Kunstraub im Grünen Gewölbe Joachim Breuninger: Sicherheit in Museen ist ein Balanceakt

Nach dem Kunstraub im Grünen Gewölbe Dresden hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu einer Sicherheitskonferenz geladen. Ziel ist eine bessere Vernetzung von Museen in Sicherheitsfragen. Doch es geht auch um die Frage, wie man Ausstellungsobjekte besser schützt, ohne dass ihre Sichtbarkeit für Besucher darunter leidet. Von einem wahren "Balanceakt" spricht Joachim Breuninger, Vorsitzender des Sächsischen Museumsbundes - und letztlich gehe es natürlich ums Geld.

Ein Mann gestikuliert mit den Händen. 9 min
Bildrechte: imago/Sven Ellger

Museen sollen zugänglich sein und gleichzeitig ihre Schätze gut bewachen. Aber wie viel Sicherheit ist überhaupt möglich? Und was ist vom Vorstoß von Monika Grütters zu erwarten?

MDR KULTUR - Das Radio Mi 27.11.2019 12:10Uhr 08:34 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Museen sollen zugänglich sein und gleichzeitig ihre Schätze gut bewachen. Aber wie viel Sicherheit ist überhaupt möglich? Und was ist vom Vorstoß von Monika Grütters zu erwarten?

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MDR KULTUR: Was genau sind denn die Schwachstellen in puncto Sicherheit in Museen?

Joachim Breuninger: Wir sammeln Objekte, die wir für die Nachwelt erhalten, und stellen diese aus. Und die sollen ja in irgendeiner Form auch zugänglich sein für die Menschen und nicht hinter zehn Zentimeter dickem Panzerglas fast nicht erkennbar sein. Das ist dieser Zwiespalt, indem wir uns als Museumsmacher befinden: Wie weit muss ich mit der Sicherheit gehen? Und wie weit kann ich meinen Besucher entgegenkommen und das Betrachten der Objekte auch noch ermöglichen? Und jetzt hat man bis Montag gedacht, dass dieser Balanceakt im Grünen Gewölbe richtig gelöst ist. Denn die Objekte waren wirklich toll zu sehen, und das ist überhaupt die Stärke des Grünen Gewölbes. Wenn ich jetzt Panzerglas verwenden würde, wird die Sichtbarkeit schlechter. Und ich glaube, von uns hat keiner geglaubt, dass so etwas möglich ist. Vor allem diese Geschwindigkeit und diese Brutalität, mit der dieser Raub stattgefunden hat, die ist doch, denke ich, auch eine ganz neue Dimension.

Wir haben jetzt über das Sicherheits- versus Panzerglas gesprochen. Sehen Sie denn weitere Schwachstellen beziehungsweise Unsicherheitsfaktoren technischer Art?

Ich will gar nicht darüber spekulieren, was im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss generell für Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden. Das weiß ich erstens nicht, denn das liegt ja in der Natur von Sicherheitskonzepten, dass es relativ wenige Menschen von außerhalb überhaupt einschätzen können.

Und da macht der Museumsbund, dem Sie ja vorstehen, auch keine Ausnahme?

Nein, natürlich nicht. Das wär ja dann schon ein Sicherheitsproblem, wenn viele Menschen von außerhalb wüssten, was für Sicherheitsvorkehrungen eigentlich getroffen wurden. Ich kenne die Kollegen dort sehr gut und weiß, dass das alles Profis sind, und dass die ihr Bestes tun, um diese Objekte dort zu schützen. Ich denke schon, dass wir es hier mit einer neuen Qualität zu tun haben. Deswegen ist es auch gut, wenn man jetzt im Nachhinein wirklich alles wieder auf den Prüfstand stellt und sich noch mal überlegt, ob diese Balance zwischen dem Zugänglich-Machen der Objekte und Sicherheit der Objekte wirklich richtig gewählt ist.

Der Sparzwang ist für die Museen enorm. Sie reagieren darauf, indem sie Sicherheitspersonal outsourcen, um Kosten zu sparen. Spielte das eine Rolle beim Einbruch ins Grüne Gewölbe?

Es geht bei dem Outsourcen in der Regel gar nicht ums Kostensparen. Sie müssen Tarif zahlen, egal ob sie die Menschen selber beschäftigen oder das eben Dienstleister machen lassen. Hier geht's ganz viel um Know How. Und gerade Museen können gar nicht so in Themen wie Sicherheit ect. drin sein, wie das unter Umständen ein Dienstleister kann, der das eben in vielen Museen macht, vielleicht auch bundesweit anbietet. Das hat viel auch zu tun mit: Wie decke ich Urlaubszeiten, Krankheitszeiten ab. Da ist ein Dienstleister, der für mehrere Museen tätig ist, viel flexibler als ein einzelnes Museum. Und das ist eigentlich der Grund, warum es sich entscheidet, solche Dinge outzusourcen. Am Ende ist es nicht billiger, aber es ist flexibler und für den Betrieb des Museums einfach sicherer.

Nun möchte Kulturstaatsministerin Grütters das Gleichgewicht zwischen Zugänglichkeit und Sicherung neu bewerten - gemeinsam mit dem deutschen Museumsbund. Sie hat zu einer gemeinsamen Konferenz geladen. Was erwarten Sie?

Ein Mann blickt in die Kamera
Joachim Breuninger steht dem sächsischen Museumsbund vor und ist Chef des Verkehrsmuseums. Bildrechte: Verkehrsmuseum Dresden

Es ist sicherlich richtig, jetzt wieder neu nachzudenken: Kann man etwas besser machen? Aber man muss das ganz klar und natürlich auch mit Finanzen verbinden. Wir reden jetzt über Leuchttürme wie das Residenzschloss, die Staatlichen Kunstsammlungen. Wir haben aber insgesamt über 6.000 Museen in Deutschland mit mal wertvolleren, mal weniger wertvollen Sammlungen. Aber die haben alle das gleiche Problem: Sie sind in der Regel unterfinanziert. Und wenn ich jetzt neue Ansprüche an Museen stelle, was Sicherheit angeht, dann muss ich als Träger, sei das Kommune, Land, Bund oder wer auch immer, natürlich auch dafür sorgen, dass ich meine Museen mit entsprechenden Mitteln ausstatte. Das ist ja immer so die Krux. Im Moment reden wir ganz viel über freien Eintritt für Museen, das ist natürlich auch ein Problem für die Museen, die dann weniger Budget zur Verfügung haben. Auf der anderen Seite reden wir darüber, dass man die Sicherheit verbessern muss.

Es läuft also auf mehr Geld hinaus?

Natürlich, es ist die Frage, was uns unser kulturelles Erbe wert ist, unsere dreidimensionale Kultur, wie wir die schützen wollen. Das ist immer eine Interessenabwägung. Da muss eine gesellschaftliche Diskussion stattfinden. Deswegen ist es auch gut, dass Frau Grütters zu so einer Konferenz einlädt.

Das Gespräch führte Annette Militz für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. November 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2019, 12:10 Uhr