Eine Gruppe bestehend aus neun Personen posiert als Familie auf einem Sofa.
"Patchwork" heißt eigentlich "Flickwerk" - doch vielleicht lässt sich aus der Vielfalt auch eine große Familie formen Bildrechte: Ulrika Malm

Schwedische Serie Mehr als Alltagsleben: "Die Patchworkfamilie"

Die Schweden können nicht nur spannende Krimis drehen, auch wenn das der skandinavische Exportschlager ist. Jetzt haben sie mit der Serie "Die Patchworkfamilie" ein ebenso alltägliches wie spannendes Thema aufgegriffen: das Leben in einer zusammengesetzten Familie. Und die Idee ist aufgegangen, die Serie des schwedischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders SVT weiß zu begeistern. Zwei Staffeln mit jeweils zehn Folgen wurden bislang auch in Deutschland gezeigt, eine dritte ist angekündigt.

von Claudia Bleibaum, MDR KULTUR-Redakteurin

Eine Gruppe bestehend aus neun Personen posiert als Familie auf einem Sofa.
"Patchwork" heißt eigentlich "Flickwerk" - doch vielleicht lässt sich aus der Vielfalt auch eine große Familie formen Bildrechte: Ulrika Malm

Das fängt ja gut an, zwei Männer und zwei Frauen Mitte dreißig sitzen beim Therapeutenpaar. Lisa (Vera Vitali) und Patrick (Erik Johansson) beginnen ein neues Leben. Sie haben sich verliebt und wollen alles richtig machen mit den Kindern und den Ex-Partnern im Hinterland. Während sich Katja (Petra Mede), die Exfrau von Patrick, gut arrangiert, ist Martin (Fredrik Halgren) immer noch wütend und verliebt in Lisa.

Wenn man was für die Kinder tun will, tut man sich 'nen Vergnügungspark an, statt sich scheiden zu lassen. Ihr habt ihre ganze kleine Welt zerstört. Seine Kinder zu beschützen geht anders. Oder bin ich bescheuert?

Martin, Figur aus der Serie "Die Patchworkfamilie"
Still aus dem Trailer "Bonusfamilijen" ("Die Patchworkfamilie")
Lisa (Vera Vitali) und Patrik (Erik Johansson) wollen ihr familiäres Zusammenleben positiv gestalten Bildrechte: FLX Production

Die Kinder sollen nicht unter der Trennung der Eltern leiden und sich auch noch gut verstehen. Was im Fall der beiden zehnjährigen Jungs Eddi und William so gar nicht funktioniert, weil sie zwar gleich alt sind, aber sonst keine Gemeinsamkeiten haben. So gerät beispielsweise die gemeinsame Geburtstagsfeier für die Jungs zur Katastrophe. Als Mutprobe springen Sie vom Dach und verletzten sich, was für die nächste Katastrophe sorgt.

Wirkliche Probleme schwerelos erzählt

Die Leichtigkeit, mit der hier echte Probleme behandelt werden, ohne sie lächerlich zu machen, ist ein großes Plus der Serie. Ein wenig Bullerbü tut der Seele gut. Der Verzicht auf existentielle soziale Probleme öffnet den Raum für den zwischenmenschlichen "Rest".

Vera Vitali in Venedig auf dem Roten Teppich
In Deutschland ist Vera Vitali auch durch die Verfilmung der Schwedenkrimis von Arne Dahl bekannt geworden. Bildrechte: imago/Independent Photo Agency

Hinter "Die Patchworkfamilie" steckt der Schauspieler Felix Herngren, der die Geschichten gemeinsam mit seiner Schwester Moa Herngren und seine Ehefrau Clara entwickelt hat. Es ist also auch im wirklichen Leben ein echtes Familienprojekt. Die Autoren nehmen ihre Figuren ernst und da sie sich auf keine Seite schlagen, wachsen dem Zuschauer alle Figuren ans Herz.

Dabei erkennt jeder, der selbst eine Patchwork-Familie betreibt, viele Situationen wieder. Ob die Pendelei der Kinder zwischen Mutter und Vater, Stress im Job oder die Frage, wann man neue Partner mit nach Hause bringt. Als Zuschauer fiebert man bei den beiden bislang erschienenen Staffeln mühelos mit. Das liegt auch an der tollen Besetzung bis in die Nebenrollen, besonders auch die Kinder spielen überzeugend.

Ein toller dramaturgischer Kniff sind die Sitzungen von Patrik und Lisa beim Therapeutenehepaar Jan und Ilvar. Das bringt mit dem Alt-68er-Appeal und eigenen Beziehungsbaustellen eine amüsante akademische Reflexionsebene in die Serie.

In Deutschland läuft die Serie (leider) nur auf Netflix. Zwei Staffeln mit jeweils zehn Folgen gibt es bereits. Staffel drei ist für das kommende Jahr angekündigt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Dezember 2018 | 09:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2018, 14:56 Uhr

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