Jahresrückblick Die besten komischen Serien des Jahres 2019

Juliane Streich, Autorin für MDR KULTUR
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Seltsame Charaktere, überraschende Geschichten: 2019 hat ein paar wunderbare Serien hervorgebracht. Vier Empfehlungen für lustige, abgefahrene und abwechslungsreiche Serienabende: "Dead to me" auf Netflix, "Fleabag" von und mit Phoebe Waller-Bridge, "Fett und fett" beim ZDF und "Rampensau" mit Jasna Fritzi Bauer auf Vox.

FLEABAG 2016 TV Serie
Phoebe Waller-Bridge gewann mit "Fleabag" drei Emmys Bildrechte: imago images / Prod.DB

Dead to me

Eigentlich ist die Geschichte tragisch: Die Immobilienmaklerin Jen Harding hat gerade ihren Ehemann durch einem Autounfall verloren. Nun muss sie nicht nur mit ihrer Trauer fertig werden, sondern auch mit dem Mitleid ihrer reichen fancy Nachbarinnen, die ständig Essen vorbeibringen. Doch die Serie "Dead to me" ist ganz und gar nicht tragisch, sondern lustig, spannend und voller überraschender Wendungen, denn Harding trifft in der Trauergruppe die ziemlich verrückte Judy. Eine Serie über Freundschaft, Vergebung, Weitermachen, die nicht kitschig oder pathetisch, sondern mit viel schwarzem Humor, gesellschaftskritischer Beobachtungsgabe und diebischer Freude vom Wahnsinn der Menschen erzählt. In der Hauptrolle: Christina Applegate, die in "Eine schrecklich nette Familie" als Tochter von Al Bundy berühmt wurde, was man bei "Dead to me" aber sofort vergisst.

Szene aus "Dead To Me"
Judy (Linda Cardellini) und Jen (Christina Applegate, rechts) Bildrechte: Netflix

Infos zur Serie "Dead to me", USA 2019
1 Staffel, 10 Folgen, je ca. 30 Minuten
Von Liz Feldman
Mit Christina Applegate, Linda Cardellini, James Marsden u.a.
Abrufbar auf Netflix

Fleabag

Die britische Serie "Fleabag" hat sogar James Bond überzeugt. Daniel Craig persönlich habe wohl darum gebeten, dass Phoebe Waller-Bridge das Drehbuch für den neuen Bond-Film überarbeite. Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Waller-Bridge ihre eigene Serie, bei der sie sowohl das Drehbuch schrieb als auch die Hauptrolle spielt, nun nach nur zwei sehr erfolgreichen und mit Preisen überhäuften Staffeln beendet. In "Fleabag" geht es vor allem um eine etwas gestörte Titelheldin. Gestört, weil ihre beste Freundin gestorben ist. Gestört, weil sie ihren Schmerz mit Sex und Affären betäuben will. Gestört, weil ihre gesamte Familie auch nicht ganz dicht ist. Und gestört auch deswegen, weil sie immer wieder die vierte Wand durchbricht und durch die Kamera direkt mit uns Zuschauern redet. Doch trotz oder vielmehr wegen all dieser Gestörtheit ist Hauptfigur Fleabag sympathisch, witzig, klug, schön, schlagfertig, feministisch und sehr, sehr unterhaltsam.

FLEABAG 2016 TV Serie
Phoebe Waller-Bridge ist Fleabag Bildrechte: imago images / Prod.DB

Infos zur Serie "Fleabag"
Vereinigtes Königreich 2016 –2019
2 Staffeln, 12 Folgen, je ca. 25 Minuten
Von Phoebe Waller-Bridge
Mit Phoebe Waller-Bridge, Sian Clifford, Olivia Colman, Andrew Scott u.a.
Abrufbar bei Amazon Prime

