Serie "The Crown"
In der dritten Staffel spielt Olivia Colman Queen Elizabeth II. Bildrechte: Netflix

Start der dritten Staffel "The Crown": Christian Schwochow erzählt das Leben der Queen weiter

Wenn das britische Königshaus im Moment in den Schlagzeilen ist, dann geht es entweder um den von der Klatschpresse erfundenen Bruderzwist zwischen Prinz William und Prinz Harry und ihre vermeintliche Entfremdung oder die Abwesenheit der Queen beim Brexit. Ansonsten erfahren wir sehr wenig vom Treiben hinter den Mauern des Buckhingham Palace. In der Netflix-Serie "The Crown" kann man zumindest historisch eintauchen in die Ära der Queen. Die ersten beiden Staffeln erzählten von der frühen Regentschaft von Queen Elizabeth: Pompös, groß, teuer. Ab dem 17. November ist Staffel Drei online – mit zwei der zehn Folgen unter der Regie des deutschen Regisseurs Christian Schwochow.

von Anna Wollner, MDR KULTUR

Serie "The Crown"
In der dritten Staffel spielt Olivia Colman Queen Elizabeth II. Bildrechte: Netflix

"Das Tolle ist ja: Ich war Fan von 'The Crown'", sagt Regisseur Christian Schwochow über die Anfrage, zwei Folgen von "The Crown" zu inszenieren. "Wenn du Scheiße findest, wie das aussieht, dann geh' da nicht hin, dann werde dort nicht Regisseur, das ist einfach klar", findet Schwochow. "Du kannst die vorentwickelte Grammatik der Show nicht verändern, aber das wäre mir auch überhaupt nicht eingefallen." Doch als Fan der ersten beiden Staffeln war es für ihn eine Ehre, als erster Deutscher überhaupt zwei Folgen, Episode fünf und Episode sechs, als Regisseur inszenieren zu dürfen.

Ich liebe es, mich reinzuwerfen in fremde Welten, wenn es dort etwas gibt, was mich wirklich interessiert.

Christian Schwochow, Regisseur

Und die Figur der Elizabeth, einer Frau, die einerseits unendliche Privilegien habe, aber gleichzeitig in einem Gefängnis wohne und mit ihrer ganzen Familie agieren müsse, fand Schwochow so spannend, dass er gerne in die Recherche gegangen sei.

"Endlich etwas mehr Dreck"

Christian Schwochow, 2015
Regisseur Christian Schwochow Bildrechte: dpa

Unterstützung hatte er dabei von einem siebenköpfigen Recherche-Team und von Drehbuchautor und "The Crown"-Erfinder Peter Morgan. Und doch konnte er früh seine eigenen Akzente setzen, der Serie um die Regentschaft Queen Elizabeths II. eine neue Emotionalität verleihen. "Wir haben sehr schnell überlegt, dass die 60er-Jahre doch eine Zeit waren, wo auch nicht alles so sauber war", erzählt Schwochow. "The Crown" sei durch die großen Räume und aber Paläste sehr sauber gewesen und sie hätten versucht, ein bisschen Schmutz reinzubringen. "Da ist jemand wie Peter plötzlich irgendwie völlig ekstatisch geworden und hat gesagt: 'Geil, das ist doch toll, endlich mal ein bisschen mehr Dreck bei uns – warum haben wir das nicht schon vorher gemacht?'"

Inhaltlich schließt die dritte Staffel nahtlos an die Vorgänger an, widmet sich der Regentschaft von 1964 bis 1977, dem Tag des 25. Jährigen Thronjubiläums. Mit einer Queen, geplagt von Selbstzweifeln und Selbstkritik.

Zum ersten Mal Schwochow, zum ersten Mal Prinz Charles

Serie "The Crown"
Die Queen (Olivia Colman) an der Seite von Prinz Philipp (Tobias Menzies). Bildrechte: Netflix

Jede Folge hat einen eigenen Schwerpunkt, erzählt eine Geschichte jenseits des Bekannten. In Folge Drei geht es zum Beispiel um die Aberfan-Katastrophe, als 1966 bei einem Rutsch einer Kohlehalde 144 Menschen ums Leben kamen, darunter 116 Kinder. Weiter geht es um eine Midlife-Krise von Prinz Philipp, um Prinzessin Margarets Unzufriedenheit mit ihrer Ehe, um den Wunsch der Queen nach einem normalen Leben ohne Pflichten und um den jungen Prinz Charles, der vor seiner Krönung zum "Prince of Wales" ein Jahr in Wales verbringen soll, in einer Zeit voller politischer Unruhen und Attentate. Charles soll die Sprache lernen und Frieden stiften, trifft auf den besten Walisisch-Lehrer des Landes, ein strenger Nationalist, der das Königshaus ablehnt.

Es ist die erste Folge von Schwochow und die erste Folge von Prinz Charles. "Das ist so eine große Geschichte, die zwischen den beiden entsteht: mehr als eine Lehrer-Schüler-Beziehung, sondern sie lernen beide voneinander", erklärt Schwochow. Das Tolle daran sei, dass die Geschichte wahr sei. Er habe den über 90-jährigen Mann getroffen und ihm die Folge gezeigt. "Ich kriege jetzt noch eine Gänsehaut", sagt Schwochow.

Dritte Staffel hält das Niveau

Serie "The Crown"
Das Schauspielensemble wurde ausgetauscht: In Staffel Drei spielt Helena Bonham Carter (Mitte) Prinzessin Margaret. Bildrechte: Netflix

"The Crown" – mit einem neuen Schauspielensemble um Olivia Colman als Queen Elizabeth, Helena Bonham Carter als Prinzessin Margaret, Tobias Menzies als Prinz Philipp und Josh O`Connor als Prinz Charles – schafft es, das hohe Niveau der Serie zu halten. Alle spielen, als seien sie von Staffel Eins an dabei gewesen, gerade Colman spielt reserviert, fast schon emotionslos und immer der Rolle angemessen. Sie verkörpert die Queen der unterdrückten Gefühle und zeigt das Dilemma der Royals auf den Punkt: "Wir alle haben Opfer gebracht, uns selbst verleugnet. Es ist keine Entscheidung. Es ist eine Pflicht."

In allen Belangen – von Ausstattung über das Schauspiel bis hin zum Storytelling mit der Kunst über mehrere Episoden zu erzählen, ohne soapig zu werden – ist "The Crown" wieder einmal ganz großes Serienkino. Mit der Erkenntnis, das am Ende die Royals auch nur Menschen sind.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. November 2019 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2019, 04:00 Uhr

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