Bryan Cranston als Walter «Walt» Hartwell White und Aaron Paul als Jessie Pinkman in einer Szene der Serie «Breaking Bad».
In "El Camino – Ein Breaking Bad Film" spielt Aaron Paul als Jesse Pinkman die Hauptrolle Bildrechte: Frank Ockenfels 3/Sony Pitures

"Downton Abbey", "Breaking Bad" und die "Sopranos" Warum Serien auch als Kinofilm funktionieren

Einige längst abgeschlossene Serien werden nun in Spielfilmen weitererzählt: Ob die Flucht von Jesse Pinkman in "El Camino", ein Königsbesuch in Downton Abbey oder die Jugend von Tony Soprano. Ist dieses Konzept erfolgsversprechend? Für die Zuschauerzahlen auf jeden Fall. Doch nicht immer profitieren davon die Kinos, sondern auch Streaminganbieter wie Netflix.

Juliane Streich, Autorin für MDR KULTUR
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Juliane Streich, MDR KULTUR

Bryan Cranston als Walter «Walt» Hartwell White und Aaron Paul als Jessie Pinkman in einer Szene der Serie «Breaking Bad».
In "El Camino – Ein Breaking Bad Film" spielt Aaron Paul als Jesse Pinkman die Hauptrolle Bildrechte: Frank Ockenfels 3/Sony Pitures

Was haben Alf, Mulder und Scully und Homer Simpson gemeinsam? Sie alle waren erst Serienhelden, bevor sie es auf die große Kinoleinwand geschafft haben. Es ist also kein neues Phänomen, dass erfolgreiche Fernsehserien noch einmal fürs Kino verfilmt werden.

Im Kino "Babylon Berlin" bingen

Doch hat sich Serienschauen seit "Alf" stark gewandelt. War man in den Achtzigern und Neunzigern noch auf Fernsehausstrahlung und wöchentliche Termine angewiesen, ist es dank DVD-Boxen, Streaminganbietern und Mediatheken längst möglich, ganze Staffeln hintereinander weg zu schauen, wenn einem danach ist (und man sonst keine Verpflichtungen hat). Dass Netflix und Co. daher große Konkurrenz fürs Kino sind, wird immer wieder diskutiert. Nimmt man sich gegenseitig die Kunden weg? Wer will noch ins Kino gehen, wenn er zu Hause eine ganze Serie sehen kann? Doch schließen sich Serien und Kino nicht unbedingt aus. Das ließ sich zum Beispiel bei "Babylon Berlin" beobachten, als an einem Wochenende in zahlreichen deutschen Kinos Dauer-Vorstellungen angeboten wurden: Acht Folgen an einem Abend, acht am zweiten Abend.

Für die nostalgischen Fans

Buttler Charles Carson
Die Trennung von "Downton Abbey" fällt schwer Bildrechte: imago images / Prod.DB

Aber auch die Verfilmung von Serien extra fürs Kino ist weiterhin ein erfolgsversprechendes Konzept. Das aktuellste Beispiel: "Downton Abbey". Nach sechs Staffeln war die Serie über eine britische Adelsfamilie im Dezember 2015 eigentlich abgeschlossen. Jetzt, vier Jahre später, kehren fast alle bekannten Gesichter wieder zurück – und zwar ins Kino. "Wie sich herausstellen sollte, war das Publikum noch nicht bereit, sich von den Crawleys und ihren Bediensteten zu trennen", sagt Drehbuchautor Julian Fellowes über die Motivation, diesen Film zu machen.

Da die Serie seit Jahren beendet ist, hatte ich das Gefühl, dass es nun an der Zeit war, den Fans eine Rückkehr nach Downton Abbey zu ermöglichen.

Gareth Neame, Produzent von "Downton Abbey"

Beide beschreiben den Hauptgrund, warum Serien lange nach ihrem Ende noch einmal ein Comeback als Spielfilm feiern: die Nostalgie und treue Liebe der Fans. Und vor allem natürlich, dass die dann hohe Zuschauerzahlen für den Spielfilm versprechen. Ein Prinzip, dass schon bei "Sex & the City", "Drei Engel für Charlie" oder "Star Trek" aufging, die sich zudem auch Menschen anschauten, die die Serie gar nicht kannten. Dass der Name einer guten berühmten Serie aber nicht unbedingt Qualität und Erfolg garantiert, zeigen auch Flops wie "Akte X" oder "Twin Peaks – der Film".

