Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz und Magdeburg stehen auf der Shortlist für "Europas Kulturhauptstadt 2025"

Im Zentrum der sächsischen Stadt Chemnitz steht die Stadthalle mit zwei Sälen und diversen Tagungsräumen.
Im Zentrum von Chemnitz Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Chemnitz, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg gehen in das Rennen um "Europas Kulturhauptstadt 2025". Wie die Jury am Donnerstag in Berlin bekannt gab, stehen sie auf der Shortlist für die Ehrung. Die endgültige Entscheidung über den Titel fällt im Herbst 2020.

Die Jury nannte keine konkreten Begründungen. Die Vorsitzende Sylvia Amann erklärte aber, der Jury sei es um die Frage gegangen, welche Stadt innerhalb weniger Monate die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt umsetzen könne. Bei den ausgewählten fünf Städten habe sie dieses Potential gesehen. Amann wandte sich zugleich an alle Kandidaten: "Sie haben alle gewonnen, Sie haben Ihre Bürger einbezogen, Sie haben Visionen entwickelt." Dass sich so viele Städte engagiert hätten, sei auch ein Gewinn für Europa. Die Zahl der Bewerber habe sie positiv überrascht und sei ein starkes Zeichen - vor allem in diesen schwierigen Zeiten, in denen vieles infrage gestellt werde, ergänzte Amann.

Jubel bei mitteldeutschen Gewinnern

Bei den mitteldeutschen Gewinnern war die Freude groß. Das Team aus Magdeburg erhob sich unter lautem Jubel von seinen Sitzen, als der Name der Stadt als erstes fiel. Oberbürgermeister Lutz Trümper sagte, man habe die ganze Stadt einbezogen. Er selbst habe eine enorme Anspannung gefühlt.

Blick auf die Johanniskirche in Magdeburg
Magdeburg Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Die Freude war auch bei Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra groß. Er sagte kurz nach der Verkündung: "Toll, ich bin begeistert! Ich beglückwünsche Magdeburg". Für die Stadt und für Sachsen-Anhalt sei das eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance. Robra sicherte zu, dass das Land die Stadt weiter unterstützen werde.

Der Chemnitzer Kulturbürgermeister Ralph Burghart sagte: "Ich bin total begeistert und möchte erstmal einen Jubelschrei nach Chemnitz senden." Auch Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange gratulierte und sagte das Weiterkommen sei "eine beeindruckende Anerkennung und ein ermutigender Ansporn". Chemnitz habe die Chance, Vielfalt, Reichtum und historische Verwurzelung des europäischen Gedankens in ganz Sachsen zu zeigen.

Acht deutsche Bewerber

Insgesamt hatten sich acht deutsche Städte um den Titel beworben: Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau. 2025 sollen eine deutsche und eine slowenische Stadt Kulturhauptstadt Europas sein. Der Titel wird von der Europäischen Union seit 1985 vergeben. Es geht darum, kulturelle Vielfalt, gegenseitiges Verständnis und Austausch über die Grenzen hinweg zu befördern.

Bei der Präsentation legten die Bewerber einen Schwerpunkt auf den laufenden Strukturwandel. So stellt sich Chemnitz als Stadt der "Aufbrüche und Umbrüche" vor, die sich unter anderem an der zeitweiligen Umbenennung in Karl-Marx-Stadt zeige. In Anspielung auf den Naturwissenschaftler Otto von Guericke wählt Magdeburg das Motto "Raus aus der Leere" und will "positive Visionen" für seine Zukunft zeichnen.

Hannover plant gemeinsame Projekte mit den englischen Bewerberstädten, die aus dem Kulturhauptstadtverfahren 2023 ausgeschieden sind. Hildesheim wirbt mit seinem Dom und der Michaeliskirche sowie dem landwirtschaftlich geprägten Umfeld und will ein "Gegenmodell des Provinziellen" konzipieren. Nürnberg möchte unter anderem als "Ort der Täter" für das 21. Jahrhundert Konsequenzen aus dem Nationalsozialismus ziehen.

Deutschland stellt zum vierten Mal eine Kulturhauptstadt

Deutschland stellt 2025 zum vierten Mal seit Beginn der Kampagne 1985 eine Europäische Kulturhauptstadt. Bislang waren es 1988 West-Berlin, 1999 Weimar und 2010 Essen für das Ruhrgebiet. Mit dem Wettbewerb will die Europäische Union den gemeinsamen Kulturraum und nachhaltige Entwicklungen in den Bewerberstädten fördern. Die Initiative wird durch das europäische Kulturförderprogramm "Kreatives Europa" unterstützt – für jede Kulturhauptstadt Europas sind 1,5 Millionen Euro aus diesem Programm vorgesehen. Die Städte müssen ein spezifisches Kulturprogramm für das von ihnen gestaltete Jahr vorlegen. Im laufenden Jahr 2019 tragen die bulgarische Stadt Plovdiv und das italienische Matera den Titel.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Dezember 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 14:00 Uhr