Empfehlung Düstere Serie "Wasteland" jetzt in ARD-Mediathek

Hankas 14-jährige Tochter Míša verschwindet spurlos. Das Verbechen muss aufgeklärt werden, denn nachdem die Fabrik im Ort geschlossen wurde, gibt es keine Arbeit mehr und das Dorf soll einem Braunkohletagebau weichen. "Wasteland" ist ein düsteres und emotional aufgeladenes Sittenporträt aus dem tschechischen-polnischen Grenzgebiet und ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar.

Plakatmotiv
Plakatmotiv Bildrechte: MDR/HBO Europe s.r.o.
Nachdem Karel (Jaroslav Dušek) von der Polizei verhört wurde, kommt er wieder auf freien Fuß und verschafft sich Zugang zu seinem von der Polizei abgesperrten Wochenendhaus.
Szenenbild "Wasteland" Bildrechte: MDR/HBO Europe s.r.o.

Das tschechische Dorf Pustina am Rande eines Braunkohlereviers. So trüb wie die Winter hier, so trist ist das Leben in der abgehängten Gemeinde nahe der polnischen Grenze. Die einzige große Fabrik im Ort hat dicht gemacht. Nur der Kohletagebau verspricht neue Arbeit, dafür muss das Dorf weichen. Laut Drehbuchautor Stepán Hulík sei Pustina ein fiktiver Ort, den es überall geben könnte. Man solle nicht einen konkreten Ort wiedererkennen, sondern die Stimmung solle erzählt werden.

Es geht darum, das Gefühl zu erzeugen, dass dieser Ort vielleicht ein Dorf ganz in meiner Nähe sein könnte.

Stepán Hulík, Drehbuchautor

Allein Bürgermeisterin Hana Sikorová stemmt sich gegen das Vorhaben. Und setzt sich damit den Anfeindungen derer aus, die auf hohe Ablösesummen und eine bessere Zukunft hoffen. Als plötzlich Hanas jüngere Tochter Míša nicht von der Schule nach Hause zurückkehrt, will niemand so recht an einen Zufall glauben –  der Auftakt für ein atmosphärisch dichtes Verwirrspiel um die Frage "Wer hat es getan?".

Im tschechischen Grenzdorf Pustina machen die Bürgermeisterin Hanka Sikorová (Zuzana Stivínová) und ein Polizist (Karel Zima) eine schreckliche Entdeckung.
Im tschechischen Grenzdorf Pustina machen die Bürgermeisterin Hanka Sikorová (Zuzana Stivínová) und ein Polizist (Karel Zima) eine schreckliche Entdeckung. Bildrechte: MDR/HBO Europe s.r.o.

Bitteres Sozialdrama

Die Anfangsidee habe ein Dorf am Rande eines Braunkohlereviers beinhaltet, von dem bekannt sei, dass unter diesem Dorf noch mehr Braunkohle lagerte. Das dort geschehene Verbrechen muss auch deshalb schnell aufgeklärt werden, weil das Dorf bald weg gerissen werden solle, so Stepán Hulík.

Diese Idee benutzten wir als Spannungsbogen, um der Geschichte eine weitaus größere, gesellschaftliche Dimension zu verleihen, denn es geht natürlich um viel mehr.

Stepán Hulík, Drehbuchautor
Karel (Jaroslav Dušek) stellt eigenmächtig Nachforschungen an, um Míšas Mörder zu finden.
Karel (Jaroslav Dušek) stellt eigenmächtig Nachforschungen an, um Míšas Mörder zu finden. Bildrechte: MDR/HBO Europe s.r.o.

Was wie ein Thriller aussieht, ist eigentlich ein bitteres Sozialdrama. Zwischen Kohlegrube und der Enge der Provinz scheitern die Dorfbewohner an falschen Hoffnungen und fehlenden Perspektiven. Auf der Suche nach ihrer Tochter stößt Hana auf immer tiefere Abgründe. Sie kann niemandem trauen, vor allem nicht ihrem Ex-Mann Karel. Karel, ein zwielichtiger Typ und ein Außenseiter im Dorf, der unter einer bipolaren Störung leidet und zu Gewaltausbrüchen neigt, rückt schon bald in den Fokus der Ermittler. Die düstere Inszenierung mit zum Teil drastischen Szenen, erinnert unweigerlich an das bewährte Erfolgsrezept skandinavischer Noir-Krimis. Erzählungen wie diese folgen gewissen Mustern und Prinzipien, welche die Grundlage guten Erzählens bilden, so Drehbuchautor Stepán Hulík. Er sieht "Wasteland" nicht als Kopie nordischer Krimis oder Agatha Christies Bücher.

Ich glaube nicht, dass "Wasteland" im Programm internationaler Filmfestivals laufen würde, wenn es sich dabei nur um einen gelungenen Abklatsch handeln würde.

Stepán Hulík, Drehbuchautor

"Wasteland" überzeugt nicht nur mit präzisen und beklemmenden Bildern einer beraubten Region, sondern auch mit einem herausragenden Cast. Die achtteilige HBO-Miniserie zeichnet das eindringliche Sittenbild eines Dorfes, das sich mit seinem Niedergang und der Frage konfrontiert sieht: Wie weit sind Menschen bereit zu gehen im Kampf, um die eigene Existenz?

Alice Nellis und Ivan Zacharias
Regieführende von "Wasteland": Alice Nellis und Ivan Zacharias Bildrechte: imago images / CTK Photo

Mehr Informationen Die Serie "Wasteland" ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. November 2020 | 08:40 Uhr