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MDR FERNSEHEN Do, 02.05.2019 22:05 22:35

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Das Kulturmagazin des MDR

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* 80. Geburtstag Volker Braun
Die politische Wende von 1989 lässt Volker Braun keine Ruhe. "Unsere Erfahrung: Die Verwerfung", schreibt er in seinem neuen Buch "Handstreiche", das Aphorismen enthält, Dialogfetzen, Zitate. Skeptisch beobachtet er die Welt: Armut, Umweltverschmutzung, die Völkerwanderung. "Nicht die Flüchtlinge machen das Problem, sie machen es bewusst. Es sind Steuerflüchtlinge und Renditeverschlepper, wegelagernde Lobbys, das vagabundierende Kapital." Ein weiterer Band des Lyrikers, Dramatikers und Prosaautors versammelt Untergrundtexte und Festreden: "Verlagerung des geheimen Punkts".

Volker Braun feiert am 7. Mai seinen 80. Geburtstag. 1939 in Dresden geboren und aufgewachsen, gehört Braun in der DDR einer Generation an, die, wie er schreibt, "der Widerspruch großzog; soziale Revolution und politische Bedrückung, die konträren Wirklichkeiten diktierten unser Dichten, Satz und Gegensatz gleichermaßen gültig. Es war die Kunst, es stehnzulassen, unaushaltbar." Noch als die Mauer fiel, plädiert er für einen dritten Weg, will die Ideale des Sozialismus nicht ganz aufgeben. Ein Blick auf den entfesselten Kapitalismus und die Aporie einer visionslosen Gegenwart scheint ihm Recht zu geben. artour hat Volker Braun besucht und mit ihm gesprochen über seine "Folgelandschaften, und -gesellschaften".

* Spielzeugflut im Kinderzimmer
Noch nie haben die Deutschen so viel Geld für Spielzeug ausgegeben. 3,1 Milliarden Euro waren es im vergangenen Jahr, 800 Millionen mehr als vor zehn Jahren. Die Geburtenrate sank über die Jahre. Der Spielzeugumsatz stieg. Immer weniger Kinder bekommen immer teureres Spielzeug - mancher Soziologe sieht darin auch das schlechte Gewissen einer alternden Gesellschaft gegenüber den letzten Minderjährigen. Die Folge ist Chaos im Kinderzimmer - ein Haufen Plastikmüll, der nach kurzer Zeit unbrauchbar wird, und für die Fantasie bleibt immer weniger Raum.

Der Spielforscher Professor Dr. Jens Junge warnt vor einem destruktiven Overkill und rät zu einem radikalen Schnitt: Einen Großteil des Spielzeugs im Keller deponieren und nur sieben Spielsachen im Kinderzimmer behalten. Ingetraud Palm-Walter von der Initiative "spiel gut", die seit über 60 Jahren neue Produkte testet, kämpft gegen den Trend zu Plastikware und erzählt im Interview, wie sich das Spielzeug in den letzten Jahrzehnten verändert hat und warum Kinder in Spielzeugabteilungen heute häufig überfordert sind.

* Sich selbst ein Bild machen: eine Analyse des "Selfies"
Selfies sind die bisher erfolgreichste Bildgattung der Sozialen Medien. Dass man ihren Urhebern oft Narzissmus vorhält, wird ihren vielfältigen Funktionen jedoch nicht gerecht. Mit Selfies setzen sich die Akteure der Sozialen Medien vielmehr in jeweils anderen Rollen in Szene: Spielerisch, neckisch, provozierend. Die Grimassen und digitalen Nachbearbeitungen von Selfies stehen in einer langen kulturgeschichtlichen Tradition von Masken und Theaterspiel. Mit Selfies machen Personen sich selbst zum Bild; damit entsteht durch sie nicht weniger als eine neue Form von öffentlichem Leben, das in der Moderne - im Anschluss an Richard Sennett - oft totgesagt worden ist. Der Leipziger Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich zeigt, dass Selfies als erster Typus einer demokratisierten wie auch einer globalisierten Bildkultur gelten können - und dass sich in ihnen lang gehegte Utopien erfüllen.

* Steine statt Grün - die Zukunft des Gartens?
Sie gelten als pflegeleicht: Schottergärten als Vorgarten. Gärten des Grauens. Modern, unkrautfrei und pflegeleicht. Vor allem in Neubaugebieten sind sie immer häufiger zu sehen. Anstelle artenreicher Pflanzungen: Steinwüsten. Nicht nur bei Gartenbesitzern, auch bei Stadtverwaltungen ist dieser Trend verstärkt zu beobachten. Viele Gärtner und Naturschützer beklagen verheerende Folgen für Vögel und Insekten. Der Biologe Ulf Soltau dokumentiert auf Fotos in sozialen Netzwerken Vorgärten, in denen nichts mehr grün ist. Statt Tulpen und Narzissen sieht man Steine, Kies und sogar Glasscherben, die einen Gartenteich vorgaukeln sollen. Derlei gestalterische Verirrungen kommentiert Soltau mit Bildunterzeilen wie "Wege aus der Artenvielfalt" oder "Das neue JVA-Gartendesign". Mit seinem Blog "Gärten des Grauens" versucht er seit zwei Jahren, ein Zeichen für einen naturgerechteren Gartenbau setzen. Heute hat er mehrere Zehntausende Leser, aber auch Feinde, die ihn als "Blockwart" beschimpfen.

* Kulturkalender
- "Stefan Wewerka - Dekonstruktion der Moderne" - Ausstellung zu dem gebürtigen Magdeburger im Forum Gestaltung Magdeburg, bis14.7.2019
- "Die feinen Unterschiede" - Theaterperformance zu Klassen/Klassendenken/Klassengesellschaft in der Schaubühne Lindenfels, Premiere: 3.5.
- Der Thüringer Musiker Martin Kohlstedt bringt ein neues Album heraus, in Kooperation mit dem Gewandhaus-Chor. VÖ: 3.5., Release-Konzert in Leipzig (Philippuskirche) am 4.5.