendliche richtiges Streiten schon in der Schule gelehrt bekommen. Dafür plädiert der Sozialwissenschaftler und Politik-Didaktiker Andreas Petrik von der Universität Halle.

Richtig streiten lernen in der Schule

Der Sozialwissenschaftler Andreas Petrik.
Der Sozialwissenschaftler Andreas Petrik. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Im Interview mit MDR KULTUR sagte er, dass sich die Neutralitätspflicht von Lehrern und politische Gespräche in der Schule nicht ausschlössen. Im Gegenteil – die Schule sei der primäre Ort, um Jugendlichen die geeigneten Werkzeuge zum richtigen Debattieren an die Hand zu geben.

Im Rahmen eines Politikunterrichts sollten Schüler lernen, ihre eigenen Werte richtig zu begründen – Schulen sollten daher Regeln des korrekten Streitens lehren: die Arbeit mit Fakten, Daten und zum Beispiel Analogien.

Der Sozialwissenschaftler Andreas Petrik. 8 min
Bildrechte: MDR/Florian Leue
Der Sozialwissenschaftler Andreas Petrik. 8 min
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Respekt gegenüber Andersdenkender

Genauso wichtig ist es Petrik aber auch, dass Jugendliche in einer Perspektiven-Übernahme geschult werden. Dass sie also lernen, sich in die Meinung Andersdenkender hineinzuversetzen und diese begründete Meinung zu respektieren und tolerieren.

Wir sollten das als dialektische Einheit sehen.

Andreas Petrik, Sozialwissenschaftler an der Universität Halle

Um dies ermöglichen zu können, weist der Sozialwissenschaftler darauf hin, dass es relevant sei, dass junge Menschen lernen müssten, die eigenen Gefühle deuten zu können. So müssten Schüler vermittelt bekommen, "wie man relativ unemotional mit destruktiven Gefühlen" umgehen kann.

Schule als Ort des Parlamentarismus

Er wünsche sich, dass Schulen ein Klima der "demokratischen Schule" entwickeln würden, welches viele Elemente des Parlamentarismus aufnehmen sollte. Als Beispiele nannte er Klassenräte oder auch Schulparlamente, die Entscheidungen zum Alltagsleben in den Bildungseinrichtungen mittragen könnten. "Die Schule ist der primäre Ort, um Demokratie und die eigene Wertebasis von Individuen zu fördern", so Petrik.

Lippen 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Dezember 2019 | 18:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 13:36 Uhr