Fett und fett

Jaksch, Ende 20, sitzt bei der Therapeutin. "Was ist Ihr Problem?", fragt die ihn. "Bei mir ist, glaub ich, so im Prinzip alles okay", sagt Jaksch. Etwas antriebslos ist er vielleicht. Kein richtiger Job, keine richtige Freundin. Vielleicht trinkt er auch zu viel, naja. "Ich war doch nicht sechs Jahre auf der Uni und vier Jahre in der Ausbildung, um mir hier die Probleme von einem 30-Jährigen nach dem anderen anzuhören, denen es eigentlich gut geht, die sich aber alle darüber beschweren, dass sie nicht wissen, was sie wollen, sich nicht entscheiden können und sich nicht trauen, ihre Bedürfnisse zu äußern", sagt die Therapeutin entnervt in Richtung Kamera. "Wer will denn so was hören?! Wer will denn so was sehen?!" Anscheinend ziemlich viele. Zuerst hatten die beiden Filmstudenten Chiara Grabmayr (Buch und Regie) und Jakob Schreier (Buch und Hauptdarsteller) ein paar Folgen einfach so gedreht, viele Münchener und dann auch viele Um-die-Dreißig-Jährigen aus anderen Städten und Ländern schauten es auf Vimeo und auf Filmfestivals, bis das ZDF eigene Folgen dieser Lebensgefühl-Serie in Auftrag gab. Und so kann man nun in der ZDF-Mediathek sechs neue  Folgen sehen, wie Jaksch amüsant, betrunken, cool oder melancholisch dabei scheitert, sein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Bulli (Bulgan Molor-Erdene, l.), Janka (Janka Zöllner, 2. v. l.), Jaksch (Jakob Schreier, 2. v. r.) und Svenja (Svenja Bayer, r.) feiern Jakschs Geburtstag bis in den nächsten Morgen hinein
Jaksch (Jakob Schreier, rechts) feiert seinen Geburtstag bis in den Morgen Bildrechte: ZDF/Johannes Brugger

Infos zur Serie "Fett und Fett", Deutschland 2019
1 Staffel, 6 Folgen, je 20 Minuten
Von Chiara Grabmayr
Mit Jakob Schreier, Isabella Wolf u.a.
Abrufbar in der ZDF-Mediathek bis April 2020

Rampensau

Noch eine überraschend gute deutsche Serie. Das liegt vor allem an Jasna Fritzi Bauer, die hier eine 30-jährige erfolglose Schauspielerin spielt, die so jung aussieht, dass man ihr kaum die Volljährigkeit abnimmt. Und so landet sie auf Grunde vieler Verwicklungen, die mit einem missglückten One-Night-Stand, einem unerklärlichen Drogenfund und ihrer Kündigung als Zirkusküken-Darstellerin zu tun haben, als verdeckte Ermittlerin an einem Gymnasium. Bauer spielt die Shiri dabei aufbrausend, unerschrocken, wild, laut, anstrengend, aber dennoch verletzlich und verzweifelt. "Du bist mir einfach zu viel", sagt ihr Freund Jonas am Anfang zu ihr. Doch genau das ist das tolle an "Rampensau". Es darf auch mal zu viel sein. Leider gab es aber nicht zu viele Zuschauer es für die Serie, die von den "Club der roten Bänder"-Autoren eigens für den Fernsehsender Vox produziert wurde und dort leider unterging, aber bei TV Now noch abrufbar ist.

Shiri (Jasna Fritzi Bauer) in "Rampensau"
Shiri (Jasna Fritzi Bauer) in "Rampensau" Bildrechte: TVNOW / Florian Kolmer

Infos zur Serie "Rampensau", Deutschland 2019
1 Staffel, 10 Folgen, je 45 Minuten
Von Arne Nolting und Jan Martin Scharf
Mit Jasna Fritzi Bauer, Peter Schneider, Benjamin Lillie u.a.
Abrufbar bei TV Now und auf DVD

Mehr Serien von 2019

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juni 2019 | 18:05 Uhr

Abonnieren