Serieszene aus "Der Name der Rose"
John Turturro und Damian Hardung als Mönche in der neuen Serie "Der Name der Rose" Bildrechte: imago images / Prod.DB

Kritik Lohnt sich "Der Name der Rose" als Serie?

Umberto Ecos "Der Name der Rose" war ein gigantischer Bestseller, die Verfilmung mit Sean Connery erreichte ein Millionenpublikum. Jetzt haben die italienische RAI und Tele München den Roman neu verfilmt – diesmal als achtteilige Serie. In Deutschland läuft sie jetzt bei Sky, in Kürze folgt die DVD. Mit John Turturro, Rupert Everett und Sebastian Koch ist die Serie toll besetzt – aber mit der Ästhetik von "Game of Thrones" kann sie nicht mithalten, findet unser Kritiker.

von Jörg Taszman, MDR KULTUR

Serieszene aus "Der Name der Rose"
John Turturro und Damian Hardung als Mönche in der neuen Serie "Der Name der Rose" Bildrechte: imago images / Prod.DB

Die Handlung spielt 1327 zur Zeit eines Kirchenkrieges, in Avignon residierte der "französische" Papst Johannes XXII., der in heftige Auseinandersetzungen mit dem deutschen Kaiser Ludwig von Bayern verstrickt war und gleichzeitig im sogenannten "Armutsstreit" die Franziskaner bekämpfte.

Die Hauptfigur William von Baskerville, in der Serie gespielt von John Torturro, ist Franziskaner und soll zwischen dem Papst und dessen Gesandtschaft um den Inquisitor Bernard Guy und den Vertretern der Franziskaner in der Bendiktinerabtei in Ligurien verhandeln. Gleichzeitig geschehen in diesem Bendiktinerkloster grausame Morde, die William von Baskerville zusammen mit seinem Adlatus Adson von Melk aufklären soll.

Die größten Unterschiede zwischen Film und Serie

Serieszene aus "Der Name der Rose"
Papst Johannes XXII. in der Serie "Der Name der Rose" Bildrechte: imago images / Prod.DB

Im Vergleich zum Film mit Sean Connery von 1986 liefert die Serie mehr Hintergrund zu den Figuren. Die historische und kirchengeschichtliche Komponente wird stärker ausgeleuchtet. Die Verfilmung von Jean Jacques Annaud beschränkte sich fast nur auf den Kriminalfall und wirkte in der Darstellung der Mönche auf mich oft wie eine Freakshow.

Die Serienmacher versuchen ansatzweise auch mal philosophische, religiöse und politische Diskussionen in Rededuellen zwischen dem Inquisitor und William von Baskerville mit einzubauen. Aber eine wirkliche philosophische Ebene kommt auch diesmal nicht vor. Es gibt insgesamt mehr Schausplätze und diverse Rückblenden, insgesamt mehr Figuren und stärkere Frauenrollen.

Bessere Besetzung als bei Verfilmung von 1986

Mit wachem Verstand geht der Franziskanerpater William von Baskerville (Sean Connery) einer Mordserie auf den Grund.
Sean Connery spielte 1986 den Mittelalter-Ermittler William von Baskerville. Bildrechte: MDR/Degeto

Hauptdarsteller John Turturro hat am Drehbuch mitgeschrieben und spielt authentisch. Auch Rupert Everett ist sehr überzeugend als Inquisitor. Ebenso gern sieht man Sebastian Koch als machtbesessenen Kriegervater des jungen Adson von Melk, dem jungen Adlatus von William von Baskerville, der vom jungen deutschen Schauspieler Damian Hardung gut gespielt wird.

Mir gefällt dieser neue Cast wesentlich besser als damals in der Verfilmung mit Sean Connery, dem man den Mönch einfach nicht abnahm, und dem damals 16-jährigen Christian Slater, der viel zu sehr wie ein amerikanischer Teenager agierte.

Ästhetisch: Fernsehen von Gestern

Serieszene aus "Der Name der Rose"
Michael Emerson (li) und Rupert Everett (re) in der Serie "Der Name der Rose". Bildrechte: imago images / Prod.DB

Dennoch merkt man der Serie an, dass sie eine klassische europäische Fernseh-Koproduktion ist. Sie folgt eher einer klassischen TV-Ästhetik, die in den 80er- und 90er-Jahren verhaftet ist. Es gibt zu viele Großaufnahmen mit Schuss-Gegenschuss, nur selten hat das Leinwandpotential. Der ästhetische Vergleich zu "Game of Thrones" fällt klar zu Ungunsten dieser europäischen TV-Produktion aus. Da erwartet man heute auch auf dem "kleinen" Bildschirm mehr, zumal die Größe der Displays von Fernsehern um einiges zugenommen hat.

Fazit

Insgesamt ist die Serie durchaus sehenswert mit interessanten neuen Ansätzen, und gut gespielt bis in die Nebenrollen. Meistens ist sie packend, verliert aber gegen Ende etwas an Spannung. Und ästhetisch gesehen ist es leider eher Fernsehen von Gestern.

Angaben zur Serie "Der Name der Rose": Miniserie, 8 Folgen, je ca. 50 Minuten
bei Sky seit 24. Mai 2019
als DVD ab 18. Juni 2019

Genre: Drama
Produktionsland: Italien
Originalsprache: Englisch

produziert von Palomar, Rai Fiction, Tele München Gruppe

Besetzung:
John Turturro (als William von Baskerville)
Damian Hardung (als Adson von Melk)
Rupert Everett (als Bernardo Gui)
Michael Emerson (als der Abt)
Nina Fotaras (als das Mädchen)
Sebastian Koch (als Vater des jungen Adson von Melk)
u.a.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Mai 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 08:40 Uhr

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