Für jeden Charakter eine Episode

Aber was ist der Unterschied von einem Spielfilm zu einer Serie, deren Episoden eh schon jeweils etwa eine Stunde dauern? "Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass in einer Fernsehserie mit zwanzig Charakteren jeder ein paar Episoden bekommt, in denen er im Vordergrund steht und ein paar, bei denen das nicht der Fall ist. Im Film hat man aber nur etwa zwei Stunden Zeit, um die Geschichten dieser zwanzig Charaktere zu erzählen.", sagt Produzent Neame.

Filmszene: Laura Carmichael, Elizabeth McGovern und Michelle Dockery stehen zusammen
Filmszene aus "Downton Abbey" Bildrechte: imago images / Prod.DB

Das Drehbuchschreiben ist aber sowieso anders. "Bei einem Theaterstück, einem Musical oder den meisten Filmen schreibt man das Drehbuch und ist – normalerweise – damit fertig, bevor es besetzt wird", sagt Drehbuchautor Fellowes. "Bei 'Downton Abbey' war das anders: Ich kannte die Charaktere schon und hatte gesehen, wie die Schauspieler ihnen Leben einhauchten."

Mehr Zeit beim Filmdreh

Für die Schauspielerinnen und Schauspieler ist es dann vor allem der Zeitfaktor, der den Film von der Serie unterscheidet. "Man kann sich für eine Szene viel mehr Zeit lassen", sagt Brendan Coyle, der Mr. Bates spielt. "Wenn wir für die Serie fünf oder sechs Drehbuchseiten pro Tag geschafft haben, waren es hier vielleicht zwei oder drei."

Wer spielt Tony Soprano?

James Gandolfini
James Gandolfini als Tony Soprano Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Problematisch wird die Serienverfilmung, wenn der Hauptdarsteller in der Zwischenzeit verstorben ist – so wie James Gandolfini, der Tony Soprano verkörperte, Familenoberhaupt der italo-amerikanischen Mafiafamilie "Die Sopranos". Die Geschichte über den Mafia-Boss, der sich in Psychotherapie begeben muss, zählt zu den am besten erzählten Serien überhaupt. Obwohl Gandolfini im Juni 2013 starb, wird es nun auch einen Sopranos-Spielfilm geben, der allerdings in den Sechzigern und damit vor dem Beginn der Serie spielt. Für die Besetzung der Hauptrolle hat Sopranos-Macher David Chase eine sehr passende Wahl getroffen: Michael Gandolfini, der 19-jährige Sohn von James Gandolfini wird in die Fußstapfen seines Vaters treten und den jungen Tony Soprano spielen. Der Film soll 2020 in die Kinos kommen.

Film zu "Breaking Bad" schon im Oktober

El Camino - Breaking Bad Movie
Filmplakat zu "El Camino" Bildrechte: Netflix

Weitaus schneller als erwartet kommt der Spielfilm zu "Breaking Bad", dessen Dreharbeiten lange Zeit geheim gehalten wurden und unter dem Arbeitstitel "Greenbrier" stattfanden. Doch nun werden immer mehr Details für "El Camino – Ein Breaking Bad Film" bekannt. Nachdem die Serie über den Drogen kochenden Chemieprofessor Walter White 2013 nach fünf aufregenden Staffeln mit einem großen Finale endete, in dem Whites Assistent Jesse Pinkman fliehen konnte, soll der Spielfilm nun zeigen, wie es auf seiner Flucht weiterging. Und die Aufregung im Netz über jede kleine Information, die über den Film bekannt wird, zeigt, wie groß die Fan-Community ist. Die letzte Folge der Serie sahen allein in den USA mehr als zehn Millionen Menschen.

Die Kinos werden aber von den erwartungsgemäß hohen Zuschauerzahlen nicht profitieren. Denn die Filmrechte hat sich Netflix gesichert. Dort kann man "El Camino" ab 11. Oktober sehen.

Mehr Serien

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial | 13. Juni 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 04:00 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren