Glücksfund Silberbecher aus verschwundenem Ratsschatz wieder in Dresden

Bei den Stichworten "Schatz" und "Dresden" denkt man eher an den Diebstahl im Historischen Grünen Gewölbe vor fast einem Monat, bei dem mehr als zehn Teile aus drei Juwelengarnituren verschwanden. Bei dem nun wieder in die Obhut der Stadt gegebenen Silberbecher handelt es sich jedoch um ein Stück aus dem Dresdner Ratsschatz, der bereits in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschwand. Nun ist der Becher wieder aufgetaucht. Ein Silbersammler erkannte den Wert des Stückes und sicherte ihn für die Stadt.

Silberbecher aus dem Jahr 1505, der 1945 mitsamt dem Ratsschatz der Landeshauptstadt gestohlen wurde
Der Silberbecher aus dem Jahr 1505 ist wieder in Dresden Bildrechte: dpa

Einen silbernen Becher aus dem verschwundenen Ratsschatz der Stadt hat das Stadtmuseum Dresden am Freitag zurückerhalten. Das über 500 Jahre alte Objekt ist in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschwunden. Der Becher ist rund 20 Zentimeter hoch, besteht aus Silber, der Rand ist vergoldet und auf dem Becherboden befindet sich das Dresdner Wappen.

Silbersammler rettete Schatz für Dresden

Silberbecher aus dem Jahr 1505, der 1945 mitsamt dem Ratsschatz der Landeshauptstadt gestohlen wurde
Stadtwappen im Inneren des Bechers Bildrechte: dpa

Anfang des Jahres hatte ein Professor aus Stuttgart, ein Silbersammler und Kenner, das Stadtmuseum vom Besitz des Bechers informiert. Ihm war das gut erhaltene Stück aus dem osteuropäischen Kunsthandel angeboten worden. Er nahm die Offerte an, wusste da aber bereits, dass der Becher in der Datenbank "Lost Art" als gesucht aufgeführt ist.

Durch seinen Kauf sicherte er ihn vor dem neuerlichen Verschwinden im Dunkel des illegalen Marktes. Er wandte sich an das Museum, das war hocherfreut und erstattete ihm seine Auslagen, einen mittleren fünfstelligen Betrag. Eine genaue Summe nennt die Direktorin des Stadtmuseums, Erika Eschebach, wie in solchen Fällen üblich, nicht.

Ja, wir müssten schon was auf den Tisch legen, dafür mussten wir erstmal das Geld beschaffen. Aber wir haben es geschafft, mit Hilfe der Hohmann-Stiftung, mit Hilfe der Landeshauptstadt und auch eigener Mittel – und konnten es jetzt im November zurückholen. Das ist wunderbar!

Erika Eschebach, Direktorin des Stadtmuseums

Nur wenige Objekte wieder aufgetaucht

Offenbar hatten sich noch vor Eintreffen der Roten Armee Personen des Schatzes bemächtigt. 1955 tauchten zwei Objekte auf, 1981 ein weiteres, im Juni 2017 war es ein Schiffspokal des Nürnberger Goldschmiedes Tobias Wolff aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts – das bisher optisch eindrucksvollste Stück. Und jetzt also der Becher.

Ein silberner Ratsbecher aus dem Jahre 1505. Es ist für uns etwas ganz besonderes, weil es das älteste Stück unseres Ratsschatzes ist, von dem wir ja nur vier Teile zurückbekommen konnten.

Erika Eschebach, Direktorin des Stadtmuseums

Ratsschatz – Stolz einer Stadt

Silberbecher aus dem Jahr 1505, der 1945 mitsamt dem Ratsschatz der Landeshauptstadt gestohlen wurde
Der silberne Becher ist ca. 20 Zentimeter hoch Bildrechte: dpa

Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, legte sich in der Vergangenheit einen Ratsschatz zu, der wurde an Feiertagen, bei hohen Besuchen, besonderen Ratssitzungen aus den Schränken geholt und waren Ausdruck städtischen Wohlstandes. Er diente auch als Kapitalrücklage und konnte in Notzeiten veräußert werden.

Das war auch in Dresden so. Hier bestand der Ratsschatz aus qualitätvollen Silberschmiedearbeiten und kostbaren Gläsern. Es sind 65 Objekte, die der Kunstwissenschaftler und Denkmalpfleger Hildebrand Gurlitt beschrieben, aber nur in Einzelfällen fotografiert hatte. 1944 wurde der Schatz im Keller des Rathauses hinter Brandschutztüren verwahrt, überstand die Bombenangriffe – doch dann verliert sich seine Spur.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Dezember 2019 | 15:30 Uhr

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