Szenenbild aus der Serie "Bonusfamilie"
Die Bonusfamilie (v.l.n.r.) Anna Schäfer (Rolle: Katja), Levis Kachel (Rolle: William), Fillin Mayer (Rolle: Eddie), Inez Björg David (Rolle: Lisa), Steve Windolf (Rolle: Martin), Lucas Prisor (Rolle: Patrick) und Louise Sophie Arnold (Rolle: Bianca) Bildrechte: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

Remake der schwedischen Erfolgsserie "Bonusfamilie" – Patchworkfamilie zwischen Chaos und Harmonie

Protagonisten der Serie "Bonusfamilie" sind zwei ehemalige Paare mit insgesamt drei Kindern. Im Mittelpunkt stehen Lisa und Patrick, zwei der Eltern. Sie haben sich neu verpaart und die anderen beiden sind sozusagen übrig. Reibungsflächen sind also vorprogrammiert, auch unter den Kindern. Isabel Braak hat beim Remake der schwedischen Serie Regie geführt. Was den besonderen Reiz ausmachte und warum sie die wechselhafte Interaktion der Rollen so fasziniert, berichtet sie im MDR KULTUR-Gespräch.

Szenenbild aus der Serie "Bonusfamilie"
Die Bonusfamilie (v.l.n.r.) Anna Schäfer (Rolle: Katja), Levis Kachel (Rolle: William), Fillin Mayer (Rolle: Eddie), Inez Björg David (Rolle: Lisa), Steve Windolf (Rolle: Martin), Lucas Prisor (Rolle: Patrick) und Louise Sophie Arnold (Rolle: Bianca) Bildrechte: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

MDR KULTUR: Die deutsche Serie "Bonusfamilie" ist das Remake der in Schweden sehr erfolgreichen Serie gleichen Titels. Wie geht man da als Regisseurin ran? Schaut man sich das Original an – oder schaut man es sich bewusst nicht an?

Isabel Braak: Da gibt es sicherlich unterschiedliche Ansätze. Bei mir war es damals so, dass ich, bevor ich die Drehbücher bekommen habe, zur Anfrage nur die Serie hatte. Also es hieß: wir planen, diese Serie zu Remaken, schau doch mal rein!

Szenenbild Bonusfamilie
Die Kinder kommen unterschiedlich mit ihrer Situation zurecht Bildrechte: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

Ich hatte gerade noch einen anderen Film gedreht und hab dann abends immer zum Feierabend in die Serie reingeschaut und war dann aber auch sofort so süchtig danach, so begeistert von dem Stoff und von der Erzählweise, dass ich auch die ersten beiden Staffeln sogar durchgeschaut hab. Das heißt, ich habe sie definitiv gesehen und später, als dann klar war, dass ich wirklich drehe, habe ich sie mir tatsächlich auch unter anderen Gesichtspunkten nochmal angeschaut.

Erhöht es den Druck, wenn man weiß, dass die Serie im Original sehr erfolgreich gelaufen ist? Man will es ja nicht schlechter machen.

Absolut! Und dadurch, dass ich die Serie so toll fand, will ich nicht von Druck sprechen sondern eher einfach von Respekt der Serie gegenüber und er Arbeit, die die Schweden dort gemacht haben, es ganz wunderbar umgesetzt haben. Aber ich habe es eher als Herausforderung gesehen. Ich hatte ja vorher auch noch nie ein Remake gemacht. Und ich fand es spannend, jetzt damit umzugehen und auch die Stellen zu suchen, die man vielleicht anders machen kann.

Szenenbild Bonusfamilie
Wer sind die Eltern von William? Bildrechte: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

Die Serie "Bonusfamilie" ist kein Drama, aber es ist auch keine Komödie. Wie sind Sie die Thematik angegangen? Worauf kam es Ihnen an?

Das fand ich gerade so toll, dass es eben kein klares Genre ist. Es ist nicht nur witzig, es ist nicht nur traurig – und das macht die Serie für mich so natürlich.

Also wie im wirklichen Leben!

Ja genau, absolut! Und das war dann auch mein Ansatz. Ich wollte eigentlich gar nicht, dass das jetzt in eine bestimmte Richtung gedrängt wird. Nicht zu lustig, nicht zu traurig ist, sondern eben einfach das abbildet, was es ist. Ab und zu hat man den totalen Spaß und liebt das Leben und alles ist super, auch in dieser Familie. Und dann, im nächsten Moment, ist schon wieder das totale Chaos da. Und ja, das ist es einfach lebensnah.

