Filmszene Schauspieler Sebastian Urzendowsky bekennt sich zur EU

Filme wie "Der Turm", "Die Fälscher" und die Siegfried Lenz-Verfilmung "Der Überläufer" machten Sebastian Urzendowsky bekannt. Der Schauspieler gilt inzwischen als einer der beliebtesten und besten Darsteller seiner Generation. Im Gespräch mit MDR KULTUR hat sich Urzendowsky besorgt über Nationalismen geäußert und klar zur Europäischen Union bekannt.

Er wurde mit dem Max-Ophüls-Preis als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet und bekam zweimal den Grimme-Preis: Sebastian Urzendowsky sagt von sich selbst, dass ihm Internationalität sehr wichtig ist.

Eines der Dinge, für die ich mit am dankbarsten bin, ist diese Idee einer Union, freier Grenzen, reisen zu können.

Sebastian Urzendowsky, Schauspieler

Großvater war Kriegsgefangener

Urzendowsky wurde 1985 in Ostberlin geboren und ging später als Austauschschüler nach Frankreich und England. Da sei ihm schnell klar geworden, dass er im Ausland arbeiten, dass er reisen und mit Sprachen arbeiten wolle. Prägend seien die Erfahrungen seines Großvaters gewesen, der vier Jahre als Kriegsgefangener in Frankreich gelebt habe. Dieser habe immer gesagt: "Geh raus, lerne Sprachen! Da, wo Kommunikation ist, feinden sich die Leute weniger an."

Nationalismen - "Das tut mir richtig weh"

Auch seine Eltern hätten ihn ermutigt, in diese Richtung zu gehen: "Die haben immer gesagt, geh raus in die Welt! Mach das! Trau dich!" Dafür sei Urzendowsky sehr dankbar. Allerdings bereite es ihm Sorge, wenn er sehe, wie das jetzt manchmal durch Nationalismen und Angstreflexe – wie die Schließung von Grenzen – bedroht werde: "Das tut mir richtig weh. Wenn ich mir denke, dass das einem genommen würde, dann würde mir essenziell was aus dem Herzen gerissen."

Ich bin bekennender Anhänger der Europäischen Union!

Sebastian Urzendowsky

Universität der Künste statt Ernst-Busch-Hochschule

Urzendwosky spielte in Filmen wie "Der Turm", "Die Fälscher" und jüngst in dem ARD-Zweiteiler "Der Überläufer". Als Schauspieler erscheint er eher als Kopfmensch. Er lese sehr viel, um sich auf seine Rollen vorzubereiten, bis ihm klar sei, wo sich seine Figur bewegt. Das sei schon an der Schauspielschule so gewesen.

Urzendowsky studierte an der Universität der Künste in Berlin, nicht etwa an der Ernst-Busch-Hochschule. Dort habe man ihn nicht gewollt, erklärt er im Gespräch mit MDR KULTUR. Im Nachhinein sei er sehr glücklich darüber gewesen. An der UdK habe er auch in andere Bereiche wie die Malerei schauen können. Dort habe außerdem ein ganz anderes Ensemble-Bewusstsein geherrscht. Noch immer würden ihn Freundschaften aus dieser Zeit verbinden.

Guter Rat von Peter Kurth und Marie Gruber

Warum er nach so vielen Rollen überhaupt noch an die Schauspielschule gegangen ist? Ältere Schauspielerinnen und Schauspieler – unter anderem Peter Kurth und Marie Gruber – hätten ihm nahegelegt, die Schauspielerei noch einmal von der Pike auf zu lernen. Irgendwann habe er sich selbst gesagt: "Wenn ich mir nicht die Chance nehmen will, jemals ans Theater zu gehen, dann mache ich das. Dort brauche ich eine Ausbildung." Er habe es sich auch selbst beweisen wollen und sei für diese Entscheidung sehr dankbar.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2020 | 12:00 Uhr

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