Szenenbild Bonusfamilie
Die Liebe mischt manchmal die Karten des Zusammenlebens neu Bildrechte: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

Was war Ihnen bei der Darstellung der Akteure und ihrer Probleme wichtig? Dass sich die Zuschauenden identifizieren können? Dass sie für den einen oder den anderen Partei ergreifen – oder gerade nicht?

Doch, Identifikation ist für mich natürlich immer das Wichtigste. Das ist ganz toll, wenn sich die Zuschauer identifizieren können. Aber ich finde, das wechselt immer. Auch für mich selber. Dann bin ich mal mehr bei Lisa und Patrick, das neue Paar, die jetzt versuchen, zusammenzuhalten. Und dann geht mir vielleicht mal Katja, die Ex von Patrick auf die Nerven, weil sie gerade irgendwie sehr hart mit Dingen umgeht. Und im nächsten Moment macht Katja aber wieder etwas, was mich total auf ihre Seite zieht. Oder Martin, der Ex Partner von Lisa, der jetzt bei seiner Mutter wieder einziehen muss. Meistens findet man ihn lustig und lacht vielleicht über ihn und dann bewundert man aber auch die Art, wie er damit umgeht. Also, es wechselt dauernd.

Szenenbild Bonusfamilie
Manchmal ist es emotional – für Große und Kleine Bildrechte: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

Und das heißt, es gibt nicht die eine Identifikationsfigur. Sondern: ich persönlich – auch als Zuschauer der eigenen Serie und auch während des Drehens – ich bin immer wieder bei einer anderen Figur. Also, ich habe keinen klaren Sympathen. Und das fand ich super spannend.

Der Stoff ist modern erzählt – horizontal – also nicht in den klassischen 90 Minuten. Man nimmt sich sehr viel mehr Zeit mit sechs Mal 45 Minuten Serienformat. Welche zusätzlichen Möglichkeiten bietet das?

Jede Folge hat zwar irgendwie ihr eigenes Thema, es wird immer wieder ein neues Abenteuer verhandelt. Aber es bietet die Möglichkeit, die Figuren wirklich auch im Laufe der Zeit bei ihrer Entwicklung zu beobachten. Und nach jeder Folge, nach jedem Erlebnis, nach jeder Woche haben die ja schon wieder komplett neue Erfahrungen gesammelt und können sich so weiterentwickeln. Und das finde ich super an der horizontalen Erzählweise.

Ist eine Fortsetzung geplant oder wartet man jetzt erst einmal ab, wie es bei den Zuschauern ankommt?

Darauf wartet man jetzt erst mal ab. Bis jetzt waren die Stimmen sehr positiv und alle hätten definitiv Lust auf eine Fortsetzung. Also von daher: hoffen wir das Beste!

Das Interview führte Annette Militz für MDR KULTUR

Über die Serie "Bonusfamilie" Serie in sechs Folgen zu jeweils 45 Minuten, , Das Erste 2019
Nach der schwedischen Vorlage "Bonusfamiljen"

Regie: Isabel Braak
Buch: Antonia Rothe-Liermann

Die Rollen und ihre Darsteller:
Martin – Steve Windolf
Biggi – Swetlana Schönfeld
Katja – Anna Schäfer
Lisa – Inez Bjørg David
Patrick – Lucas Prisor
Eddie – Fillin Mayer
Tessa – Maxine Kazis
William – Levis Kachel
Hendrik – Matthias Lier
Püppchen – Irene Rindje
Bianca – Louise Sophie Arnold

TV-Sendetermine:
Folge 1+2 | Mi, 20.11.2019 | 20:15 Uhr, Wdh. 00:20 Uhr | Das Erste
Folge 3+4 | Mi, 27.11.2019 | 20:15 Uhr, Wdh. 00:20 Uhr | Das Erste
Folge 5+6 | Mi, 04.12.2019 | 20:15 Uhr, Wdh. 00:20 Uhr | Das Erste

Alle sechs Folgen sind schon "online first" in der ARD-Mediathek zu sehen. (verfügbar bis 13. Mai 2020)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. November 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 17:36 Uhr

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